Leverkusen: Lauterbach: „Irrsinniger Ausbau“
VON ULRICH SCHÜTZ - zuletzt aktualisiert: 12.03.2007Leverkusen (RPO). Der geplante Ausbau des Leverkusener Kreuzes bekommt jetzt bundespolitische Bedeutung. Am Samstag kommentierte Bundestagsabgeordneter Prof. Karl Lauterbach den drohenden Bau einer 1000 Meter langen Abbiegespur auf Stelzen quer durch die Kleingartenanlage Bernshecke als „Irrsinn“.
„Irrsinnig, gigantisch, unsinnig“, so bewerteten am Samstag Sprecher des SPD-Parteitages den geplanten Ausbau des Leverkusener Autobahnkreuzes. Dort soll nach bisheriger Vorstellung ein zweispuriger „Überflieger“ – eine Abbiegespur in Form einer fast ein Kilometer langen Brücke – von der A 3 auf die A 1 gebaut werden. Für das vergleichweise riesige Bauprojekt müsste die Kleingartenanlage Bernshecke mit einer Fläche von rund neun Hektar Grünland verschwinden. „Mit uns nicht“, sagten die Teilnehmer des Parteitages. Sie forderten in einer Resolution eine kleinere Lösung, „die durchaus machbar ist und eben keine Utopie“, wie es Oberbürgermeister Ernst Küchler beschrieb.
Mit Prof. Karl Lauterbach verfügen die Leverkusener inzwischen über einen prominenten Gegner der Brückenabbiegespur. Der Bundestagsabgeordnete empörte sich auf dem Parteitag unter anderem über die Länge dieser Fahrbahnen: Da kämen pro Tag an die 30000 zusätzliche Kilometer nur durch diese Abbiegespuren zusammen. „Das ist die Jahresleistung eines Kleinwagens – eine irrsinnige Verschwendung. Ich glaube nicht, dass diese Bauvariante die Diskussion überlebt“, so Lauterbach unter Beifall.
Bedeutet: Er will auch auf die Entscheider im Bundesverkehrsministerium in Berlin Einfluss nehmen, damit das Projekt verhindert wird. Am Dienstag führen Lauterbach, Stadtchef Küchler und Baudezernent Wolfgang Mues dazu ein Gespräch mit Achim Großmann, dem parlamentarischen Staatssekretär im Verkehrsministerium in Bonn.
Vom Acht- auf einen Vierzylinder
Als Beispiel für sein umweltpolitisches Umdenken verwies Lauterbach vor dem Parteitag auf sein neues (Leih-)Auto: „Zum letzten Parteitag kam ich noch mit einem Achtzylinder, jetzt bin ich mit einem kleinen Auto da, das nur 140 Gramm Co2 ausstößt“, erklärte Lauterbach, räumte aber gleichzeitig ein: „Der Achtzylinder fuhr sich schon besser...“.
Zum Parteitag durfte auch Michael Potschka, Vorsitzende Bürgerinitiative Schleswig-Holstein-Siedlung, sprechen. Potschka erzählte von der Akteneinsicht, die einige Anwohner beim Landesbetrieb Straßenbau zum Autobahnausbau erzwungen hatten (Wir berichteten). Da seien erstaunliche Fakten entdeckt worden. So arbeiteten die Behördenplaner mit teils zehn Jahre alten Verkehrsprognosen. Vor allem: Seit 2001 verfolge die Autobahnbehörde nur die Bauvariante der „Überflieger-Abbiegespur“. Deshalb lehnten die Planer auch alles andere vehement ab. „Wir werden gegebenenfalls gegen diese Bauvariante klagen“, drohte Polizeibeamter Potschka.
Dass ein Umbau des Autobahnkreuzes nötig ist, um die täglichen Staus abzubauen, räumen alle ein. Küchler: „Lärm und Luftbelastung sind nicht länger hinnehmbar.“ Der Umbau ließe sich mit minimalem Flächenverbrauch realisieren: „innerhalb des heutigen Bereichs des Kreuzes“. Bürgerinitiativ-Sprecher Potschka ergänzte: „Dies kostet sogar nur ein Fünftel der Summe, die für den Überflieger nötig wäre.“ Aber seit der Bund die Mautgebühren im großen Stil einnehme, spielten Baukosten wohl keine Rolle mehr.
Küchler lobte das Engagement der Bürger: „Wir ziehen mit Ihnen an einem Strang.“ Das Thema gehe die ganze Stadt an. Die Bürgerinitiative bereitet für den Sonntag, 1. April, in der Kleingartenanlage Bernshecke eine Versammlung vor, um die weitere Schritte zum Autobahnausbau zu beraten.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






