Leverkusen: Müll: Familie darf nicht sparen
VON PETER KORN UND STEPHANIE LICHIUS-ENGELS - zuletzt aktualisiert: 13.12.2010Leverkusen (RPO). Eine Leverkusener Familie, die selbst kompostiert und ihren Müll gewissenhaft trennt, möchte gerne eine kleinere graue Tonne. Damit würde sie auch Gebühren sparen. Stadt und Avea aber sagen, dass das nicht geht.
Zum Januar 2011 wird sie wieder angehoben: die Müllgebühr. Und zwar um genau 3,86 Prozent. Leverkusener, die auf ihrem eigenen Grundstück kompostieren, zahlen dementsprechend statt 68,83 Euro dann 71,54 Euro. Ein Umstand, der viele Einwohner ärgert. Unter anderem auch Anja und Markus Hansen.
Die Leverkusener sind gerade in ihr eigenes Haus gezogen, haben im Garten einen Kompost angelegt. "In Zeiten von Umweltschutz und leeren Portemonnaies haben auch wir uns Gedanken zum Thema Müllvermeidung und Sparen gemacht", sagen sie. Und freuen sich: "Ein Anruf bei der Stadt, und wir sparten uns Gebühren – was will man mehr."
Restmüll
Als Restmüll wird im Allgemeinen jener Abfall bezeichnet, der keiner Wiederverwertung (Recycling) zugeführt werden kann, also komplett beseitigt werden muss. Dieser Abfall wird in die Restmülltonne gegeben oder – falls es sich um größere Teile handelt– als Sperrmüll entsorgt.
120-Liter-Tonne für den Restmüll
Doch das Ehepaar wollte mehr – beziehungsweise weniger. Denn für ihren Drei-Personen-Haushalt (zwei Erwachsene, ein Kind) steht eine 120-Liter-Tonne für den Restmüll vor Hansens Haus. "Wir sind sicherlich keine extremen Mülltrenner", sagen die beiden Leverkusener. "Aber wir achten sehr darauf, dass nur das in die Tonne kommt, was auch wirklich hineingehört. Und dann bleibt für die graue Restmülltonne eben nicht mehr viel übrig – vielleicht 50 Liter."
Per Anruf beim Müllentsorger Avea wollten Hansens noch ein bisschen mehr sparen – kleinere Tonne, geringere Gebühren. Dachten sie. Dann aber die Ernüchterung: "Die erste Reaktion war ein leichtes Amüsement", erzählt Markus Hansen. Und dann die Erklärung: Sonst wollten immer alle nur größere Tonnen haben. Aber nein, auch eine kleinere könne man der kleinen Familie nicht geben. Das sei einfach nicht vorgesehen.
Claus-Dieter Steinmetz von der Avea bestätigte diese Auskunft im Gespräch mit unserer Zeitung. "Das hat aber nichts mit Willkür unsererseits zu tun, sondern mit der Art und Weise, wie in Leverkusen und anderen Städten Müllgebühren errechnet werden."
Während es in der Nachbarstadt Leichlingen beispielsweise eine braune Tonne für Biomüll gibt und die Gebühren sich ansonsten unter anderem nach der bestellten Größe der Restmülltonne richten, bevorzugt Leverkusen ein anderes Modell. Laut Auskunft der Stadtverwaltung werden die Abfallentsorgungsgebühren hier anhand des so genannten Personenmaßstabs festgelegt. Das bedeutet: Pro Person werden 30 Liter Restmüll pro 14 Tage gerechnet, bei zweiwöchiger Leerung. Außerdem sind pro Person 40 Liter Wertstoff (Papier, Pappe) für 4 Wochen vorgesehen.
"Dass bei einem Drei-Personen-Haushalt eine 120-Liter-Restmülltonne geliefert wird, hängt damit zusammen, dass noch ein kleiner Sicherheitspuffer für besonders müllstarke Zeiten eingerechnet wird.
Zehn Euro Abschlag pro Person
Bürger, die kompostieren, können auf Antrag etwa zehn Euro Abschlag pro Person auf ihre Gebühren erhalten. Doch Restmüllvolumen reduzieren, das gehe bei einem solchen System leider nicht – wohl auch deshalb nicht, damit nicht besonders findige Sparfüchse eine kleine Tonne bestellen, ihren überzähligen Müll dann aber in öffentlichen Abfalleimern entsorgen oder gar in den Wald kippen.
Familienvater Hansen sieht das dennoch nicht ein: "Ich finde es absolut willkürlich, wie hier Gebühren berechnet werden", sagt er. Es werde in keinster Weise nach dem Bedarf geschaut. Überall solle und müsse gespart werden und direkte Müllvermeidung komme der Umwelt zu Gute. Hansen fragt: "Warum wird das dann nicht belohnt?"
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