Leverkusen: Proben für den Eis-Notfall
VON SARAH BIERE - zuletzt aktualisiert: 09.02.2012 - 20:38Leverkusen (RP). Zehn Einsatzkräfte der Feuerwehr übten gestern am Ophovener Weiher die Rettung einer im Eis eingebrochenen Person. Dabei zählt jede Minute. Zwei Feuerwehrmänner mussten dafür sogar ins vier Grad kalte Eiswasser.
Am Ufer des Ophovener Weihers steht ein Schild mit der Aufschrift: "Betreten der Eisfläche verboten – Lebensgefahr", trotzdem tummeln sich sowohl Fußgänger mit Hunden als auch Schlittschuhläufer auf dem zugefrorenen See. Angst scheinen sie nicht zu haben.
"Leichtsinnig" findet das Harald Theisen, Ausbildungsleiter der Berufsfeuerwehr: "Jedes Jahr brechen Personen im Eis ein, bei diesen Temperaturen ein äußerst gefährliches Unterfangen." Erst setzt das Zittern ein, dann folgen die Muskelkrämpfe und nach etwa 15 Minuten kommt jede Rettung zu spät. Aus diesem Grund probte Feuerwehrleute der Wache Stixchesstraße den Ernstfall.
Wie es weitergeht
r Im Anschluss an die Proberettung muss das Loch in der Eisdecke abgesichert werden.
r Dazu werden Baustellen-Absperrungen um das Loch herum aufgestellt.
r Obwohl für alle städtischen Seen gilt: "Betreten der Eisfläche verboten", halten sich nur wenige daran.
Max. acht Minuten bis zum Einsatz
Mit einem vollem Aufgebot aus Notarzt, Rettungswagen, Gerätewagen "Wasserrettung" und einem Löschgruppenfahrzeug rückten die zehn Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr an. Maximal acht Minuten braucht das Team im Notfall, um an die Einsatzstelle zu gelangen. Nach dem legere ausgelegten Prinzip der Rangordnung war auch der Freiwillige für die Rolle des zu Rettenden schnell gefunden – Brandmeister-Anwärter Kevin Weiß (22). Für den jungen Feuerwehrmann hieß es daher, ab in den "Überlebensanzug" aus Neopren.
Diese Anzüge isolieren nach Außen gegen die Kälte und reflektieren im Inneren die eigene Körperwärme. "Wasser hat eine 27-fach höhere Leitfähigkeit als Luft, daher kühlt der Organismus auch im Wasser viel schneller aus", erläutert Ausbildungsleiter Theisen. Ohne solche lebensrettenden Anzüge wären Übungen im etwa vier Grad kalten Wasser gar nicht möglich. Bevor es mit der Test-Rettung losgehen konnte, musste erst einmal ein Loch her. Die Aufgabe übernahm Brandmeister Marcus Beyer, ebenfalls durch einen "Überlebensanzug" geschützt. Mit einer Kettensäge schnitt er ein großes Loch in das etwa 15 Zentimeter Eis. Dabei wurde er von seinen Kollegen mit Seilen vom Ufer aus gesichert.
Insgesamt drei Rettungsvarianten wurden geprobt. Bei der Rettung mit Leitern vom Löschgruppenfahrzeug schiebt der Feuerwehrmann die Leitern abwechselnd vor sich her, bis er am Opfer angekommen ist. Die zu rettende Person wird auf die Leiter gezogen und an Land gebracht.
Ähnlich funktioniert die Rettung mit dem "Kombiretter", eine Art Schlitten. Diesen schiebt der Retter vor sich her, bis er den Verunglückten darauf ziehen kann. Die dritte Möglichkeit ist die Drehleiter. Dafür müssen die Einsatzfahrzeuge aber nah genug ans Ufer herankommen. Während der Rettung sind alle Personen und Einsatzmittel auf dem Eis mit Seilen abgesichert.
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