Leverkusen: Polizisten bald fit wie nie
VON STEPHANIE LICHIUS-ENGELS - zuletzt aktualisiert: 07.02.2012Leverkusen (RP). In der Wache Heymannstraße ist ein Fitnessraum eingerichtet worden. Hier können die Beamten "auch mal eben zwischendurch" trainieren, wie Inspektionsleiter Claus-Dieter Husfeldt sagt. Sport ist aber auch Pflicht.
Laufen, Springen, Schwimmen, – mit genau messbaren Leistungen in diesen und vielen anderen Disziplinen soll den Polizeibeamten in NRW künftig Beine gemacht werden. Sie haben die Pflicht, so sagt es der Innenminister, sich bis zur Pensionierung körperlich fit zu halten. Deswegen müssen alle unter 55 Jahren alle zwei Jahre nachweisen, dass sie die Forderungen zum Deutschen Sportabzeichen erfüllt haben.
Damit das auch klappt, hat die Leverkusener Wache an der Heymannstraße jetzt einen Fitnessraum bekommen. Crosstrainer, Ergomether, Laufbahn, ein Sitzfahrrad, eine Sprossenwand, ein paar Gewichte. 8000 Euro hat die Einrichtung des Fitnessraums, der vorher für Besprechungen genutzt wurde, gekostet. "Wir wollten ein sogenanntes 'niederschwelliges' Angebot für die Kollegen schaffen, zwischendurch etwas für ihre Gesundheit zu tun", erklärt Hans-Dieter Husfeldt, Leiter der Polizeiinspektion. "Das war bisher nicht möglich – wenn die Kollegen joggen gingen, dann waren die weg."
Anspruch auf Fitness
Der Erlass vom 25. Oktober 2010 sagt: "Die Aufgaben im Polizeivollzugsdienst erfordern ein überdurchschnittliches körperliches Leistungsvermögen. Bürgerinnen und Bürger sowie der Dienstherr haben Anspruch darauf, dass alle Polizeivollzugsbeamten diese Grundvoraussetzung erfüllen.
Es gibt eine "Positiv-Liste"
Aus dem Auto steigen, losspurten, lange Strecken rennen, über Zäune klettern und (viele) Treppenstufen hoch laufen: All das muss trainiert werden, all das sind Alltagssituationen für die Beamten im Streifendienst. "Wir müssen schnell und wendig sein und eine gewisse Kondition mitbringen." Fitness sei Teil des privaten Engagements für den Beruf, stellt der leidenschaftliche Schwimmer klar. "Aber jetzt ist es eben möglich, in ruhigen Zeiten während des Dienstes mal 30 Minuten Training einzuschieben."
Wer sich heute für den Polizeidienst entscheidet, der muss schon bei der Bewerbung nachweisen, dass er das Sportabzeichen und das Rettungsschwimmabzeichen in Bronze hat. Beide Prüfungen werden im Studium wiederholt. Und danach gilt: Das Sportabzeichen, alternativ das europäische Polizeileistungsabzeichen oder der behördeneigene Polizeileistungstest, muss alle zwei Jahre erneuert werden. Fällt ein Kandidat durch, ist das erst einmal nicht schlimm. Hat er es nach vier Jahren allerdings immer noch nicht geschafft, greift ein Förderprogramm. Während der Sport in der Wache die Kür ist, wird das Training dann zur Pflicht.
Eine Kontrolle darüber, wer den neuen Fitnessraum auf der Wache nutzt und wer lieber einen weiten Bogen darum macht, gibt es nicht. Trotzdem fallen diejenigen, die etwas für sich tun, positiv auf: "Jeder, der trainiert hat, meldet sich später bei mir", berichtet Nadine Eberhard. Die 29-Jährige sitzt im Planerbüro der Führungsstelle und führt eine Liste. "Seit der Einweihung am 13. Dezember vergangenen Jahres wurden die Geräte schon 200 Mal genutzt."
Das alles gilt nur für Polizeibeamte unter 55 Jahre. Einige fangen schon an zu rechnen. Wer jetzt 50 ist und vier Jahre lang das Abzeichen nicht schafft, kann das Pflichtprogramm aussitzen, bis er die "rettende" 55 erreicht hat. Husfeldt: "Wir versuchen, mit Einsicht zu arbeiten und nicht mit Zwang. Die meisten wissen, wo ihre Schwächen liegen."
Bisherige Berichterstattung unter www.rp-online.de/leverkusen
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