Leverkusen: Mehr Angriffe auf Polizisten
VON ROMAN ZILLES - zuletzt aktualisiert: 15.06.2010Leverkusen (RPO). Polizisten leben immer gefährlicher. Die Zahl der Angriffe auf die Beamten steigt sprunghaft an. In Köln wurden vergangenes Jahr 133 Ordnungshüter bei Einsätzen wie Verkehrskontrollen, Streitschlichtung und anderem verletzt.
LEVERKUSEN/KÖLN Im Polizeipräsidium Köln muss nicht lange gekramt werden, um einen Fall für Aggression gegen Beamte an die Hand zu bekommen. Erst vor wenigen Tagen in Bocklemünd wurden Beamte beschimpft und angepöbelt, als sie ein Auto sicherstellen wollten, berichtet Michael Temme. "Die Nachbarn standen dabei an den Fenstern und haben sich mit dem Halter gegen die Kollegen solidarisiert", fügt der Polizeidirektor der Behörde in einem Pressegespräch an. Temme ist auch für die Eigensicherung der Kölner und Leverkusener Ordnungshüter verantwortlich.
Gefahr sprunghaft gestiegen
"Der Polizeiberuf ist nach wie vor gefährlich", sagte Temme. Und seine Zahlen legen nahe, dass diese Gefahr deutlich, fast sprunghaft angestiegen ist: Wurde 2004 rund 350 Mal Widerstand gegen Kölner Beamte geleistet, lag die Zahl in 2009 doppelt so hoch. 133 Polizisten wurden voriges Jahr im Einsatz verletzt.
240 Fälle wurden in diesem Jahr bereits registriert, in denen Beamte sich Aggressionen ausgesetzt sahen. "Aber", sagt Temme mit verbal erhobenem Zeigefinger: "Diese Zahlen stellen mehr Fragen, als dass sie Antworten geben." Für ihn handelt es sich bei den Ziffern nur um Symptome einer Volkskrankheit, die sich aus "einem allgemeinen Anstieg der Gewaltbereitschaft" und einem offensichtlich galoppierenden Verlust an Akzeptanz von Respektspersonen zusammensetzt.
Dabei stehen häufig Polizisten, mitunter bei banalen Einsätzen, im Fadenkreuz der Aggressoren – die oft jung, männlich und alkoholisiert sind. So geschehen, als ein Lkw-Fahrer auf der Autobahn auf eine Geschwindigkeitsmessstelle zuraste. Oder als Streifenbeamte sich bei der Kontrolle eines Motorrollers von rund zehn Jugendlichen umzingelt sahen, beschimpft und dabei per Handykamera gefilmt wurden. "Zehn Minuten später stand der Film im Internet, als Beispiel, wie man es der Polizei mal so richtig zeigt", berichtet Temme.
Zwar tue die Kölner Behörde ihr Möglichstes, ihre Mitarbeiter bei Ausrüstung (so seien Westen, Helme, Stöcke erneuert und Streifenwagen mit Videosystemen ausgestattet worden) und Ausbildung mit optimalem Rüstzeug auszustatten. Aber steigende Zahlen habe dies nicht aufgehalten, zum Teil sogar das Gegenteil bewirkt: Deeskalierendes Vorgehen interpretiere manch Gegenüber als Schwäche der Beamten.
Gesellschaftliches Problem
Einerseits setzt Temme auf "konsequentes Verfolgen solcher Taten", andererseits auf das Fruchten von Prävention, wie sie die Polizei in Schulen vornimmt. Wichtig ist dem Polizeidirektor, dass der Fokus der Diskussion weg von der Polizei, hin zur Gesellschaft gerückt wird. Denn das Steigen der Gewaltbereitschaft sei mehr oder minder allgemeingültig, meint Temme. "Ich denke, Ordnungskräfte der Stadt spüren dies in ähnlicher Weise."
Einer "Amerikanisierung" der Verhältnisse erteilt Temme eine Absage: "Wir setzen weiterhin auf eine zivile Polizei. Bei uns wird es keine Beamten mit Stahlhelm geben."
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