Leverkusen: Noroviren-Epidemie
VON STEPHANIE LICHIUS-ENGELS - zuletzt aktualisiert: 08.12.2010 - 09:15Leverkusen (RPO). Das Norovirus, das für schwallartiges Erbrechen und heftigen Durchfall sorgt, hat Leverkusen fest im Griff. Amtsarzt Dr. Martin Oehler spricht gar von einer "regelrechten Epidemie". Einen absoluten Schutz gibt es nicht.
Wer es schon mal hatte, der weiß, dass die Folgen einer Erkrankung durch das Norovirus wie aus heiterem Himmel beginnen. Schon sechs Stunden nach einem Kontakt mit dem Virus, spätestens aber nach drei Tagen, wird der Infizierte von jetzt auf gleich mit Durchfall und gleichzeitigem Erbrechen gequält.
Bis zu 14 Tage bleibt man infektiös
"Die Symptome setzen vollkommen abrupt ein", erklärt Dr. Martin Oehler vom Leverkusener Gesundheitsamt. "Nach wiederum zwölf Stunden, spätestens aber drei Tagen, hört die Erkrankung ebenso abrupt wieder auf." Das Heimtückische: Der Infizierte fühlt sich wieder gesund, trägt das hochgradig ansteckende Virus aber noch mit sich herum. Oehler weiß: "Bis zu 14 Tage lang bleibt man infektiös."
Seit Jahren gibt es immer mehr Probleme mit dem Virus, auch Leverkusen ist betroffen. Und nicht nur das – Oehler geht sogar so weit, von einer "regelrechten Epidemie" zu sprechen. Leverkusen und der gesamte Umkreis sei mal wieder betroffen, denn "das Virus schlägt bevorzugt zwischen Spätherbst und Frühjahr zu", sagt der Experte.
Noroviren-Erkrankungen sind meldepflichtig. Auch deshalb, weil bei Verdacht das Gesundheitsamt ausrückt, um Gemeinschaftseinrichtungen wie beispielsweise Kindergärten zu desinfizieren. Oehler: "Die Ansteckungsgefahr bei diesem Virus ist extrem hoch. In der Regel ist die Erkrankung bei jedem einzelnen schnell wieder vorbei – in der Kette aber kann sie sich lange hinziehen." Daher seit es ganz besonders wichtig, die 48-Stunden-Regel einzuhalten. "Erst 48 Stunden nach Abklingen der Symptome dürfen die Kinder wieder zur Betreuung gegeben werden." Schwierig sei außerdem, dass das fiese Virus mit "normalen" Desinfektionsmitteln nicht eliminierbar sei.
Wichtig: Hygiene
Insbesondere in Seniorenheimen muss eine Erkrankung gut unter Beobachtung gehalten werden. Gerade alte Menschen, die wenig trinken, können schnell dehydrieren, wenn der Körper durch Erbrechen und Durchfall viel Flüssigkeit verliert. "Im Zweifelsfall muss man in einer solchen Einrichtung für eine gewisse Zeit den Besucherstrom kanalisieren", erklärt der Amtsarzt. Auch Kindertagesstätten müssten dann schon mal geschlossen werden – vor allem, wenn auch viele Erzieher betroffen seien.
Da sich das Virus von Mensch zu Mensch überträgt und schon das Anfassen einer Türklinke reicht, um sich zu infizieren, solle man vor allem auf Hygiene achten. Das Landesgesundheitsamt rät: "Erkrankte sollten keine Nahrungsmittel für andere zubereiten, außerdem sollen Leib- und Bettwäsche bei Temperaturen von mindestens 60 Grad mit einem Vollwaschmittel gewaschen werden."
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