Leverkusen: Makler erstochen: Anstifterin kam frei
VON WULF KANNEGIESSER - zuletzt aktualisiert: 30.10.2009Leverkusen (RPO). Die Anstifterin zu einem Raubüberfall ging gestern nach dem Prozess beim Landgericht als freie Frau aus dem Saal, darf ihre Haftstrafe von vier Jahren später absitzen. Ihr Freund (23), der auf ihre Initiative hin einen Leverkusener Immobilienmakler in dessen Büro in Düsseldorf berauben wollte und ihn "aus Raserei" getötet hat, bleibt für zwölf Jahre in Haft.
Als verkehrte Welt muss einem Karatelehrer (23) aus Solingen gestern das Prozessende um den Tod eines 69-jährigen Immobilienmaklers vorgekommen sein. Von seiner gleichaltrigen Freundin war der Kampfsportler vor einem Jahr angestiftet worden, ihren Ex-Chef in dessen Düsseldorfer Büro zu berauben. Der Karatelehrer wurde dabei vom Opfer aber schwer beleidigt und hat den schwer kranken Makler mit zwei Scheren "in wilder Raserei" erstochen.
Zwölf Jahre Haft für Totschlag
Die Frau war für das Gericht "die Initiatorin des gesamten Geschehens". Und doch kam sie gestern mit vier Jahren Haft davon, konnte nach Aufhebung des Haftbefehls sogar als freier Mensch aus der U-Haft spazieren. Dem Freund, den sie keines Blickes mehr würdigte, blieb das Nachsehen. Er bekam zwölf Jahre Haft wegen Totschlags. "In einer Art Abhängigkeit ist er nicht losgekommen von ihr. Und sie ließ ihn in sein Unglück laufen." So hatte der Staatsanwalt gestern im Plädoyer die Machtverhältnisses bei dem jungen Paar zusammengefasst. "Ohne das Streben der jungen Frau nach Geld wäre gar nichts passiert." Demnach war der Karatelehrer bloß ein williger Vollstrecker, der im Oktober 2008 bedenkenlos den Anweisungen der 23-Jährigen gefolgt war. Sie hatte damals ins Büro ihres Ex-Chefs zurückkehren, sich vom Freund trennen und wieder eine eigene Wohnung anmieten wollen. Und das, obwohl dieser Makler sie als Mitarbeiterin angeblich Jahre zuvor vergewaltigt und vielfach sexuell missbraucht habe.
Im Prozess hatte sie dazu schulterzuckend gesagt: "Ich wollte erfolgreich werden." Doch statt der versprochenen 5000 Euro als Mietkaution für ihre neue Wohnung gab das Opfer der Frau am Tattag nur 800 Euro. Zum Auto zu ihrem Freund zurückgekehrt, habe sie den Kampfsportler dann aufgefordert, er soll das Rest-Geld selbst holen – "auf seine Art". Und der Karatelehrer suchte damals prompt den Makler auf. Im Büro habe sich der 69-Jährige aber keineswegs einschüchtern lassen, sondern sei beleidigend geworden. In Rage habe der 23-Jährige daraufhin mit zwei Scheren zugestochen. Ums Geld sei es dem Kampfsportler dabei nicht mehr gegangen.
Wiedersehen mit Familie gefeiert
Mit diesen Aussagen hatten die Angeklagten im Prozess den Vorwurf des gemeinschaftlicher Mordes gekippt. Das Gericht hegte auch im Urteil "erhebliche Zweifel am Wahrheitsgehalt" dieser "Geständnisse". Aber trotz aller Indizien war dem Paar eine Mordverabredung nicht zu beweisen. Es war "wohl eine Spontaneität" des Karatelehrers, hieß es gestern im Urteil. Dafür muss er jetzt wegen Totschlags und Raubversuches für zwölf Jahre hinter Gitter.
Ob die Frau beim Tod des Maklers im Büro gewesen ist, war nicht nachzuweisen. So war ihr nur eine Anstiftung zum Raubversuch vorzuwerfen. Nach einem Jahr in U-Haft kam sie sogar frei, feierte nach dem Urteil mit ihrer Familie auf einem Gerichtsparkplatz Wiedersehen mit Umarmungen. Wann sie ihre Reststrafe antreten muss, steht noch nicht fest.
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