Opladen: Rasend schnell aufm Kettenkarussell
VON STEFAN SCHNEIDER - zuletzt aktualisiert: 16.02.2010Opladen (RPO). Im Opladener Zoch ging es gestern rund. Circa 2000 Teilnehmer plus Prinz Bernhard I. zeigten sich mottogemäß "Jeck Op Fastelovend" – und recht brav. Seitenhiebe auf die Großkopferten waren nur vereinzelt zu registrieren.
Das war wirklich schwindelerregend schön – und wie ein Kunstwerk anzusehn: Dass es karnevalistisch in Opladen seit vielen Jahrzehnten rund geht, transportierte die Närrische Kolpingfamilie gestern im Zoch symbolisch mit einem kleinen Kettenkarussell. Rasend schnell flogen darauf die Jeckenpüppchen der örtlichen Gesellschaften durch die Lüfte – von den Altstadtfunken über die Raubritter bis hin zu den Löstigen Rebellen. Und zwei Kassenhäuschen gehörten auch noch zu der närrisch-netten Konstruktion. Den Bastlern Hannelore Bothmann und Kalle Gründer ist damit zweifellos ein ganz großer Wurf gelungen.
Radeln auf der Balkan-Trasse
Den vermisst die Imbacher Dorfgemeinschaft allerdings bei der Leverkusener Politik und beklagt lautstark das Schicksal der Balkantrasse, die sie gern als Fahrradpiste sehen würde. "Bahnstadt ja, Radweg nein, wir radeln in die Pleite rein", so der Vorwurf der Imbacher, die nach eigenem Bekunden schon hart trainieren und "den Tour-Sieg" anvisieren.
Für die Wupperveilchen ist in Zeiten der Wirtschaftskrise alles eine Frage des Geldes. "Nur Bares ist Wahres", urteilte die Pokerrunde, und auf dem Gesellschaftswagen der Lila-Weißen wurde wild an den närrischen Börsen der Welt spekuliert. Jedem Opladener Jeck versprachen die "Bänker" einen Blankoscheck – natürlich über 1,11 Euro. Doch wer traut schon noch den Geldinstituten. In der Dschungel-Welt des Klüngels-Klaan hat kaum noch was Bestand – nicht mal das klassische Dreigestirn. Das kam auf dem tierisch jecken Wagen plötzlich als Affe, Robbe und Bär daher: Prinz Charly, Jungfrau Antje, Bauer Bruno. Ob da das jecke Virus mit im Spiel war, das bereits die Imbacher Karnevalsgesellschaft befallen hat?
Hetdörper Jepolter
Dann besser nix wie weg. Als Transportmittel bieten sich an: der Fasteleers-Express der Altstadtfunken mit Lokomotive oder eine der rauchenden Raketen der Energieversorgung Leverkusen (EVL), die als Dampfmacher im närrischen Lindwurm mitrollte. Wenn doch mit dem Auto geflüchtet werden sollte, sind bestimmte Strecken in kleinen Rheingemeinden tunlichst zu meiden. Sagt jedenfalls der Junggesellenverein Einigkeit Mehlbruch. Denn: "Hetdörper Stroß is en Folter, Ringströß nur Jepolter". Wie schön war es doch da in der guten alten Zeit. Die Neustadtfunken erinnerten an ihr Gründungslokal im Jahre 1928, und auch die 100-jährigen Roten Funken präsentierten sich als (positiv) Rückwärtsgewandte. Für ihre Litfaß-Säule hatten sie historische Ankündigungsplakate aus der Mottenkiste geholt. Als Zugabe gab's Kamelle aus der Kelle, vom Funkenkoch mit Schwung unters Volk am Zugrand geschleudert.
Für weitere Hingucker sorgten viele Fußgruppen: die Zauberer vom Kinder-Treff Lützenkirchener Straße, die Clowns der Kita Bielert, die Schaf-Herde der Löstigen Rebellen. Die Kolping-Indianer um Andreas "Jupp" Schöllmann gaben sich global und feierten ebenfalls Karneval, die Mitglieder von "Jeck op Pänz", in himmelblauen und schweinchenrosanen Stramplern gekleidete Riesen-Babys, thematisierten den Geburtenrückgang, und die "Vier Tollen Häuser" freuten sich in Fußballmontur auf die Weltmeisterschaft in Südafrika. Unübersehbar dabei, dass Stadtdechant Heinz-Peter Teller ein Händchen fürs Schlichten hat: Der Pfarrer streifte sich ein Schiedsrichter-Leibchen über.
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