Leverkusen: Pferde füttern sich selbst
VON CHRISTINA WAGEMANNS - zuletzt aktualisiert: 26.07.2010Leverkusen (RPO). Auf dem Pferdeland Leide gibt es einen riesigen Aktiv-Bereich für Pferde. Mithilfe eines computergesteuerten Chips gelangen sie durch Tore in verschiedene Bereiche des Geländes und entscheiden selbstständig, wohin sie gehen.
Die Anlage
Als Dietmar und Angelika Leide vor fünf Jahren von dem System des Aktiv-Stalls hörten, reisten sie durch Deutschland, um sich die Systeme vor Ort anzuschauen. Angelika Leide zeichnete daraufhin eigene Entwürfe. Im vergangenen November fing das Ehepaar mit dem Umbau an, der nun fast abgeschlossen ist. Anschließend möchte das Paar für weitere 13 Pferde eine zweite Aktiv-Anlage bauen.
Witzhelden Die Pferde auf dem "Pferdeland Leide" in Witzhelden sind offenbar glücklich über ihre Selbstständigkeit. Hengst Flo (28) ist mit seiner Portion Kraftfutter fertig und schlendert zur Tränke. Kaum hat der Hengst den Fress-Automaten verlassen, öffnet sich die Schranke, und der Nächste betritt die Schleuse. Der Automat erkennt das Tier als Pony "Stjarni", das Futter wird sogleich in den Trog ausgeworfen. Danach wandert das Pony zum schattigen Unterstand. Dort trifft es einen Teil der 30-köpfigen Herde.
Dietmar und Angelika Leide, die Besitzer des Pferdelands, sind gegen Boxenhaltung. "Unsere Pferde sollen in einer möglichst perfekt nachgeahmten natürlichen Lebensweise leben", erläutern sie das Konzept. Deshalb hat das Ehepaar einen riesigen Aktiv-Bereich für seine Pferde gebaut, auf dem sich die Tiere 24 Stunden am Tag frei bewegen können.
Futter über einen Chip
Vom Futterautomaten geht es zur Tränke, Heustation, Strohstation, Liegehalle, Unterstand und der 15 Hektar großen Wiese. Per Chip, der in die Mähnen eingeflochten ist, erkennt der Computer an den Schleusentoren, um welches Pferd es sich handelt, was es für Futter bekommt, wie lang es auf die Wiese darf und ob es überhaupt Heu fressen darf.
"Die Pferde, die auf die Diät gesetzt sind, dürfen nicht in den Heubereich", sagt Leide. "Dort öffnet sich die Schranke nicht. Sie dürfen nur zur Strohraufe." Doch das Tor zum Heubereich rastet seit Tagen nicht immer richtig ein. Das haben Piwi und Primo II bereits herausbekommen. Die unter Diät stehenden Pferde nutzen jedoch jede Gelegenheit, um schnell mal einen Stopp beim Heu einzulegen.
"Das Aktiv-System ist einfach toll", schwärmt Leide. "Die Pferde sind ständig in Bewegung, sie werden von den Automaten regelrecht motiviert. Deshalb wird das Futter in bis zu 20 Portionen über den Tag verteilt, ausgegeben."
Besonders der von Arthrose geplagte Flo ist dankbar. "Die Krankheit ist so weit fortgeschritten, dass der Hengst nicht mehr den ganzen Tag in einer Box stehen könnte und hätte eingeschläfert werden müssen", sagt Leide. "Doch hier auf dem Hof kann er sich jederzeit bewegen, was seine Schmerzen erheblich lindert."
"Der Aktiv-Bereich ist eine lohnende Investition in die Zukunft", resümiert Leide. "Nicht nur für die Tiere, auch für uns. Durch die Anlage haben wir drei Stunden pro Tag mehr Zeit für eine intensivere Kundenbetreuung und weitere Verschönerungsmaßnahmen." Auch Urlaub ist für Dietmar und Angelika Leide kein Problem. "Den Computer können wir auch aus der Ferne kontrollieren und steuern."
Schon nach wenigen Tagen im Griff
Dass Pferde intelligente Tiere sind, beweist der Aktivstall. "Wir haben die Pferde zunächst an den Futterautomat gewöhnt und ihnen den Mechanismus gezeigt", sagt Leide", "nach wenigen Tagen hatten sie das System verstanden und testeten es selbstständig aus". Um das gesamte Gelände kennenzulernen, benötigen die Tiere maximal zwei Monate. Ein kleines Manko gibt es aber doch: "Die Pferde können nun auch Türen öffnen, was bei Turnieren manchmal zu kleinen Ausflügen führt", sagt Leide und schmunzelt.
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