Leverkusen: Lauterbach: Gesundheitsfonds ist eine „Schnapsidee“
VON TOBIAS KRELL - zuletzt aktualisiert: 19.09.2006Leverkusen (RPO). bürrig Ein paar Minuten später als angekündigt kam Professor Dr. Karl Lauterbach in Bürrig an. Im Saal der Lebenshilfe-Werkstatt widmete sich der gut gelaunte Bundestagsabgeordnete erst einmal der Begrüßung einiger der gut 60 erschienenen Genossen aus dem SPD-Unterbezirk Leverkusen. Hier ein fester Händedruck, da ein Klaps, dort eine Umarmung – in bester Universitätstradition begann er exakt mit Ablauf der akademischen Viertelstunde mit seinen Ausführungen zur Gesundheitsreform und lederte gleich richtig los.
„Das ist eine absolute Schnapsidee“, klagte Lauterbach im Hinblick auf den geplanten Gesundheitsfonds. Spätestens in dem Moment, in dem die Einbeziehung der privaten Krankenversicherungen gescheitert ist („Die Union hat das blockiert“), mache dessen Einführung keinen Sinn mehr. „Damit schwächen wir die gesetzliche Krankenversicherung in Gänze und ganz besonders die AOK“, betonte er. Denn die versichere nicht nur überdurchschnittlich viele chronisch kranke Menschen, sondern auch 60 Prozent der Arbeitslosen und mehr als 70 Prozent der Sozialhilfeempfänger und Geringstverdiener. „Wegen ihrer ungünstigen Beitragssätze verlieren die Allgemeinen Ortskrankenkassen seit 30 Jahren Mitglieder. Mit der Gesundheitsreform in der gegenwärtige diskutierten Version ist die Frage, wie lange sie überhaupt noch durchhalten“, sagte der Bundestagsabgeordnete. Denn neben den durch den Fond deutlich steigenden Sätzen müssten diese mit Sicherheit Zusatzbeiträge erheben und würden dadurch noch teurer. „Nur die Dümmsten oder die echten Idealisten würden in der gesetzlichen Krankenkasse Mitglied bleiben.“ Lauterbach erwartet in den nächsten Tagen eine Entscheidung. Dass der Fond noch kippt und möglicherweise sogar sein Vorschlag – eine durch vorgeschrieben Mindestgrößen erreichte Reduzierung von 270 auf rund 50 Krankenkassen – glaubt er nicht. Aber zumindest eine Beschränkung der Zusatzbeiträge auf maximal ein Prozent des Haushaltseinkommens hält er für wahrscheinlich. „Wenn uns das nicht gelingt, dann wäre es absolut fahrlässig, am ohnehin nicht sinnvollen Gesundheitsfonds weiter festzuhalten“, sagte er.
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