Leverkusen: Leverkusen spaltet
VON ROMAN ZILLES - zuletzt aktualisiert: 19.10.2009Leverkusen (RPO). Wo sind die schönen Seiten Leverkusens, wo das Lebenswerte? Wie sehen Bürger ihre Stadt, für die seit zwei Wochen Bayer und Stadt per Kampagne Werbung machen? Eine Umfrage zeigt: Es gibt viel Positives – aber nicht nur.
Standort-Kampagne
Mit sieben verschiedenen Motiven werben Stadt und Bayer (per Anzeigen oder im Internet) unter dem Slogan "Ein starkes Team" für die angenehmen Seiten Leverkusen. Inhaltlich macht diese Standort-Kampagne auf Angebote in den Bereichen Sport, Kultur, Ehrenamt, Bildung oder Freizeit aufmerksam.
Als vor fünf Jahren für Thomas Luncz der Umzug nach Leverkusen anstand, dachte er: "Naja, ist ja keine Super-Stadt." Inzwischen wurde hier sein Sohn geboren ("Ich habe gute Erfahrungen mit dem Klinikum"), er hat sportlich Anschluss ("Das Breitensportangebot ist enorm"), er hat gute Restaurants, den Neuland-Park, das Erholungshaus für sich entdeckt. "Es lässt sich hier gut leben. Ich bereue den Umzug nicht." Nur eines war, ist und bleibt dem Wiesdorfer ein Rätsel: die Verkehrsführung. Luncz deutet Richtung Forum/Kinopolis. "Wer baut denn ernsthaft einen solchen Kreisverkehr?"
Augenwischerei?
Ob auf diese Frage überhaupt eine zufriedenstellende Antwort existiert, soll dahin gestellt bleiben. Der Kreisel gehört sicher nicht zu den Sachen, die Leverkusen lebenswerter machen. Aber welche sind das? Wo sind die schönen Seiten? Wo das Lebenswerte, das Bayer und Stadt seit zwei Wochen per Kampagne ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken wollen? Konkret: Was ist positiv an Leverkusen?
Manchen Passanten vor der Rathaus-Galerie-Baustelle fällt dazu wenig ("Das Beste ist Schlebusch"; "Dass Bayer 04 in der Liga oben steht"), anderen gar nichts ein. "Die Kampagne ist Augenwischerei", meint ein Mann mit zwei Kindern an den Händen. Zwei seiner Freunde arbeiteten bei DyStar. "Die stehen vor dem Nichts. Wie soll ich jetzt das Positive an der Stadt herausstellen?" Überhaupt: Er sei in Leverkusen geboren, habe der Stadt inzwischen den Rücken zugekehrt: "Ich sehe in Leichlingen bessere Voraussetzungen für meine Kinder."
"Schön? Hier war es mal schön." Trotz mehrfachem Nachhaken fällt dem gebürtigen Wiesdorfer Hans-Peter Zabelberg nichts Positives ein. Das alte Rathaus: abgerissen. Das Bayer-Kaufhaus: abgerissen. "Das neue Einkaufszentrum hätte auch nicht sein müssen." Selbst eine geeignete Wohnung hat Zabelberg in Wiesdorf nicht mehr gefunden. Er wohnt jetzt in Rheindorf.
Ist die Kampagne tatsächlich Augenwischerei? Oder ist es vielmehr dringend nötig, den Leverkusener unter die Nase zu reiben, dass das Gute nicht nur in der Ferne liegt?
Lob für Stadion und Streetlife
Lisa Pistel kann eine Menge Schönes aufzählen: "Das neue Stadion ist toll." Und? "Man kann gut shoppen." Das Nachtleben? "Das Calcio ist in Ordnung, und Menschen, die es ruhiger mögen, finden in Opladen Einiges." Die 19-Jährige mag das Street-Life-Festival und den Neuland-Park. "Karneval lässt sich hier natürlich auch gut feiern". Natürlich, Pistel ist ein Roter Funke.
Ihre Freundin Laura Schorn beweist, dass es Leichlinger auch nach Leverkusen zieht – und nicht nur umgekehrt. "Hier ist viel mehr los", vor allem in Sachen "Shoppen und Kino", findet die 17-Jährige. Wie kommt die Kampagne bei den jungen Damen an? "Sie könnte wirklich einige Leute zum Nachdenken anregen. Aber . . .", mahnen Pistel und Schorn: ". . . es muss auch etwas getan werden, damit Leverkusen ansprechend bleibt."
Das Ehepaar Renate und Helmut Müller kommt "einmal pro Woche zum Einkaufen von Opladen nach Leverkusen". Mag die kommunale Gebietsreform auch noch nachwirken und gibt es auch einige Wünsche (ein Rathaus, in dem alle Ämter untergebracht sind; eine Belebung der Gastronomie) – die beiden wissen sehr wohl um die vielen guten Seiten der Stadt: die BayArena, das Forum ("Das ist eine Attraktion"), Theateraufführungen ("Wir haben Abos"), die Grünanlagen. Auch Einrichtungen wie das Senioren-Kino und das Kommunale Kino oder der Hausfrauenbund zählen die Müllers auf.
Kurzum, findet Renate Müller: "Wer in Leverkusen einsam ist, ist selber schuld."
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