Leverkusen: Privates von Gerhard Richter
VON MONIKA KLEIN - zuletzt aktualisiert: 11.10.2008Leverkusen (RPO). Im Museum Morsbroich laufen die Vorbereitungen für die Ausstellung „Gerhard Richter – Übermalte Fotografien“, die am Donnerstag eröffnet wird. Der Meister selbst überwachte den Aufbau seiner bisher unbekannten Arbeiten.
SCHLEBUSCH Es riecht nach frischer Farbe. Das ganze Schloss ist frisch gestrichen worden, alle Wände sind blitzeweiß, alle Fenster werden von weißen Rollos abgeschirmt. So kann nichts ablenken von den Bildern, die zum größten Teil noch auf dem Fußboden an der Wand lehnen.
Kleine Formate
Das Aufhängen wird die Hausmeister noch einige Stunden beschäftigen. Denn für die Ausstellung mit übermalten Fotografien von Gerhard Richter, die am Donnerstag im Museum Morsbroich eröffnet wird, besteht zum größten Teil aus kleinen Formaten, umfasst aber etwa 500 Exponate. Noch fehlen die zwölf Arbeiten aus der Hamburger Kunsthalle. Alle anderen, die von 61 Leihgebern zusammen geholt wurden, wurden bereits ausgepackt, sortiert und nach Gerhard Richters eigenen Plänen sortiert. Zwei Räume wurden probeweise gehängt, damit sich der Meister zunächst selbst von der Wirkung überzeugen kann, bevor er grünes Licht für den Rest gibt.
Übermalungen
Für seine übermalten Fotografien verwendet Gerhard Richter Reste von Öl- oder neuerdings auch Lackfarben. Er tupft, streicht oder sprenkelt sie auf die Abzüge. Oder er taucht diese in Farbe, die er dabei entweder verschmiert oder auch vorsichtig wieder abhebt wie bei einer Monotypie.
Er kommentiert auf diese Weise Bildinhalte oder schafft neue, nie dagewesene Wirklichkeiten wie beispielsweise die orangegelbe Feuerwelle, die auf sein eigenes Haus zuzurollen scheint.
Diese Ausstellung, die parallel zu der Präsentation von Richters Malerei im Kölner Museum Ludwig stattfindet, liegt dem prominenten Künstler offenbar ganz besonders am Herzen. Denn dieser Werkkomplex ist bisher praktisch nie gezeigt worden. Zum allergrößten Teil wanderten die übermalten Fotografien direkt aus dem Atelier zu ihren jetzigen Besitzern. Bis auf wenige Ausnahmen sind die Bilder ebenso unbekannt wie die Technik, die Richter dabei anwendet. Eigentlich erstaunlich, findet Museumsleiter Dr. Markus Heinzelmann, immerhin fertige Richter schon seit 1989 regelmäßig übermalte Fotografien an. Darin zeigt Gerhard Richter, der sonst sein Privatleben so konsequent abschottete, erstaunlich viel Privates.
Denn es sind ganz persönliche Fotografien von Familie und Urlaubsreisen, die er benutzte, um die abgelichtete Realität malerisch zu verfremden. Als er vor etwa zwei Jahren erstmals anfragte, sei Richter gleich begeistert gewesen von der Idee, dieser Werkgruppe eine eigene Ausstellung zu widmen und sie erstmals wissenschaftlich aufzuarbeiten. Für Heinzelmann eine spannende und interessante Arbeit. Parallel habe er erfahren, dass Köln auch eine Richter-Ausstellung plane. „Den Kurator des Museums Ludwig kenne ich noch aus meiner Münchener Zeit“, erklärt Heinzelmann.
Die Zusammenarbeit zwischen Richter und den beiden Kunsthistorikern sei hervorragend gewesen. Und der Künstler schätze den intimen Rahmen, den das Museum Morsbroich seinen kleinen Formaten bietet.
Richter kommt selbst
Deswegen wird er auch zur Eröffnung am Donnerstag, 16. Oktober, um 19 Uhr kommen, wozu das Who is Who der aktuellen Kunstszene im Schloss erwartet wird. Die Vernissage in Köln zwei Tage später muss dagegen ohne ihn stattfinden.
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