Leverkusen: Neues Herrchen für Problemhund Gismo?
VON INA LAUER - zuletzt aktualisiert: 03.04.2010 - 12:45Leverkusen (RPO). Hellbraunes Fell, freundlicher, treuer Blick - eigentlich sieht Boxermix Gismo aus wie der perfekte Familienhund. Im Tierschutzzentrum Leverkusen hat Gismo jedoch den Status "schwer vermittelbar". Agressives Verhalten kann man bei dem Tier auschließen. Die Verweigerung von Nähe macht ihn aber zum verschlossenen "Problemhund".
Gismo trauert und das seit mittlerweile drei Jahren. So lange ist der neunjährige Boxermix mittlerweile im Tierschutzzentrum Leverkusen an der Reuschenberger Straße. Interessenten gab es bereits genug - Interesse an ihm aber nur von kurzer Dauer. Nicht so bei Uwe Cantzler. Der 62-jährige Orgelbauer aus Hitdorf hat sich an den Problemhund herangewagt.
Zusammenspiel fehlt
"Mir ist es sehr wichtig, zu dem Hund eine Beziehung aufzubauen", erklärt Uwe Cantzler bei seinem vierten Spaziergang mit Gismo. Cantzler war das Tier vor etwa zwei Wochen bei einer Fahrradtour aufgefallen. "Gismos Kopf hat zwischen dem Zaun hervor geguckt, als ich am Tierheim vorbeigefahren bin. Der Kopf hat mich an meinen vorherigen Hund erinnert. Deshalb musste ich mir Gismo anschauen und kennen lernen."
Hunde im Tierschutzzentrum
Zahlreiche Tiere beheimatet das Tierschutzzentrum Opladen.
Hunde: 21
Schwer vermittelbar sind davon: 10
Überlegungen vor der Anschaffung:
- Genug Zeit für ein Tier?
- Kosten?
- Lebensdauer des Tieres?
- Wo kommt das Tier unter im Urlaub?
Rücklauf-Quote nach Vermittlung: gering
Schnell stellte Cantzler bei Spaziergängen fest, dass sich die Gemeinsamkeiten der beiden Hunde nur auf die Optik beschränken. Wenn Cantzler mit Gismo Gassi geht, trottet das Tier meist voran, ohne sich umzudrehen. Fast so, als würde er den Hundeführer ignorieren. Gefällt ihm die Richtung nicht, bleibt er Stehen. Schnell kann so der Spaziergang zur Anstrengung werden. Daran sind bereits viele Interessenten gescheitert. "Wenn der Hund nicht spazieren gehen möchte, macht er ganz zu und mauert", sagt Cantzler. Da nützen dem 62-Jährigen auch über 17 Jahre Erfahrung mit Hunden nichts.
Die Vorgeschichte Gismos
Gismo ist ein Scheidungshund. Herausgerissen aus der Idylle einer Familie mit Kleinkindern, Katzen und Hundewelpen, fristet Gismo ein einsames Dasein im Tierheim, an dem er nur die wenigsten teilhaben lässt. Vor Kummer biss sich der mittlerweile neunjährige Hund immer wieder in den Schwanz. Die physische Folge: Der halbe Schwanz musste amputiert werden. Die psychische Auswirkung heißt Isolation.
Um den Hund aus seiner Verschlossenheit zu locken, würde Cantzler den Hund gerne auch mal mit nach Hause nehmen. Damit möchte er testen, wie er auf eine Umgebung außerhalb des Tierheims reagiert. "Das ist oft so, dass Hunde im Tierheim sich anders verhalten, als wenn sie in einer festen Familie und Umgebung sind."
Dem kann Heike Rehringhaus, zweite Vorsitzende im Tierschutzheim, nur zustimmen: "Viele Leute geben schnell auf, wenn sie hören, der Hund habe ein territoriales Verhalten. Doch ich glaube, das ist nicht der wirkliche Gismo. Er muss raus aus dem Tierheim. Bei vielen Tieren ist es so, dass sie sich in Familien positiv entwickeln und hinterher kaum wieder zu erkennen sind."
Bisher ist es fraglich, ob dieses Schickal Gismo durch Uwe Cantzler und seiner Ehefrau wiederfährt. Das Tierheim bietet dem erfahrenen Hundebesitzer eine Schulung mit einem speziellen Trainer an. Das möchte der 62-Jährige austesten. Doch auch, wenn Cantzler nicht der Typ ist, der so schnell aufgibt, muss das Zusammenspiel zwischen Hund und seinem Herrchen stimmen. Gewisse Zeifel hegt Cantzler: "Ich weiß nicht, ob ich es schaffe."
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