Leverkusen: Neun Jahre Haft in Peru
VON TOBIAS KRELL - zuletzt aktualisiert: 04.11.2009Leverkusen (RPO). Der Drahtzieher eines schwunghaften Kokainhandels, ein Ex-Leverkusener, wurde nach neun Jahren Haft in Peru nach Deutschland ausgeliefert. Gestern verurteilte ihn das Schöffengericht in Opladen zu 42 Monaten Gefängnis.
Schwere Zeiten
Mit Blick auf die dramatischen Haftbedingungen in Peru, die lange Zeit seit Tatbegehung und unter Berücksichtigung seines umfassenden Geständnisses in der gestrigen Verhandlung und wegen der bevorstehenden Abschiebung beließ es das Gericht bei der vergleichsweise glimpflichen Strafe von 42 Monaten.
leverkusen/Lima Viele Jahre wurde in Deutschland auf seine Auslieferung aus Peru gewartet. Nun wurde einem Ex-Leverkusener am Amtsgericht Opladen der Prozess gemacht. Er war in den 90er Jahren einer der Drahtzieher eines schwunghaften Kokainhandels in seinen früheren Wohnort Leverkusen. Dafür hat er in Peru neun Jahre (von ursprünglich 25) im Gefängnis gesessen. Auch in Deutschland und den Niederlanden war er lange hinter Gittern. Seine neue Strafe von 42 Monaten muss er wohl nicht verbüßen. Er soll bald nach Italien abgeschoben werden.
Nur ein halbes Dutzend Taten waren gestern Gegenstand des Verfahrens in Opladen. Die hatten es in sich. Hochreines Kokain mit einem Wirkstoffgehalt von 95 Prozent und mehr ließ der frühere Leverkusener nach Deutschland transportieren. Erfolgslos versuchte er sich mit einer Kunstlieferung als Tarnung. Am Flughafen Frankfurt fiel eine 38 Kilogramm schwere Hundestatue aus Porzellan auf, in der sich mehr als vier Kilogramm des Rauschgiftes befanden. Über diesen brisanten Inhalt kamen die Ermittler zwei Brüdern aus Leverkusen auf die Schliche. An der Brandenburger Straße stellten sie am 1. Februar 1996 die Drogenlieferung sicher.
Kokain in verschluckten Kondomen
Von da an setzte der gestern Verurteilte auf menschliche Kuriere, die mit Kokain gefüllte Kondome schluckten, um sie im Körper von Peru nach Europa zu schmuggeln. Bestimmungsort: Leverkusen. Die so genannten Körperschmuggler riskierten bei den Fahrten ihr Leben. "Platzt ein solches Paket, können die Kuriere sterben", sagte Amtsrichter Oliver Fröhlich. Lieferungen aus Lima sollten über Antwerpen oder Madrid nach Deutschland kommen. Die Mengen waren stets groß: 500 Gramm, 800 Gramm, zweimal ein Kilo, einmal zwei.
Um den Tätern in Peru – dort sitzt ein weiterer Ex-Leverkusener mit italienischen Wurzeln zehn Jahre Haft ab – und Leverkusen das Handwerk zu legen, ermittelte die Leverkusener Kriminalpolizei international. Ermittler Volker Ahrens und sein damaliger Kollege Guido Liedtke reisten dafür nach Brasilien. In Tabatinga nahe der Grenze zu Kolumbien vernahmen sie mehrere der Körperschmuggler und zogen das Netz um die beiden Italiener und das Brüderpaar immer enger.
Zum Urteil sagte der Richter: "Ich denke, die harte Zeit im Gefängnis dort war Ihnen eine Lehre", gab er dem Angeklagten mit auf den Weg. Führt den Italiener der Weg künftig noch einmal nach Deutschland, muss er damit rechnen, seine Strafe doch verbüßen zu müssen, um die er durch die Abschiebung nun her-umkommt.
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