Alkenrath: Notausfahrt wurde zur Falle
VON R. ZILLES UND U. SCHÜTZ - zuletzt aktualisiert: 28.06.2007Alkenrath (RPO). Nach dem Zusammenstoß eines Lastwagens mit einem Güterzug in Alkenrath wird der Verkehr nun rund um die Uhr von Bahn-Mitarbeitern geregelt. Heute soll mit der Reparatur der Schranken-Anlage begonnen werden.
Auf den Gesichtern der Passanten, die die Gleise überquerten, lagen betretene Ausdrücke. Die Spuren des Unfalls am Vorabend waren für alle offensichtlich: Die abgerissene Schranke lag am Wegesrand, auf dem Asphalt zeichneten sich dunkle Flecken von ausgelaufenem Kraftstoff ab, und die Schranken-Anlage hing mitsamt Andreaskreuz und Warnleuchte schief neben dem Gleisbett. „Gab’s Tote?“, erkundigte sich ein Fußgänger bei Uwe Lagermann. Der Bahn-Mitarbeiter, der gestern tagsüber den Verkehr von Fußgängern und Radfahrern am Bahnübergang regelte, schüttelte mit dem Kopf.
Heute soll mit die Reparatur der Schranken-Anlage beginnen. Frühestens zum kommenden Wochenende wird die Anlage wohl wieder funktionieren. Solange regeln Bahn-Mitarbeiter wie Lagermann, die über Handy von nahenden Zügen informiert werden, rund um die Uhr den Verkehr am Übergang.
Schadens-Höhen
Die Polizei bezifferte den Sachschaden des Zug-Lkw-Unfalls auf 30 000 Euro. (Ein Fachmann schätzte dagegen auf mehr als 120 000 Euro – rund 80 000 Euro entfielen alleine auf den Lkw). Beim Unfall auf der A 1 soll laut Polizei ein Schaden von 100 000 Euro entstanden sein.
Am Dienstagabend stießen dort ein Zug und ein Lkw zusammen (wir berichteten). Ein 39-jähriger Türke aus Gelsenkirchen hatte seinen Laster über eine Notausfahrt aus einem Stau auf der A 1 Richtung Alkenrather Straße gelenkt. Beim Manövrieren blieb er stecken, und der Lkw wurde von einem Güterzug (mit 21 Waggons voll Kohle) erfasst. Zuvor hatte der 39-Jährige sein Fahrzeug verlassen und der Zugführer sich in den hinteren Teil seiner Lok gerettet.
Ermittlungen wegen Fahrerflucht
Im Bereich der 90-Grad-Kurve vom Feldweg auf die Gleise habe ein abstellter Pkw den Laster beim Überqueren der Gleise gehindert, berichtete Thomas Spehar von der nahen Aral-Tankstelle. Er hatte den Unfall auf einem Überwachungs-Monitor kommen sehen und das Video der Polizei übergeben. Die Bergung dauerte bis 0.30 Uhr. Dann beendeten Mitarbeiter vom Abschleppunternehmen Schwientek die Arbeit. Während sie den zwischen Zug und Schranken-Anlage eingekeilten Laster in mehreren Arbeitsschritten (wegen der Oberleitungen war kein Einsatz eines Krans möglich) befreiten, bargen Helfer der Firma zeitgleich den Lkw, der den Stau auf der A 1 ausgelöst hatte. Vor Burscheid war der Fahrer eines mit konzentriertem Reinigungsmittel beladenen Lasters am Steuer gestorben und das Fahrzeug in eine Böschung gekracht.
Bleibt die Frage: Warum konnte der Lkw einfach die Autobahn verlassen? Im Bereich Alkenrath gibt es beidseits der A 1 Notauf- und -abfahrten. Diese „Betriebsstraßen“ dienen den Rettungsdiensten als Zufahrt. Damit es schnell geht, sind die Zufahrt nicht durch Schranken oder Pfosten gesperrt, sondern nur mit Durchfahrtsverbotsschildern markiert, erklärt Laurenz Brauisch von der Autobahnbehörde Straßen NRW. Man müsse abwägen, was wichtiger ist: schnelles Retten oder das Verhindern von missbräuchlicher Nutzung der Zufahrten.
Während des Staus am Dienstag verließen Dutzende Fahrzeuge die A 1 im Bereich Alkenrath. „Einige sind schnell umgedreht, als sie die Kollegen sahen“, sagte Polizeisprecher Georg Kraushaar. Er bestätigte zudem, dass gegen den 39-jährigen Lkw-Fahrer noch Ermittlungen wegen Fahrerflucht aufgenommen werden könnten, weil dieser wohl zwischen dem Verlassen der Autobahn und dem Unfall noch Verkehrsschilder gerammt hat.
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