Leverkusen: Leverkusen ist "verlärmt"
VON LUDMILLA HAUSER - zuletzt aktualisiert: 13.03.2009Leverkusen (RPO). Die Stadt muss ein Lärmminderungskonzept für Leverkusen erstellen. Das haben Europäische Union und das Land Nordrhein-Westfalen angeordnet. Die Bürger können sich im Vorfeld an den Planungen beteiligen.
Dass nachts Menschen in der Stadt kein Auge zukriegen, liegt mitunter nicht nur an ihnen selbst oder an den partyfeiernden Nachbarn. Es liegt am Straßen- und Schienenverkehr. "Es gibt in der Stadt eine ganze Reihe von dichtbesiedelten Flächen, deren Einwohner weder tags geschweige denn nachts zur Ruhe kommen. "Leverkusen ist einfach verlärmt", sagt Hans-Jürgen Lätzsch, Leiter des Fachbereichs Umwelt.
Und weil's auch anderswo auf dem Kontinent laut ist, hat die Europäische Gemeinschaft die Umgebungslärmrichtlinie 2002/49/EG herausgegeben und das NRW-Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirschaft und Verbraucherschutz im vergangenen Jahr einen passenden Runderlass. Laut dem muss Leverkusen ein Lärmminderungskonzept entwickeln, aus dem dann später ein Maßnahmenkatalog abgeleitet werden kann. Der muss wiederum vom Stadtrat beschlossen werden. So gibt's die Bürokratie vor. Lätzsch sagt's so: "Die gesetzlichen Kaskaden sind von Brüssel langsam auch bis in unser kleines Leverkusen heruntergewandert." Und das sei zunächst mal positiv, weil eine Stadt wie Leverkusen sich freuen sollte, dass die Regelungen die langfristige Reduzierung von Lärm erlaubten.
Der Haken: Kurzfristig wird der Lärmaktionsplan an der Situation nichts ändern. Denn seit der Ausschuss für Bürger und Umwelt Ende Januar den Aktionsplan beschlossen hat, läuft die strategische Planung als "erster wichtiger Schritt für die Stadt", sagt Lätzsch. Heißt: Konkrete Maßnahmen, damit Anwohner der Pommernstraße oder des Europrings zur Ruhe kommen, wird es so bald nicht geben. Zuerst muss auf der Grundlage von errechneten Überschreitungen des zulässigen Lärmpegels (70 Dezibel über den ganzen Tag und 60 Dezibel in der Nacht) etwa mit den Baulastträgern, also etwa dem Landesbetrieb Straßen, abgesprochen werden. Vor der Ruhe liegt also weitere Bürokratie.
Und auch wenn Bürgers lärmgeplagtes Schlafzimmer erstmal nicht rasch von Lärm erlöst wird, hofft Lätzsch auf die Hilfe der Leverkusener. "Eben weil die Lärmbelastungsbestimmung nur per Modell entstanden ist – das uns aber die Sisyphusarbeit von Messungen erspart –, brauchen wir die gelebte Erfahrung von Bürgern."
Deshalb ruft das Umweltamt betroffene Bürger auf, ihre Lärmerlebnisse zu schildern. Von dem Angebot könnten viele Gebrauch machen, denn "in Leverkusen gibt es kaum einen Ort, wo es nicht auf die ein oder andere Weise laut ist", hat der Stadtmitarbeiter festgestellt. Dann sät er doch noch ein Fünkchen Hoffnung auf raschere Abhilfe, sobald der Plan steht. "Wenn etwa die Technischen Betriebe der Stadt zukünftig an der Quettinger Straße bauen, können wir Vorschläge machen, Hinweise geben, etwa auf Modelle in Düsseldorf, wo Flüsterasphalt getestet wird, der Abhilfe schafft und gar nicht so teuer ist."
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