Leverkusen: Rauchverbot in der BayArena
VON T. KRELL UND R. ZILLES - zuletzt aktualisiert: 30.07.2009Leverkusen (RPO). Fußball-Bundesligist Bayer Leverkusen zeigt Zigaretten im Stadion ab sofort die Rote Karte. Das Gros der Fans ist sauer und geht gegen die neue Regelung auf die Barrikaden.
Gut eine Woche vor dem Bundesliga-Start wurde gestern einigen Fans die Vorfreude auf die innig ersehnte Rückkehr ins heimische Stadion verhagelt. Denn Bayer 04 hat die soeben zum "Schmuckkästchen" ausgebaute BayArena zur weitgehend rauchfreien Zone erklärt. "Wir wollen die Nichtraucher schützen und bitten dabei auch gleichzeitig um Verständnis der Raucher", sagte Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser.
Bereits beim ersten Heimspiel am 15. August sollen die Glimmstängel aus dem Innenraum, von allen Tribünen und aus allen geschlossenen Räumen (auch VIP-Räume und Logen) verschwinden – "ohne Ausnahmen", ergänzt der Kommunikations-Beauftragte Meinolf Sprink. Erlaubt werde das Rauchen nur noch im Außenbereich der Arena sowie auf der so genannten Umgriffebene, also im Bereich der Ess- und Trinkstände. "Wir haben uns entschieden, die Position der Nichtraucher im Stadion zu stärken. Aber es gibt immer noch Bereiche, in denen das Rauchen erlaubt wird", fügt Sprink an.
"Unfassbar"
Fan-Stimmen aus dem Internetforum werkself.de: "Ich finde diese Regelung gelinde gesagt zum K..." (Userin "Frostbeule"), "Ich bin absoluter Nichtraucher. Aber das ist ein Fußballstadion und kein Freizeit- und Unterhaltungspark" ("Bayerbolz 3000"), "Da hab' selbst ich als Nichtraucher lieber die Raucher als eine Auseinandersetzung zwischen Raucher und Ordner..." ("Higlander"), "Man kann sich auch zu Tode reglementieren. Und das meine ich als Nichtraucher...! Was kommt als Nächstes? Bierverbot? Trinkverbot? Essverbot? Klatschverbot? Stehverbot? Hustverbot?... Sind schließlich auch alles Dinge, mit denen man seine Mitmenschen belästigt" ("Pornostuntman"), "Ich finde sowohl das Rauchverbot als auch die Vorgehensweise unfassbar" ("Erik M.").
Welche Strafen Uneinsichtige erwarten, sagte Sprink nicht: "Es geht hierbei nicht um Sanktionen. Wir setzen vielmehr auf ein kollegiales und faires Miteinander von Rauchern und Nichtrauchern." Sollte jemand weiterhin blauen Dunst verbreiten, hoffen die Verantwortlichen, dass er sich durch Hinweise von Stadiongästen oder von Ordnern einsichtig zeigt. Vom Einrichten von "Raucher-Blocks" habe Bayer 04 abgesehen, "da wir eine klare Linie verfolgen", sagte Sprink.
Für diese klare Linie gibt es durchaus vereinzelte Fürsprecher. Das Gros der aktiven Fanszene jedoch geht auf die Barrikaden. Der Fanbeauftragte Andreas Paffrath erhielt schon wenige Minuten nach der Bekanntgabe die ersten Protest-E-Mails. "Und es ist keineswegs so, dass die Beschwerden nur von Rauchern kommen, die sich beschränkt fühlen. Auch etliche Nichtraucher sind entschieden gegen die neue Regelung", sagte er auf Anfrage der RP. "Paffi" selbst raucht nicht mehr, griff früher jedoch häufig zum Glimmstängel. "Während eines Spiels in Manchester habe ich einmal eine ganze Packung geraucht – nur während der zweiten Halbzeit", erinnert er sich. Deshalb könne er sich gut in beide Lager versetzen.
Der Fan-Dachverband "Nordkurve" will sich mit dem Thema befassen. Auch Mitglieder des Fanbeirates wurden schon beauftragt, gegen das Rauchverbot im Block vorzugehen. Und wenn sich am Dienstag die Vertreter der organisierten Anhängerschaft zur regelmäßigen Zusammenkunft aller Fanclub-Vertreter treffen, erwarten alle Beteiligten heiße Diskussionen rund um den blauen Dunst.
Im Düsseldorfer Exil haben die Fans das Rauchverbot klaglos akzeptiert. Dort galt es allerdings nur in der geschlossenen Umgriffebene. Im Freien und in den Blöcken war der Griff zur Zigarette erlaubt.
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