Leverkusen: Menschen haben wieder Lust auf City
zuletzt aktualisiert: 21.02.2010 - 11:12Leverkusen (RPO). Alexander Otto, Vorsitzender der Geschäftsführung der ECE Projektmanagement G.m.b.H. & Co. KG, über die Leverkusener Rathaus-Galerie, ihre Auswirkung auf die neue Stadtmitte und Einkaufsvergnügen im 21.Jahrhundert.
Herr Otto, in Zeiten der Wirtschaftskrise setzt Ihr Unternehmen ein Zeichen und investiert rund 200 Millionen Euro in die Leverkusener Rathaus-Galerie. Worauf gründen Sie Ihre Aussicht, dass sich diese Investition bald wieder amortisiert?
Otto Zum einen haben wir antizyklisch in der Krise gebaut und profitieren sicher nach der Eröffnung von einer sich erholenden Konjunktur. Zum anderen gibt es bei uns für eine solche Entwicklungsentscheidung strenge Kriterien. Wir haben intensiv das Einzugsgebiet, die Kaufkraft, das Mieterinteresse und die Wettbewerbssituation geprüft und sind überzeugt, dass wir mit der Rathaus-Galerie langfristig erfolgreich sein werden. Diese Zuversicht teilt auch der Investor Credit Suisse, mit dem wir auch an anderen Standorten schon gut zusammen arbeiten.
Sie entwickeln und betreiben allein in Deutschland rund 100 Shopping-Projekte die Office-Bereiche und internationalen Aktivitäten nicht mitgezählt. Welchen Stellenwert hat die Leverkusener Rathaus-Galerie für Ihr Unternehmen?
Otto Die Rathaus-Galerie ist schon etwas ganz Besonderes. Dies gilt nicht nur für die Architektur, sondern auch für die Nutzung: Über dem Handel, der immer schon Grundlage städtischen Daseins war, tagt der Rat der Stadt mit entsprechendem Weitblick. Das ist sicher einzigartig.
Ihr Vater, Professor Werner Otto, hat 1969 in Nürnberg-Langwasser mit dem Franken-Zentrum das erste ECE-Shopping-Center gebaut. Inwieweit haben sich die Anforderungen an solche Projekte bis heute verändert, was ist gleich geblieben?
Otto Zugespitzt gesagt: Früher reichte es aus, ein rechteckiges Gebäude mit großen Parkplätzen drum herum an einen verkehrsgünstigen Standort zu stellen. Heute sind die Anforderungen der Kunden, aber auch der Städte an die Qualität einer solchen Entwicklung deutlich vielfältiger. In den vergangenen Jahren ist etwa die Architektur zu einem zentralen Erfolgsfaktor geworden. Vielfach zeichnen renommierte Architekturbüros wie hier in Leverkusen HPP und BDS für die Außengestaltung verantwortlich. Parkplätze verschwinden in der Regel auf dem Dach oder in einer Tiefgarage. Gleich geblieben ist die Aufgabe, jederzeit einen attraktiven Branchen- und Mietermix anzubieten und die Kunden mit vielfältigen Aktionen und Events zu begeistern auch wenn hier die Anforderungen natürlich deutlich gestiegen sind.
Ihr Vater hat seine Faszination hinsichtlich großer Einkaufszentren nach dem Vorbild der amerikanischen Shopping Malls seinerzeit u.a. mit der kundenfreundlichen Vielfalt der Läden begründet. Inwieweit trifft das Argument heute noch zu?
Otto Der Mix aus unterschiedlichsten Geschäften von groß bis klein, von lokal bis international oder vom inhabergeführten Laden über den Franchisenehmer bis zum großen Filialisten ist weiterhin das große Plus unserer Center. Vor allem haben wir durch das ganzheitliche Management die Möglichkeit, unmittelbar auf Kundenwünsche zu reagieren und beispielsweise angesagte Markenshops sehr schnell in die Center zu bringen.
In Leverkusen befürchten einige Geschäftsleute, die Sogwirkung der Rathaus-Galerie könne andere Bereiche der City schwächen. Andere glauben eher an eine generelle Belebung der gesamten Innenstadt. Wie ist Ihre Meinung dazu, gibt es Erfahrungen aus gleichartigen Projekten in anderen Städten?
Otto Richtig ist, dass jede größere neue Einzelhandelsansiedlung zu Verschiebungen im Handelsgefüge einer Stadt führen kann einige Lagen profitieren, andere können auch verlieren. Unsere Erfahrungen zeigen aber ganz klar, dass unsere Center insgesamt die Innenstadt beleben und wieder mehr Kaufkraft in die City holen. Belegt wurde das beispielsweise aktuell in Karlsruhe, Hannover oder Braunschweig. Natürlich muss der bereits ansässige Handel immer wieder neu auf die Kundenwünsche eingehen so wie sich ein Center auch nach zehn, fünfzehn Jahren neu erfinden und immer wieder modernisieren muss. Mit einer Warenpräsentation oder einem Sortiment im Stil der 70er Jahre oder Immobilien, denen man den Sanierungsstau an jeder Ecke ansieht, kann man nicht dauerhaft erfolgreich sein. Das ist aber auch so, wenn es kein Center gibt.
Haben die großen Einkaufszentren eher in den Innenstädten eine Zukunft oder auf der grünen Wiese?
Otto Ganz klar vor allem in den Innenstädten. Schon seit den 80er Jahren konzentrieren wir uns auf innerstädtische Top-Lagen. Inzwischen sehen wir, dass diese Strategie genau richtig war die Menschen haben wieder mehr Lust auf die City mit ihrer Vielfalt aus Fußgängerzonen und Einkaufsgalerien bekommen. Dazu trägt sicher auch das zunehmende Umweltbewusstsein bei seit Jahren steigt der Anteil der Kunden, die per ÖPNV, per Fahrrad oder zu Fuß zu unseren Centern kommen.
Besuchen Sie selbst auch als Kunde Ihre ECE-Einkaufszentren?
Otto Ich wohne in unmittelbarer Nähe unseres Alstertal-Einkaufszentrums in Hamburg und bin dort regelmäßig mit meiner Familie anzutreffen. Auch unterwegs gehe ich gern in ein Center, übrigens auch in die der Konkurrenz. Genauso schätze ich aber auch den Charme einer gewachsenen Fußgängerzone. Es gibt in Deutschland und Europa viele tolle Einkaufsstraßen, die wir weder kopieren können noch wollen.
Werden Sie zur Eröffnung der Leverkusener ECE Rathaus-Galerie kommen?
Otto Selbstverständlich! Eine Neueröffnung lasse ich mir in aller Regel nicht nehmen. Ich möchte das Center unbedingt im fertigen Zustand sehen und auch das neue Management-Team um Frau Becker kennenlernen. Ebenso haben das Projektteam, die Bauleute und auch die vielen Ansprechpartner in Politik und Verwaltung meinen persönlichen Dank für ihre Arbeit der vergangenen Jahre verdient.
Peter Korn führte das Interview mit Alexander Otto.
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