Opladen: Lanxess-Chef als Lehrer
VON MONIKA KLEIN - zuletzt aktualisiert: 20.11.2009Opladen (RPO). Lanxess finanziert seit einem Jahr den Chinesischunterricht in vier Kursen im Landrat-Lucas-Gymnasium. Gestern besuchte Personalchef Zhengrong Liu die Arbeitsgemeinschaft und hielt gleich eine Stunde.
Wenn nicht ohnehin alle diese Arbeitsgemeinschaft freiwillig und aus Interesse gewählt hätten, wären sie spätestens jetzt überzeugt, dass die chinesische Sprache ein Gewinn ist. Zhengrong Liu, Personalchef von Lanxess, kann nicht nur Spezialchemie an den Mann bringen, er ist auch bester Werber für seine Muttersprache. Gestern besuchte er einen Kursus der Arbeitsgemeinschaft Chinesisch im Landrat-Lucas-Gymnasium und hatte sehr bald selbst den Unterricht in die Hand genommen.
Chinesisch einfacher als Deutsch
Nach ersten kleinen Sprachübungen erklärte er Schriftzeichen und deren Geschichte und hielt schließlich eine flammende Rede. Auch die Neueinsteiger hätten sicher gemerkt, dass Chinesisch gar nicht so schwer sei wie immer geglaubt werde. Die Phonetik und Schriftzeichen erforderten sicher etwas Fleiß, dafür sei die Grammatik viel einfacher als die Deutsche. Zhengrong Liu hat beides studiert, zunächst in China, dann in Deutschland, und weiß, wovon er spricht. Das kann auch Angelina Engel bestätigen, die jetzt in der Stufe 13 ist und seit zwei Jahren die AG besucht. Sie war bereits in China und hatte keine Verständigungsprobleme. Für eine einfache Konversation reichten ihre Kenntnisse.
Nachfrage steigt
Das Landrat-Lucas-Gymnasium bietet seit mehr als 20 Jahren Chinesisch als Arbeitsgemeinschaft an. Schulleiter Michael Bramhoff schätzt aber, dass die Nachfrage der Eltern in den nächsten Jahren wachsen wird und dass langfristig Chinesisch auch als reguläres Fach an der Schule eingeführt werden könnte.
"Die Betonung ist schon sehr gut", lobte Liu auch jene, die erst vier Unterrichtsstunden hatten. Die muttersprachliche Lehrerin Jufang Comberg nickt. Auch sie ist erstaunt, wie gut es mit der Phonetik klappt. Sie unterrichtet seit gut einem Jahr vier Gruppen in unterschiedlichen Jahrgangsstufen. Bezahlt wird sie für diese Arbeit von der Lanxess AG, die auch bei der Anschaffung von Lehrmitteln unterstützt. Insgesamt 5000 Euro stellt sie jährlich dafür zur Verfügung. Chinesischunterricht hat am Landrat-Lucas-Gymnasium eine lange Tradition. Zwei Jahrzehnte lang bot Lehrerin Dr. Andrea Kraatz das Fach im Rahmen ihres Stundenkontingents an.
Als sie vor eineinhalb Jahren in den Ruhestand ging, gab es niemanden im Kollegium, der die Arbeit hätte fortführen können. Die Chinesisch AG wäre eingeschlafen, hätte sie sich nicht um eine andere Lösung bemüht. Zhengrong Liu kannte sie schon seit 15 Jahren. "Er war früher mal mein Lehrer", erklärt sie. "In meiner Studentenzeit", ergänzt Liu.
Das erleichterte den Kontakt, der diese Art von Bildungs-Sponsoring zur Folge hatte. Mit Jufang Comberg fand man die ideale Nachfolgerin. Und weil Andrea Kraatz die Sprach-AG so wichtig war, hat sie Comberg, die vorher nur Erfahrungen an der VHS hatte, im ersten Jahr noch unterstützt.
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