Leverkusen: Privatmann will Amtsgericht retten
VON INA LAUER - zuletzt aktualisiert: 26.08.2010Leverkusen (RPO). Der Opladener Björn Boos hat eine Internet-Petition für den Erhalt der Amtsgerichtsfassade gestartet. Bis zum 23. September können Befürworter abstimmen. Über den Abriss des Gebäudes hat das Land noch nicht entschieden.
Opladener Rathaus: abgerissen; Schloss Reuschenberg: abgerissen; Opladener Amtsgericht: Abriss noch offen. Den Schwund zahlreicher historischer Gebäude in Leverkusen will Björn Boos nicht hinnehmen. Daher ruft der Opladener jetzt mit einer Online-Unterschriftenaktion zum Erhalt des Altbaus auf.
Seit gut einem Jahr leben die Mitarbeiter des Amtsgerichtes mit der Ungewissheit, ob der Altbau abgerissen und durch einen Neubau ersetzt oder kernsaniert wird. Frühestens im Herbst soll eine Entscheidung fallen. Genug Zeit, um der Politik mit einer Unterschriftenaktion zuvorzukommen und die Entscheidung zu beeinflussen, meint Boos. Nachdem ein Antrag des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Opladen bereits von der Politik abgelehnt wurde (wir berichteten), wird Björn Boos nun als Privatmann aktiv.
Abriss oder Sanierung?
Die Frage um das alte Amtsgericht ist noch nicht geklärt. Ein Antrag liegt beim Finanzministerium vor. Allerdings wird das Land NRW frühestens im Herbst über die Zukunft des Altbaus entscheiden. Derzeit befindet sich die Fassade des Opladener Amtsgerichts immer noch im Schwebezustand.
Größere Reichweite durch Internet
"Ich bin zwar selbst auch politisch engagiert, doch möchte ich niemanden damit abschrecken, dass eine Partei hinter dieser Aktion steckt", sagt der 31-jährige Lehramtsreferendar. Mit einem Bekannten, Michael Boden, startete Boos die Online-Petition in der Nacht zu gestern. "Wir haben in der Vergangenheit bereits Unterschriften in der Opladener Fußgängerzone gesammelt, doch zu zweit bewirkt man nicht viel. Durch das Internet erhoffen wir uns, mehr Bürger anzusprechen", berichtet Boos.
Über 50 Bürger haben schon virtuell unterschrieben. Darunter nicht nur Leverkusener, auch Menschen aus Bonn, Burscheid oder Wermelskirchen stimmen für den Erhalt der alten Fassade. "Als gebürtiger Opladener sehe ich die Entwicklung meines Geburtsortes mit Erschrecken. Es gibt nur noch wenige historische Gebäude, und die sollte man soweit wie möglich alle erhalten. Das würde auch Leverkusen allgemein gut zu Gesicht stehen", heißt es in einer Kommentierung auf der Homepage zur Online-Petition. "Mit dem Verlust dieser Fassade verliert diese Stadt wieder ein Stück ihres Gesichts", äußert ein anderer Befürworter seine Meinung. Zuversichtlich zeigt sich dieser Kommentator: "Wir haben das Kreuz gerettet, da schaffen wir das Amtsgericht locker."
Bis zum 23. September können Befürworter für den Erhalt stimmen. Dann schickt Björn Boos die Liste dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW und dem Düsseldorfer Landtag. Von dort gibt es derzeit keine Neuigkeiten zur Abriss-Frage. Sprecher Dieter Zeleny spricht von einem "unveränderten Stand".
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