Leverkusen: Lanxess verschenkt Aktien
VON LUDMILLA HAUSER - zuletzt aktualisiert: 03.02.2010Leverkusen (RPO). Natürlich geht das Papier nicht an irgendwen, sondern an die 7000 Mitarbeiter in Deutschland. Es ist das Dankeschön des Konzerns zum Mini-Börsenjubiläum. Der Konzernchef erläuterte, wie Lanxess die Krise meistert.
Gestern Mittag ließ Axel C. Heitmann die Bombe platzen. Das heißt, es war ein Freudenbömbchen, das er bei der feierlichen Betriebsversammlung zum fünften Geburtstag des Lanxess-Börsengangs losließ. Als Dankeschön für ihre Tatkraft bei der Aufgabe, aus dem anfänglichen "Patienten auf der Intensivstation" (Heitmann) einen funktionierenden Weltkonzern zu machen, schenkte die Firmenspitze den 7000 Mitarbeitern an deutschen Standorten Aktienpakete. Jedem Mitarbeiter eines in der Größenordnung eines Prozentes seines Jahresentgelts. "Den Mitarbeitern entstehen keine Kosten. Einzige Voraussetzung: Sie müssen die Aktienpakete drei Jahre halten", sagte Heitmann strahlend.
Konzernzentrale in Köln
Im Gespräch ist ein Grundstück am Ottoplatz in Deutz, das Köln reserviert hat. Lanxess habe der Stadt mitgeteilt, man könne nicht erwarten, dass die Reservierung anhalte. Sei das Grundstück weg, sobald Lanxess das Projekt wieder angeht, schaue man sich weiter um. – Ausführlicher Bericht zur Lanxess-Geschichte morgen.
Überhaupt lächelte er gestern viel. Weil die Lanxess-Aktie sich seit dem 31. Januar 2005 an der Börse behauptet. Weil Lanxess vermutlich noch in diesem Jahr die wegen der Krise schockgefrorenen Umzugspläne der Konzernzentrale nach Köln vom Eis nimmt.
Und weil der Konzern inmitten der Krise immer noch die Kraft hat für weitere Akquisen und Erweiterungen. Auch in Deutschland. In Uerdingen baut der Konzern ab der zweiten Jahreshälfte eine Formalinanlage für rund 18 Millionen Euro, um sich unabhängiger von Zulieferern zu machen. Bisher hatte Lanxess Formalin bezogen, nun soll die Eingenproduktion folgen – für die eigene Weiterverarbeitung. Das Vorprodukt wird zur Herstellung von Trimethylolpropan (kurz TMP) benötigt, das etwa in der Auto- und Möbelindustrie verarbeitet wird. Fünf zusätzliche Arbeitsplätze sollen entstehen. Möglicherweise würden sie intern besetzt, weil die Mitarbeiter das Knowhow besäßen, berichtete Arbeitsdirektor Rainier van Roessel.
Vor zwei Wochen hatte Lanxess angekündigt, am Standort Bitterfeld 30 Millionen in eine neue Anlage für Membran-Filtrationstechnologie zur Wasseraufbereitung zu investieren. "Es entstehen 200 Arbeitsplätze, sie sollen extern besetzt werden", sagte van Roessel.
Obwohl Lanxess in der Krise mit "gerefften Segeln" (Heitmann) unterwegs sei, heiße das Ziel Wachstum. Heitmann betonte: "Wir haben bei Lanxess in den vergangenen Jahren Stabilisatoren geschaffen, die verdammt stabil sind. Wir haben zuerst die Strukturen gefestigt, 25 Prozent der Geschäfte abgegeben, uns auf das fokussiert, was wir am besten können. Erst später haben wir wieder aufgefüllt." Seit 2009 fährt Lanxess das Sparpaket Challenge 09-12. "Wir bereiten Wachstum nach der Krise in der Krise vor", sagte Heitmann und lächelte. Vorausschauend.
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