Leverkusen: Rathaus-Galerie: Die letzten Arbeiten
VON ULRICH SCHÜTZ - zuletzt aktualisiert: 22.02.2010 - 09:03Leverkusen (RPO). Der Umzug der Stadt mit 100 Mitarbeitern ins neue "Rathaus" ist geschafft. Zumindest Kisten, Aktenschränke und Tresore sind im "Ufo" gelandet. Ansonsten wimmelte es im ECE-Einkaufs-Zentrum wie in einem Bienenschwarm.
Eröffnung
Der Festakt für die "Rathaus-Galerie" ist für Dienstagabend angesetzt.
Die offizielle Eröffnung für alle läuft am Mittwoch um acht Uhr.
Saturn geht zwei Stunden früher an den Start und öffnet schon um sechs Uhr.
Samstag in der City: Neugierige strömen in die Fußgängerzone, betrachten, bestaunen, loben und beschimpfen die "Rathaus-Galerie". Im und rund um das Geschäftszentrum steppt der Bär. Hunderte Handwerker setzen alles dran, bis zum Festakt am Dienstag fertig zu werden. Firmenchefs wie Monteure lavieren am Rande des Wahnsinns, der persönlichen Erschöpfung.
Während im Treppenhaus Putzkolonnen nass durchwischen, Fensterputzer für streifenfreies Glas sorgen, sägen gleich nebenan die Kollegen vom Bau Bretter zu oder stauben mit Gips- oder Gehwegplatten. Die Glaser haben die Ruhe weg, zirkeln die letzten Scheiben für die Läden durch die Gänge. Seelenruhig zieht ein Mann auf seiner fahrbaren Bodenputzmaschine Kreise durch das Chaos.
Draußen, zwischen Deutscher Bank und Kinopolis, beobachtet derweil Speditionschef Klaus Niesen zwei Kranführer. Der eine hebt tonnenschwere Säcke mit Kies aufs Zentrum, damit die Flachdachstücke genügend Gewicht haben und nicht jeder stärkere Windsog die Dichtung wegfegt.
Der andere Kranführer leistet Millimeterarbeit, hebt die Container mit den Akten von Oberbürgermeister, Bürgerbüro und Standesamt auf das obere Parkdeck. Von dort schieben die Helfer die Kisten mit 20 000 Akten, die zwei Tresore (je: 500 Kilo) und jede Menge Aktenschränke in die beiden Etagen des Mini-Rathauses.
Alle Geburtsurkunden seit 1900
Allein das Standesamt verwahrt Gebrutsurkunden bis ins Jahr 1900 zurück auf, Eheurkunden der letzten 80 Jahre und die Sterbeurkunden seit 1980. In den städtischen Räumen sieht es leicht wüst aus: Während die Büroräume bestückt werden, rollen Maler die Decken und weißen noch Wände. Techniker regeln die Kabel in den Verteilerschränken so, dass Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn und rund 99 Mitarbeiter ab Dienstag vernetzt sind. "Ich könnte schon trauen, meine Schränke sind eingeräumt, meine Hemden hängen im Schrank", scherzt Standesbeamter Jürgen Heiser. An der Klinke zu seinem Büro hängt das Schild "Ruhe bitte, Eheschließung".
Ruhe? Die hatte Gert Geiger, Leiter des städtischen Fachbereichs Gebäudewirtschaft kaum. "Vor zwei Wochen habe ich kurz überlegt, ob wir den Umzug nicht verschieben müssen", berichtet er und betrachtet leicht sorgenvoll das Durcheinander auf den Rathausetagen. Die Möbel stehen, sind aber noch teils verpackt.
Die Stadt leistet sich nicht nur ein Miet-Rathaus, sie installiert auch das wahrscheinlich höchste Bürgerbüro (Anmeldungen, Passwesen, Standesamt) der Republik. Der Empfangsbereich im Bürgerbüro erscheint überdimensioniert, die zwei Aufzüge des "Rathauses" erinnern an Mini-Lift-Versionen. Eine Mutter mit Kinderwagen und Vater, da passt wahrscheinlich niemand mehr rein.
Ob dies im Alltag klappt mit dem Bürgertransport von der Null-Ebene auf die 4. Etage? Das Bürgerbüro wird pro Jahr von bis zu 150 000 Bürgern besucht. Die meisten davon kommen nach Wiesdorf – noch, vielleicht orientieren sich die Menschen jetzt eher nach Opladen um? Diese Frage stellt sich den Organisatoren des Rathaus-Galerie-Wahnsinns derzeit eher nicht.
Die Pflasterer vor dem ECE fragen sich aber, ob es richtig ist, gleich zwei tonnenschwere Autokräne auf die frisch verlegten Bodenplatten vor der Galerie zu stellen. Die Ladenmonteure mühen sich redlich, die letzten Geschäfte fertig zu bauen, während draußen die Stadt die Idee der Wirtschaftsförderung umkehrt: Gleich im Dutzendpack werden Handwerkerautos mit Knöllchen garniert: Firmen aus ganz Deutschland sorgen so für steigende Einnahmen beim Straßenverkehrsamt. Die Steigerungsraten dürften in den letzten Wochen bei über 100 Prozent liegen.
Egal, der Fertigstellungstermin sitzt allen im Nacken. Ex-Sozialdezernent Gerald Bruchhausen mit Enkel schaut auch vorbei, Markus Märtens, Leiter des Büros Oberbürgermeister, sieht in seinem und im Chefbüro nach dem Rechten. Center-Managerin Katrin Becker versucht per Handy, einen Gast zur verabredeten Zeit zu finden. Wenn Baustellen-Wahnsinn einen Namen braucht: "Wiesdorf-City" zählt zu den Favoriten. "Glauben Sie mir, die werden fertig", meint der städtische Bauexperte Geiger.
Besuch vom "Papst" Ratzinger
Selbst Kaplan Dr. Lothar Schneider nimmt Anteil an der Galerie. "Sieht aus wie ein Bunker", sagt er bei einem Kakao und weiß direkt Historisches zu berichten: Da, wo einst das Bayer-Kaufhaus stand, gleich neben P&C, hat am 15. Dezember 1959 ein gewisser Joseph Ratzinger zu Abend gegessen. Die damalige Leiterin des Thomaswerk, Amelie Berres, hatte den heutigen Papst Benedikt XVI. in das Haus Hauptstraße 4 eingeladen.
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