Leverkusen: Operation Übernahme
VON MARINA MÜLLER - zuletzt aktualisiert: 26.02.2010Leverkusen (RPO). Federal Mogul und die Industriegewerkschaft Metall streiten vor dem Landesarbeitsgericht um die Übernahme
eines gewählten Jugendvertreters und Auszubildenden in ein unbefristetes Beschäftigungsverhältnis. Ende offen.Argumente untauglich
Im September 2009 stand die Klage zur Verhandlung am Arbeitsgericht in Opladen an. Die Richterin folgte der Argumentation des Unternehmens damals nicht: Weder taugte die schlechte Wirtschaftslage als Grund für den befristeten vertrag für Behrent noch die Aussage, dass im Unternehmen keine Stelle frei gewesen sein soll.
Düsseldorf "Maurice Behrent – § 78 a – Operation Übernahme", so stand es Gelb auf Schwarz auf der Rückseite der bedruckten T-Shirts von etwa 30 bis 40 Jugendauszubildendenvertretern aus NRW, die sich gestern vor dem Landesarbeitsgericht in Düsseldorf zur Solidaritätskundgebung versammelten. Anlass dazu gab der Gerichtstermin im laufenden Verfahren des Automobilzulieferers Federal Mogul aus Burscheid gegen seinen gewählten Jugendauszubildendenvertreter (JAVi) Maurice Behrent.
Nach Abschluss seiner dreijährigen Ausbildung wurde ihm lediglich ein befristeter Arbeitsvertrag im Unternehmen angeboten. Diesen lehnte Behrent jedoch ab und berief sich auf § 78 a, der den Schutz Auszubildender in besonderen Fällen regelt.
Keine offenen Stellen
Im Fall Behrent bedeutet dies laut der Gewerkschaft IG Metall, dass den Mitgliedern der Jugendvertretung eine Ausübung ihres Amtes ohne Furcht vor Nachteilen für ihre künftige berufliche Entwicklung ermöglicht wird. Eine unbefristete Übernahme des JAVis kann der Arbeitgeber lediglich verhindern, indem er Gründe darlegt, die eine Weiterbeschäftigung unzumutbar machen. Eben dies galt es nun in zweiter Instanz vor dem Landesarbeitsgericht in Düsseldorf zu prüfen.
Während die Personalleitung von Federal Mogul angab, es hätte derzeit und in der Vergangenheit keine offenen Stellen im kaufmännischen Bereich gegeben – insgesamt haben aufgrund der Krise 131 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen –, beharrte Mario Utess, Jurist der IG Metall Köln-Leverkusen, auf das Recht des Jugendvertreters auf Übernahme nach seiner Ausbildung. "Wir halten die Argumente des Unternehmens für vorgeschoben und werden nicht zulassen, dass ein ein Stück Mitbestimmung auf dem Altar der Krise geopfert wird", sagte Utess.
Auch die vielzähligen Auszubildendenvertreter aus dem Bezirk NRW traten zu Behrents Unterstützung unter dem Motto "Von den Kolleginnen und Kollegen gewählt – von den Bossen gefeuert. Was Recht war, muss Recht bleiben" für ihr Recht auf Übernahme ein und begleiteten Maurice Behrent nach ihrer Solidaritätskundgebung ins Gericht und sorgten dort für einen vollen Saal.
Richter versuchte zu vermitteln
Auf die Frage des vorsitzenden Richters, ob Federal Mogul nicht doch eine Möglichkeit sehe, dem gewählten Jugendvertreter noch eine Arbeitsstelle anzubieten, reagierte das anwesende Mitglied der Unternehmens-Personalleitung ablehnend.
"Jugendauszubildenden-Vertreter werden in manchen Betrieben weniger gerne übernommen, da sie oftmals als ,unbequem' für den Betrieb wahrgenommen werden", sagte Björn Fitzek, Fachsekretär für Jugend bei IG Metall Köln-Leverkusen im Anschluss an die Gerichtsverhandlung.
Der vorsitzende Richter ließ den Rechtseinspruch zu, der Prozess wird nun in die nächste Instanz gehen. "Wenn nötig, ziehen wir auch bis nach Erfurt vor das Bundesarbeitsgericht", sagte Gewerkschaftsvertreter Mario Utess anschließend bestimmt.
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