Leverkusen: Opladen braucht die Bahnstadt
zuletzt aktualisiert: 21.02.2010 - 12:08Leverkusen (RPO). Siegfried Kuhl (Aktionsgemeinschaft Opladen) über die Galerie.
Herr Kuhl, freuen Sie sich auf die Rathaus-Galerie?
Kuhl Zum Freuen oder nicht entscheide ich mich, wenn in einigen Monaten sowohl die tatsächlichen Verdrängungen als auch die objektiv messbaren Vorteile für Leverkusen im Saldo abzulesen sind.
Bedeutet das neue Einkaufszentrum in Wiesdorf den Untergang der Opladener Fußgängerzone?
Kuhl Die Opladener Fußgängerzone lebt von ihrer gewachsenen Atmosphäre. Das ist ein unersetzlicher Vorteil gegenüber einem Projekt am Reißbrett, wie der Unterschied zwischen französischem und englischem Garten.
Haben sich Händler aus Opladen über die Galerie bei Ihnen beklagt?
Kuhl Natürlich haben alle Angst vor Verdrängung und Überangebot. Leverkusen hätte attraktive Ergänzungen gebraucht, keine Substitute. Das sieht man jetzt von Tag zu Tag deutlicher. Das Klagen richtet sich also eigentlich gegen die realitätsaversen Entscheidungsträger dieser Entwicklung.
Wie steuert die AGO dagegen beziehungsweise gegen Leerstände an?
Kuhl Man muss schauen, was denn nun tatsächlich geschieht. Ich glaube, es wird sicher die ein oder andere „Schürfung” geben, aber bleibende „Platzwunden” befürchtet die AGO aufgrund der beschränkt überlokalen Bedeutung Opladens nicht. Das wird eher in Wiesdorf passieren beziehungsweise ist dort schon passiert.
Die Opladener Fußgängerzone wird oft als „Brötchenmeile” belächelt. Wie kann sie attraktiver werden?
Kuhl Dem Opladener Einzelhandel fehlt es an attraktiven Gewerbeflächen. Gerade die großen Magnet\-anbieter passen sich nicht an Ladenlokale an, sondern geben eher den Zuschnitt vor. Da fehlen uns in Opladen einfach die Entwicklungsmöglichkeiten. Umso wichtiger ist für Opladen der Westteil der Neuen Bahnstadt. Hier könnte eine sinnvolle, attraktive Ergänzung des Einzelhandels Platz finden. Der derzeitige Besatz ist schlichtweg eine Folge des Strukturdefizits. Natürlich müssen wir unsere atmosphärischen Vorteile stärken, attraktive Aktionen bieten und Spezialitäten herausstellen. Und apropos Brötchenmeile: Schauen Sie doch mal in andere Innenstädte vom Zuschnitt Opladens; Wer da prinzipiell Anderes sieht, möge gegebenenfalls den Optiker aufsuchen. Ergo: Die Fußgängerzone wird von selbst attraktiver, wenn Opladen einen Strukturschub erfahren würde. Hier ist die Politik gefragt, konsequent, nachhaltig und ernsthaft zu handeln.
Die Wiesdorfer Händler haben ihre Schlusszeiten vereinheitlicht. Sollte oder muss Opladen beim Thema einheitliche Öffnungszeiten nachziehen?
Kuhl Ja, ja, das Thema einheitliche Ladenöffnungszeiten. Das bewegt uns schon einige Jahre. Letztlich ist es aber die unternehmerische Entscheidung der Inhaber. Wir würden für eine Kernöffnungszeit zwischen 10 und 19 Uhr plädieren, die Opladen gut täte. Aber in Wiesdorf wird die Problematik nicht anders verlaufen. Auch dort werden viele nach wie vor ausscheren, das wird sich von Anfang an zeigen. Gegenteilige Äußerungen sind schlichtweg eine Fata Morgana beim Versuch bauernschlauen Marketings.Wie will man das denn 100-prozentig durchsetzen? Außer natürlich dort, wo es verbindlicher Mietvertragsbestandteil ist, wie etwa bei ECE.
Ludmilla Hauser führte das Gespräch.
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