Opladen: Machtkampf um Stadthalle
VON ROMAN ZILLES - zuletzt aktualisiert: 30.10.2009Opladen (RPO). Hinter den Kulissen der Opladener Stadthalle tobt ein Machtkampf, der gestern seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte: Ein Gerichtsvollzieher setzte den vom Eigentümer eingesetzten Pächter vor die Türe.
Stadthalle Opladen, gestern Vormittag, etwa 10.15 Uhr: Ein Gerichtsvollzieher betritt das Gebäude und setzt Dr. Michael Lamm per einstweiliger Verfügung vor die Tür. "Herr Lamm hat nun Hausverbot", teilt Rechtsanwalt Peter Orlowski mit. Er vertritt Sven Reumkens, der in der Vergangenheit recht unbestritten als Pächter der Stadthalle galt und dort seit Lamms Abgang vorerst nun wieder das Sagen zu haben scheint.
Widerspruch angekündigt
Aber rund um die Stadthalle scheint in diesen Tagen nur eines unbestritten: dass der Duisburger Projektentwickler Uwe Fuhrmann Eigentümer von Halle, Restaurant und Hotel ist. Der hatte bestätigt, dass er am Wochenende Lamm als neuen Pächter eingesetzt habe. Kurz nach Lamms gestrigem Rauswurf erklärt sein Rechtsbeistand, dass gegen die einstweilige Verfügung Widerspruch eingelegt werde. Der Machtkampf um die Stadthalle wird also wohl weitergehen.
Ü 30-Party abgesagt
Zwar wurde die vom kurzzeitigen Pächter Okan Colak angekündigte Ü30-Party am Wochenende laut Sven Reumkens abgesagt. Allerdings kündigte der derzeitige Hausherr Reumkens an, dass alle gebuchten Veranstaltungen in der Stadthalle stattfinden würden. Auch alle kommenden Karnevalsfeiern seien gesichert – genau die selbe Botschaft hatte am Dienstag bereits der nun per Verfügung abgesetzte Michael Lamm verbreitet.
Was bisher geschah: Reumkens übernahm die Stadthalle Opladen GmbH (nach eigener Aussage und der des ehemaligen Geschäftsführer Phillip Besch) vor einem Jahr und vermietete Halle und Restaurant in vergangenen Wochen zwei Mal weiter. Der Vertrag mit dem ersten Pächter sei schnell wieder aufgelöst worden; er und Reumkens werfen sich nun gegenseitig vor, Inventar aus Halle und Restaurant entwendet zu haben.
Der zweite Pächter fühlt sich geneppt: "Ich will nur mein Geld zurück", sagt Okan Colak. Rund 45 000 Euro. Reumkens sagt dagegen, er wolle Colak als Pächter behalten. Das klingt kurios vor dem Hintergrund, dass – jeweils nach Angaben der beiden – Reumkens gegen Colak (wegen Körperverletzung) und Colak gegen Reumkens (wegen Betrug und arglistiger Täuschung) Strafanzeigen gestellt haben.
Währenddessen gehen Fuhrmann und seine Anwälte davon aus, dass Reumkens kein Recht hatte, Halle und Restaurant unterzuverpachten (Reumkens und seine Anwalt behaupten das Gegenteil). Zudem bezichtigen sich beide Seiten, der jeweils andere bezahle seine Außenstände nicht. Fuhrmanns Anwalt Peter Mauel wirft Reumkens vor, mit der Miete mehr als 100 000 Euro im Rückstand zu sein. Reumkens sagt, er zahle die Miete nicht, um so Fuhrmanns Ausstände bei ihm (angeblich knapp 240 000 Euro für Inventar und Steuerforderungen) abzutragen.
Die Sache ist so vertrackt, dass wohl "nur ein Hauptverfahren am Kölner Landgericht für Klarheit" sorgen könne, sagt Orlowski. "Aber", ergänzt Mandant Reumkens, "das Mietverhältnis ist von dem Verfahren nicht beeinflusst." Er habe einen gültigen Mietvertrag.
Am Rande der Zwists melden sich ehemalige Mitarbeiter von Stadthalle und Restaurant zu Wort. Reumkens sagt, er habe alle Beschäftigten stets bezahlt. Dem widerspricht Daniela Gehr. "Ich bekomme 792 Euro von Herrn Reumkens." Auf Mails und Anrufe habe der zuletzt nicht mehr reagiert. Daher sei Gehr dem Beispiel einer Kollegin gefolgt und habe Klage beim Arbeitsgericht gegen Reumkens eingelegt. "Ich weiß von einigen Kollegen, die noch Lohn von Herrn Reumkens zu bekommen haben", sagt Gehr. Insgesamt soll es dabei um mehrere tausend Euro gehen.
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