Leverkusen: Polizei findet Waffen im Sauna-Club
VON MANFRED SCHWEIG - zuletzt aktualisiert: 11.02.2012Leverkusen (RP). Die Durchsuchung am Donnerstag in dem Bordell an der Porschestraße in Zusammenhang mit einem Rocker-Streit in Mönchengladbach förderte Hieb- und Stichwaffen zutage. In dem Club ging der Betrieb am Freitag offenbar weiter.
Als die Besucher des Kulturtischs vom Kunstverein am Donnerstag nach 21 Uhr Schloss Morsbroich verließen, wunderten sich viele, warum auf dem Parkplatz noch rund 30 Polizeifahrzeuge standen. Der Hausmeister vom Schloss beruhigte: "Die machen nur eine Übung, hieß es."
Die Übung war bitterer Ernst: Ein großes Aufgebot an Beamten, darunter ein Spezialeinsatzkommando und die Kripo, stürmten gegen 20.30 Uhr den Sauna-Club "Globe" an der Porschestraße in der Fixheide und durchsuchten das Gebäude (wir berichteten). Auf dem Parkplatz am Schloss hatten die Kräfte sich gesammelt. Offenbar hielten sich während des Zugriffs weiterhin Polizisten am Schloss als Reserve auf oder sammelten sich dort wieder zum Rückzug.
Objektive Beweise
Im Sauna-Club an der Porschestraße fand die Polizei bei der Durchsuchung "eine Vielzahl von Hieb- und Stichwaffen", teilte die Behörde mit. In der Wohnung an der Quettinger Straße, die am Donnerstag parallel durchsucht wurde, habe man keine Waffen gefunden, sagte die Polizei gestern. Gesucht worden war nach objektiven Beweismitteln aller Art.
Der Betreiber des Sauna-Clubs (37) ist einer der beiden Männer, die die Polizei verdächtigt, während einer Massenschlägerei und Messerstecherei zwischen den Rockergruppen Hells Angels und Bandidos im Januar in Mönchengladbach einen Rocker mit einer Stichwaffe lebensgefährlich verletzt zu haben. Er soll ebenso wie ein 23-Jähriger mit Wohnsitzen in Duisburg und Leverkusen zum weiteren Kreis der Bandidos gehören.
Betrieb ging im Club wohl weiter
Gestern Morgen war es an der Porschestraße ruhig, das Tor zum Club war verriegelt. Normalerweise wird um 11 Uhr geöffnet, heißt es auf der Internetseite des Bordells, das als Pauschalclub gilt, in dem so genannter Flatrate-Sex angeboten wird. So soll ein Ticket für vier Stunden Clubaufenthalt rund 99 Euro kosten. Der Betreiber wirbt im Internet mit einer Fläche von 3000 Quadratmetern und zehn bis 30 "Girls", die täglich Besucher unterhalten. Insgesamt sollen angeblich über 50 Damen in dem Club arbeiten. In der Rubrik "Jobs" auf der Internetpräsenz werden "nette zuverlässige Damen ab 18 Jahren" für die wohl im orientalischen Ambiente gestaltete Einrichtung gesucht.
Am frühen Abend lief der Betrieb im "Globe" gestern offenbar wie gewohnt: Das Tor war geöffnet, Licht brannte am Eingang, Autos parkten auf dem Gelände. Ob bis gestern auch die von Einsatzkräften des Spezialeinsatzkommandos (SEK) eingetretenen Türen repariert waren, ist unklar.
Das gilt auch für die Frage, wer für den Schaden aufkommt. Nach RP-Informationen könnte es sich um Verfahrenskosten handeln. Wer diese zu tragen hat, entscheidet in derlei Fällen ein Richter. So kann es sein, dass etwa der Eigentümer selbst für die Reparaturkosten aufkommen muss. Nur falls in solchen Fällen klar ist, dass es sich bei dem Vorgehen der Polizei um eine grobe Fehleinschätzung handelt, müsste das Land zahlen.
Die für den Einsatz zuständige Polizei aus Mönchengladbach und die Staatsanwaltschaft gaben in der Nacht zu gestern bekannt, dass bei den Auseinandersetzungen der Banden im Januar zwei Personen lebensgefährlich verletzt wurden. Bisher war nur von einem Hells Angel die Rede gewesen. Die Polizei spricht nach der Video-Auswertung der Messerstecherei von einem "hohen Gewaltpotential aller an der Auseinandersetzung beteiligter Personen". Außerdem "waren nahezu alle Beteiligten bewaffnet (Baseballschläger, Schlagringe, Stahlruten und Messer)".
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