Leverkusen: Lauter Leichen im Kasten
VON TOBIAS KRELL - zuletzt aktualisiert: 18.03.2009Leverkusen (RPO). Am Leverkusener Klinikum drehten am Dienstag Studenten aus dem zweiten Semester der Internationalen Filmschule Köln. Der Fachjargon erschließt sich Außenstehenden nicht sofort.
Die Miene passt nur auf den ersten Blick nicht zum Gesagten. "1 – 07 ist gestorben", sagt Christina Liesenkötter. Die Zahl könnte gut auch eine Patientennummer sein. Doch dafür sieht die junge Sprecherin in diesem Raum im Obergeschoss der Kinderklinik am Klinikum Leverkusen eindeutig eine Spur zu zufrieden aus. Natürlich hat soeben kein Menschenleben ein Ende gefunden. Liesenkötter ist Studentin der Internationalen Filmschule Köln (IFS). Und deren zweites Semester dreht seit vergangener Woche im Klinikum. Zehn Kurzfilme von drei bis fünf Minuten Dauer entstehen während dieser "Drehwerkstatt II".
Drehwerkstatt
An der Drehwerkstatt nehmen 27 Studenten der Fachbereiche Drehbuch, Filmregie und Kreativ Produzieren der IFS teil. Es helfen Architekturstudenten der FH Köln und die IFS-Abteilung "Editing Bild und Ton" sowie Schauspielschüler der Folkwang Hochschule Essen/Bochum und der Hochschule für Darstellende Kunst in Stuttgart.
Traum von der Karriere beim Film
Zurück zum "Todesfall": Gestorben ist nur die Einstellung "1 - 07" des von Liesenkötter produzierten Projektes "Emils Engel" – und selbst das ist kein Problem. "Gestorben sagen wir, wenn eine Einstellung im Kasten ist", erklärt die Jung-Produzentin, die im vergangenen Jahr noch als Anwältin für Wirtschaftsrecht tätig war. Nun träumt sie von einer Karriere beim Film. Wie viel sie schon gelernt hat, kann sie an diesem sechsten Drehtag im Leverkusener Klinikum unter Beweis stellen. Alles ist bestens vorbereitet – das muss auch so sein. "Wir haben für die Aufnahmen zu unserem Projekt nur Zeit bis heute Abend. Ohne gute Planung wäre ein Drehtag pro Film nicht einzuhalten", betont sie.
Die Räume in diesem leerstehenden Teil des Obergeschosses haben sich in ein echtes Filmset verwandelt. Neben dem größten Patientenzimmer, das heute als einziger Drehort dient, gibt es Lagerräume, einen Probenbereich, eine Caféteria und eine Maske. "Die hatte heute schon zu tun", erläutert Liesenkötter. Bei Emil (gespielt von Schauspielschüler Daniel Fischer) ist Aids ausgebrochen. Das sieht man dem Patienten auch an, der gerade mit Adam spricht, der wiederum mit der Situation ein Problem hat. Dass Adam Emils Schutzengel ist, wird zwar angedeutet, aber erst in der Schlussszene Gewissheit.
Zu Liesenkötters Team gehören Drehbuchautorin Jenny Bork, die sich zusätzlich am Set als Halterin für die Mikrofonangel verdient macht, und Regisseurin Charlotte Rolfes. Sie erhält Unterstützung durch Kameramann Hans Grimmelmann (unter anderem "Tatort", "Bella Block", "Zürcher Verlobung"). "Ich würde noch ein Take machen", empfiehlt der gerade. Obwohl Bork gut haushalten muss – zur Verfügung steht nur eine Filmrolle für rund 22 Minuten – folgt sie dem Tipp des Profis und lässt Adam und Emil noch einmal den kurzen Dialog wiederholen. Dann ist auch diese Einstellung – man ahnt es schon – gestorben.
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