Leverkusen: Milbe bedroht die Bienen
VON CLAUDIA PROSKE - zuletzt aktualisiert: 15.05.2007Leverkusen (RPO). Leverkusener Imker machen sich große Sorgen. Sie fordern von der Stadt Unterstützung
für Schutzgebiete. Ohne ihre Völker würde es 80 Prozent der Landwirtschaft schlecht gehen.20 000 Arten
Weltweit wird die Zahl der Bienenarten auf rund 20 000 geschätzt. Davon sind in Europa etwa 700 Arten heimisch, davon wiederum 500 in Deutschland.
Bienen ernähren sich rein vegetarisch. Ihre wichtigste Nahrungsquelle sind süße Pflanzensäfte, insbesondere der Nektar von Pollen.
Was man mit Honig so alles kochen und backen kann, erfuhren am Sonntag die Besucher am Pavillon der Leverkusener Imker im Neuland-Park. Dort gab es wertvolle und leckere Tipps und Rezepte zur Verfeinerung von Gerichten mit Honig. Wie lange man mit Honig jedoch noch kochen kann, ist fraglich, denn eine heimtückische Milbe namens Varroa bedroht die deutschen Bienen und hat bereits für einen starken Rückgang der Bienenvölker gesorgt.
Architekten der Natur
In den Vereinigten Staaten sind bereits ein Viertel der 2,4 Millionen Bienenvölker zusammengebrochen, und der Auslöser dafür ist nach wie vor unklar. „Bienen sind die Architekten unserer Natur“, wusste Konrad Kappek, Mitglied beim Imkerverein Bayer und Schlebusch, zu berichten. Die vor rund 25 Jahren aus Südostasien eingeschleppte stecknadelgroße Varroa-Milbe ernährt sich vom Blut der Honigbienen, deren Larven und Puppen. „Dies schwächt die Biene erheblich, sie ist nicht länger immun gegen viele Krankheiten und lebt viel kürzer“, so Kappek. Ihre Artgenossen sehen, wie die Bienen sterben und dezimieren durch ihre Flucht die Bestände zusätzlich. Doch nicht nur Milben, auch von ausländischen Bienen eingeschleppte Krankheiten und Bakterien mindern den deutschen Bienenbestand.
Von Touristen mitgebrachte Bienen, die mit den deutschen Bienen gekreuzt werden, hätten genetische Veränderungen zur Folge, welche die Bienen auch aggressiv machten, so Kappek. Dann würden auch mehr Menschen gestochen. Einer von vielen Gründen, warum Kappek und seine Kollegen sich verstärkt für den Artenschutz der Bienen einsetzen und von der Stadt Unterstützung für Schutzgebiete der heimischen Bienen in dichtbesiedelten Gebieten fordern. Bisher jedoch ohne Erfolg. Dabei hängt von den fleißigen Sammlern und ihrer Bestäubung soviel ab. „Ohne Bestäubung keine Früchte, keine Bäume, keine Vögel“, riss Imker Hans-Peter Brungs das Zukunftsszenario ohne Bienen kurz an.
Einstein und die Bienen
80 Prozent der Landwirtschaft ginge es ohne die Bienen schlecht. Einstein habe laut Konrad Kappek sogar behauptet, dass es die Menschheit nach vier Jahren ohne Bienen nicht mehr gäbe, und auch die Leverkusener Imker mochten sich am Sonntag die genauen Konsequenzen lieber nicht ausmalen. „Die Folgen wären auf jeden Fall schrecklich.“ Der Verlust von Honig als Nahrungsmittel und natürlicher Süßstoff wäre dann noch eines der kleineren Übel. Schließlich habe Honig laut Hans-Peter Brungs auch antibiotische Wirkung. Mit Honig wurden im Krieg früher Schussverletzungen behandelt, und amerikanische Forscher hätten laut Konrad Kappek Mäuse und Ratten mit Krebszellen geimpft, wobei bei vielen nach der Behandlung durch Bienenstiche die Krankheit zum Stillstand gekommen oder sogar zurückgegangen sei. „Ohne Bienen geht es einfach nicht“, brachte es Konrad Kappek auf den Punkt.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






