Opladen: Lesen auf Bühne und auf Folie
VON PETER KORN - zuletzt aktualisiert: 30.04.2009 - 15:50Opladen (RPO). Jonna Philippsen (10) findet Lesen toll, "weil ich mich dabei entspannen kann". Jeanette Grußien (10) liest gern, "weil man sich da alles richtig vorstellen kann" und Elena Fischer (11) bringt es besonders schnell auf den Punkt: "weil Lesen Spaß macht".
Gemeinsam hielten die drei Freundinnen ihre Bücher-Begeisterung bei der RP-Aktion zum Abschluss der "Lev liest"-Woche sogar schriftlich fest - mit schwarzem Edding auf einer 30 Meter langen gelben Lackfolie, auf der sich jeder mit seiner ganz persönlichen Begründung als Leseratte verewigen konnte.
Mit ihren Klassenkameraden von der 5d der Marienschule statteten die Mädchen dem RP-Lesefestival in der Opladener Fußgängerzone einen "geplanten Spontan-Besuch" ab und führten Texte wie Theodor Storms "ein grünes Blatt" auf: "Wir mussten in den ersten zwei Schulstunden noch eine Klassenarbeit schreiben und wussten deshalb nicht, ob wir's zeitlich überhaupt schaffen", verriet Lehrerin Karin Teepker: "Aber wir wollten unbedingt dabei sein und haben uns darauf vorbereitet."
Dabei sein wollten viele: Mehrere hundert Zuschauer blieben vor der Bühne an der RP-Redaktion stehen, um live mitzuerleben, wie Schüler der Marienschule und des Landrat-Lucas-Gymnasiums Literatur lebendig werden ließen. Ob Lieblingsbücher-Rezitation, literarische Revue oder Dada-Projekt der Beifall war groß, bisweilen sogar ohrenbetäubend.
Roswitha Schmitz applaudierte mit am lautesten: Die 42-jährige Hausfrau aus Flittard wollte eigentlich nur einkaufen gehen, blieb dann aber fast eine Stunde lang und hörte zu. "Erst hab' ich gedacht, es gibt was umsonst, weil da so viele Leute waren", sagte sie. "Dann hab' ich gemerkt, es gibt tatsächlich etwas gratis tolle Texte, live aufgeführt. Ein Riesenlob an alle Schüler, die sich trauen, sich so offen auf einer Bühne zu präsentieren."
Marienschülerin Chantal Grede nahm das Kompliment professionell entgegen: "Ich spiele in der Schule ja auch Theater, singe im Chor, da ist eine Bühne nicht Neues für mich", sagte die 17-Jährige. In einer Fußgängerzone aus einem Lieblingsbuch vorzulesen, in diesem Fall Jodi Picoults spannendes Familien Psychogramm "Beim Leben meiner Schwester" sei jedoch auch für sie etwas Besonderes: "Schließlich hofft man ja, dass die Leute auch zuhören."
Das taten sie bei allen Vorträgen vor allem aber bei Michael Schönen. Der Profi-Autor und Verfasser des Buches "Frohe Kunden" (S.-Fischer-Verlag, 8 Euro) begeisterte nicht nur mit Gedichten und Prosa-Texten, die er eigens fürs Lese-Fest geschrieben hatte: Er übernahm kurz entschlossen auch die Moderation und witzelte sich in die Herzen gerade der jungen Zuhörer. "Das ist ein Lese-Fest. Du darfst nicht klatschen, du hast einen IPod", wies Schönen unter dem Jubel der Zuhörer einen Schüler zurecht. Der 38-Jährige, der von sich selbst sagt, "mit einer Heinz-Erhardt-Platte als Erziehungsberechtigtem" aufgewachsen zu sein, hatte auch den Beginn einer Kurzgeschichte vorgegeben, die Schüler und andere Besucher im Verlauf des Vormittags nach und nach fertigschrieben. "Es tut echt gut, zu sehen, dass man mit Literatur doch noch so viele junge Leute erreicht", resümierte Schönen am Ende begeistert.
Vieles gäbe es noch zu erwähnen: Die Schüler der Hauptschule im Hederichsfeld, die als lebendes Literatur-Sandwich in aufwändig gebastelten Gedicht-Plakaten durch die Fußgängerzone zogen und fleißig Werbung für die Veranstaltung machten. Oder die Lucas- und Marienschüler, die zweieinhalb Stunden lang von der Bäckerei Willeke gespendeten Blechkuchen verkauften und so 415 Euro für den Verein "Leverkusen hilft krebskranken Kindern" zusammenbrachten.
Vereinsvorsitzende Eike Meier war davon so gerührt, dass sie sich am Ende selbst als besonders ausgefallene Leseratte outete: "Ich lese zu Hause so viele Kriminalromane, dass ich meinem Mann damit manchmal ganz schön auf die Nerven gehe."
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






