Leverkusen: Proteste und Bilanzzahlen
VON ULRICH SCHÜTZ - zuletzt aktualisiert: 13.05.2009Leverkusen (RPO). Ungewöhnlich der Tagungsort, relativ zahlreich die Demonstranten: Die Bayer-Hauptversammlung in Düsseldorf nutzten vor allem die Gegner der CO-Pipeline zwischen Dormagen und Krefeld-Uerdingen für Proteste.
Keine Liebesheirat
Kritisiert wurde Bayer-Aufsichtsratschef Manfred Schneider von Aktionären für die Übernahme des RWE-Aufsichtsratsvorsitzes und damit eines weiteren "Amtes". "Das war keine Liebesheirat zwischen mir und RWE", sagte Schneider gestern. RWE sei "hoch in Umständen gewesen", und er habe dafür die Verantwortung übernommen – aber nur zeitlich befristet, sagte Schneider.
Düsseldorf/Leverkusen Kreuze, der Tod als überdimensionale Pappfigur und Flugblätter: Die Bayer-Aktionäre mussten auf dem Weg in die Veranstaltungshalle erst durch ein Spalier von ein paar Dutzend Demonstranten, unter die sich allerdings auch Mitarbeiter von Bayer gemischt hatten, um die Informationsfront nicht allein den Gegnern der umstrittenen Kohlenmonoxid-Leitung zu überlassen.
"Bayer tötet" – "Bayer erklärt Duisburg den Krieg" – Stopp Bayer CO-Pipeline" – "Die CO-Pipline, Ihre Fragen – unsere Antworten", Lesestoff bekamen die Besucher der Hauptversammlung genug. Bayer-Vorstandsvorsitzender Werner Wenning warb für das Pipeline-Projekt, das die Zukunftsfähigkeit der NRW-Produktionsstandorte sichern soll.
800 Auszubildende einstellen
Der Konzernchef aus Opladen betonte vor den knapp 4000 Aktionären: "Wir sind von der Sicherheit der Kohlenmonoxid-Leitung überzeugt." Das Sicherheitskonzept übertreffe die bisherigen Standards und die gesetzlichen Regelungen. Pipelines seien für viele flüssige und gasförmige Stoffe das beste Transportmittel. Sie seien sicher und zudem notwendig, um die reibungslose Versorgung der Chemparks und der weiterverarbeitenden Industrie zu ermöglichen.
Die Gegner der Pipeline überzeugte dies nicht. Sie verteilten weiter ihre Gegeninformationen. Reaktion eines Aktionärs zu Flugblättern: "Brauche ich nicht, ich wohne an der Pipeline-Trasse. Ich freue mich auf sie...". In seinen Hinweisen zu Anwohner-Protesten sagte Wenning: "Wir sind uns bewusst, dass die Akzeptanz eines Unternehmens und seiner Handlungen in der Gesellschaft eine wesentliche Grundlage für den dauerhaften Erfolg ist." Durch offene Kommunikation wolle Bayer diese gesellschaftliche Akzeptanz erreichen.
Bayer wird eine Dividende von 1,40 Euro pro Aktie ausschütten. Dies sind 1,07 Milliarden Euro. Die Zustimmung der Aktionäre galt als sicher. Für die Leistung in 2008, das "erfolgreichste Jahr in der Unternehmensgeschichte", lobte Konzernchef Wenning die 108 000 Mitarbeiter, die diesen Erfolg erst ermöglicht hätten. Bayer will in diesem Jahr rund 800 Auszubildende einstellen.
Insgesamt zuversichtlich
Wenning gab sich im Ausblick auf 2009 insgesamt zuversichtlich: "Erste Anzeichen einer leichten Belebung der Nachfrage werden erkennbar – allerdings ist das bislang kein Signal für eine nachhaltige Entwicklung." 2009 erwartet Bayer einen Umsatz von 32 Milliarden Euro. Sollte sich das Geschäft beim krisengeschüttelten Teilkonzern MaterialScience beleben, hält Wenning das Erreichen des Jahreszieles weiter für möglich: den Rückgang des Ebitda vor Sondereinflüssen auf fünf Prozent zu begrenzen. Dieses Ziel sei allerdings "zunehmend ambitioniert", sagte Wenning.
Damit die Aktionäre in Düsseldorf nicht hungern mussten, ließ Bayer einiges bereit stellen: 3500 Bananen, 3500 Laugenbrezel, 10 000 Kaltgetränke, 8000 Bockwürstchen, 4500 Frikadellen, 4400 Sandwiches, 8800 Stück Kuchen. Für 4000 Aktionäre gab es Sitzplätze.
Die Bayer-Hauptversammlung wurde von 1000 Beschäftigten vorbereitet. Für die Abwicklung in Düsseldorf waren 540 Mitarbeiter eingesetzt. Bayer mietete von der Düsseldorfer Messe insgesamt 21 700 Quadratmeter Fläche in den Hallen 8a und 8b.
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