Leverkusen: Mit Ulli und Rad zum Dom
VON LUDMILLA HAUSER - zuletzt aktualisiert: 23.01.2010Leverkusen (RPO). Die Bayer Cares Foundation unterstützt seit Ende 2007 ehrenamtliche Arbeit. In unserer Serie stellen wir die sieben neuen Projekte aus 2009 vor. Heute dreht sich alles ums Rad.
Noch 75 Tage, dann wird Ali neun Jahre alt. Doch der Tag selbst interessiert den kleinen Leverkusener weniger als das Wochenende nach seinem Geburtstag: Dann nämlich will Ali endlich mitfahren bei Ullis coolen Radtouren. Denn bei denen dürfen erst Kinder ab neun Jahren mitradeln, und Ali will endlich los, will zeigen, dass er mit seinem Rad ebenfalls jeden Berg hochkommt wie Marcel, der ein Jahr älter ist und "immer mit Ulli mitfährt", wie Marcel bekräftigt. "Wie mein Bruder Leon."
Ali will wissen, wie es ist, wenn man in einer Gruppe aus fünf Jungs bis zum Kölner Zoo fährt, sich die Tiere anschaut, ein Eis schleckt und wieder zurückradelt. Wie es ist, wenn man mit Ulli auch mal 57,25 Kilometer zurücklegt und zwischendurch anhält, um einen Apfel zu verdrücken und frisch gestärkt wieder in die Pedale tritt. Und deswegen kann es Ali nicht erwarten, bis endlich das Wochenende nach dem 9. April beginnt. Bis dahin kommt Ali mit seinem Drahtesel zu den Fahrradreparaturkursen von Ulli – sein Zweirad muss schließlich fit werden, bis zum ersten Ausflug mit Ulli.
Ulli heißt Ulrich Schmalstieg, ist Endfünziger, technischer Angestellter bei Bayer und leidenschaftlicher Radfahrer. "Meine Kinder sind erwachsen, warum soll ich dann nicht die Kinder mitnehmen, die von zu Hause aus nicht so gut gestellt sind und deshalb nicht so viele Freizeitmöglichkeiten haben?", fragt er schlicht. "Mitnehmen" ist dabei mehr als untertrieben. Von April bis Ende November unternimmt der Leverkusener jede Woche – "meistens am Sonntag, da kann jeder" – eine Radtour mit den Neun bis 14-Jährigen aus dem Jugendhaus an der Hamberger Straße. Nicht nur ein kleines Ründchen, sondern Rundtouren von 20 bis über 50 Kilometern. "Aber wir fahren kein Rennen, wir machen es gemütlich", sagt Schmalstieg. "Die Jungs sagen ja nicht, wenn sie nicht mehr können, da heißt es dann immer nur ,Ich habe Durst', dann weiß ich Bescheid."
Rad-Unterricht fürs Leben
Dann greift "Ulli" Schmalstieg in seine Satteltaschen, verteilt Wasser ("Die Kinder wollen natürlich Cola, aber das macht mehr Durst, also habe ich gesagt, wer mit will, der muss Wasser trinken") und einen kleinen Snack. Schmalstiegs Lebensgefährtin Angelika Pohl, die die Nachhut der Truppe bildet, erläutert manchmal ein paar Pflanzen am Wegesrand. Ab und zu und weil die Kasse es dank der Förderung der Bayer Cares Foundation im vergangenen Jahr von 1600 Euro zulässt, gibt's eine Bratwurst oder eine Pommes unterwegs. "Aber ich mache den Jungs immer klar, dass das eine Ausnahme ist, weil wir nicht das Geld dafür haben", betont der Ehrenamtler, bei dem die Kinder bei den Touren auch fürs Leben lernen. "Und Freunde finden", sagt Leon. "Ein paar Jungs habe ich erst hier kennen gelernt. Das ist toll. Außerdem ist Ulli so cool."
Der coole Ulli, der von dem Fördergeld Fahrradhelme und Regenjacken anschaffte und immer ein Sortiment an Verbandsmaterial in den Satteltaschen hat, lächelt verlegen. Dass er für die Jungs seine Sonntage und Feierabende opfert, ist für ihn selbstverständlich. Die Kinder brauchen ihn, er braucht die Kinder. So einfach ist das. Schmalstieg sagt schlicht: "Alleine Rad zu fahren, macht doch keinen Spaß."
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