Leverkusen: Protest gegen Großfamilie
VON MANFRED SCHWEIG - zuletzt aktualisiert: 16.08.2008Leverkusen (RPO). Jugendliche Mitglieder der Familie sollen in einen Autoraub auf dem Schulhof der KGS/GGS Dönhoffstraße verwickelt sein. Die Bürgerinitiative „Wohnliches Wiesdorf“ fordert Oberbürgermeister Küchler auf, für Sicherheit zu sorgen.
Wiesdorf Die Bürgerinitiative „Wohnliches Wiesdorf“ ist in Aufruhr. Erneut sollen Mitglieder einer stadtbekannten Großfamilie in kriminelle Aktivitäten verwickelt sein. Der neuerliche Vorfall war Auslöser für ein dreiseitiges Schreiben der Initiative an Oberbürgermeister Ernst Küchler. Tenor: Es bestehe dringender Handlungsbedarf in Sachen Sicherheit in Wiesdorf.
Was war geschehen? Ende Juli, das bestätigte gestern auf RP-Anfrage auch die Kölner Polizei, war am Abend auf dem Schulhof der Grundschule Dönhoffstraße der abgestellte Wagen eines Handwerksbetriebes gestohlen worden. Dazu hatten die Täter die Autoschlüssel am Nachmittag von einem Fensterbrett in der Schule entwendet, das Auto zunächst aber nicht angerührt. Als der Angestellte am nächsten Tag das Auto per Ersatzschlüssel holen wollte, war der Wagen weg.
Streetlife ohne Strom
De Großfamilie war unter anderem 2007 bei „Streetlife“ aufgefallen, als Mitglieder hinter der Bühne Künstlergagen stahlen. In diesem Jahr zogen Jugendliche der Familie, so berichtet die Bürgerinitiative, „nur“ Stromkabel.
„Eine Zeugin hat den Vorfall beobachtet“, berichtete gestern ein Polizeisprecher. Am Abend seien Jugendliche wiedergekommen, die erst auf dem Schulhof herumfuhren, später dann davonfuhren. Die Zeugin gab an, sie glaube, zumindest einen der Täter als ein junges Mitglied der ihr bekannten Großfamilie erkannt zu haben. Vier Tage später tauchte der Wagen mit Getriebeschaden und auf sehr kurze Beinlänge eingestelltem Fahrersitz auf dem Bayer-Parkplatz an der Elberfelder Straße wieder auf. Schlüssel und persönliche Dinge fehlten. Die Firma ließ daraufhin sämtliche Schlösser austauschen, hatte insgesamt mehrere Tausend Euro Schaden. Polizeibeamte nahmen vor Ort Fingerabdrücke vom Lenkrad.
„Dieser besondere Vorfall reiht sich nahtlos in die Beschwerden der Wiesdorfer Bevölkerung wegen mangelnder Ordnung und Sicherheit in diesem Stadtteil ein“, moniert die Bürgerinitiative. Der Vorfall mache deutlich, wie viel kriminelle Energie bereits bei minderjährigen Mitgliedern der Großfamilie beobachtet werden könne.
Die Initiative erinnert an das Vorhaben, das Schulgelände einzuzäunen und klagt: „Es reicht nicht aus, lediglich mit einer City-Streife, die aus zwei Personen besteht und für alle Stadtteile zuständig sein soll, den hiesigen Missständen entgegenzuwirken.“ Im Brief unterbreitet „Wohnliches Wiesdorf“ Küchler Vorschläge zur Sicherung des Stadtteils: Neben Einzäunung und Nutzungseinschränkung des Schulhofs hält sie eine Videoüberwachung bestimmter Bereiche für sinnvoll. Außerdem ein Sorgentelefon für die Bürger, deren Hinweisen gezielt nachgegangen werden soll.
Die Bemühungen, das Zentrum durch ECE und Co. attraktiver zu machen, reichten nicht, wenn nicht gleichzeitig Aufmerksamkeit auf die Sicherheit gelenkt würde. Das müsse Chefsache Küchlers sein .
Auch die Polizei gerät in die Kritik: „Die Ankündigung, die Zahl der Beamten zu reduzieren, konterkariert die Situation unserer Innenstadt aufs Schärfste.“
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