Leverkusen: Razzia im Morgengrauen
VON MICHAEL KASPERS - zuletzt aktualisiert: 05.11.2008Leverkusen (RPO). In der Kaiserstraße in Wiesdorf rollten gestern überraschend Polizeibusse vor. Rund 15 Polizisten durchsuchten das Haus einer Leverkusener Großfamilie. Die Kölner Staatanwaltschaft ermittelt wegen Betrugsverdacht.
Die aufsehenerregende Polizeiaktion wurde gegen acht Uhr gestartet. Ein Teil der Kaiserstraße blieb kurz gesperrt. An der Razzia auf dem Grundstück einer Leverkusener Großfamilie waren uniformierte Beamte und Zivilfahnder beteiligt. „Wir ermitteln gegenwärtig gegen eine einzelne Person wegen des Verdachts auf Betrug “, berichtete ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Köln später.
Bei dem Einsatz, bei dem auch gefilmt wurde, habe es sich im Zuge eines laufenden Verfahrens um eine „Standardmaßnahme“ gehandelt, erklärte der Einsatzleiter der Polizei. Alles sei ruhig und ohne Komplikation verlaufen. Nach knapp zwei Stunden rückten die Beamten wieder ab. Wie lange die Auswertung des sichergestellten Materials dauert, sei noch unklar, ebenso ob in dieser Sache noch weitere Maßnahmen ergriffen würden, so die Staatsanwaltschaft.
Schriftlicher Protest
Im August war die Bürgerinitiative „Wohnliches Wiesdorf“ wegen der Leverkusener Großfamilie auf die Barrikaden gegangen. Mitglieder der Familie sollten damals in einen Autoraub auf dem Schulhof der KGS/GGS Dönhoffstraße verwickelt gewesen sein. In einem dreiseitigen Schreiben an Oberbürgermeister Ernst Küchler wies die Initiative daraufhin, dass Handlungsbedarf in Sachen Sicherheit in Wiesdorf besteht.
Im Rahmen des Einsatzes sind laut Staatsanwaltschaft nur die Räume in der Kaiserstraße überprüft worden. Doch auch in der Waldsiedlung, wo die Familie über eine Immobilie verfügt, hat es laut Aussage von Anwohnern Polizeiaufkommen gegeben. Die Staatsanwaltschaft bestätigte dies nicht. (Das Haus in der Waldsiedlung war schon mal Schauplatz einer Durchsuchung, bei der ein teurer Sportwagen beschlagnahmt wurde).
Ständig Ärger
Unter der Wiesdorfer Bevölkerung stieß die Durchsuchung auf Zustimmung. Auch wenn gestern Morgen noch keiner der Passanten wusste, was der Grund für die Razzia war, die Liste der durch die Familie verursachten Unannehmlichkeiten ist nach Aussage der Anwohner lang. „Das ist auf jeden Fall eine gute Sache. Diese Leute machen doch ständig Ärger, da gibt es pausenlos Probleme, vor allem mit den Kindern“, meinte eine Passantin.
Mit dieser Ansicht stand sie gestern nicht alleine da. „Richtig so. Man traut sich ja kaum noch auf die Straße“, betonte eine Augenzeugin der Polizeiaktion. Es gebe häufig Zwischenfälle rund um die Kaiserstraße – bis hin zu Schlägereien. „Höchste Zeit, was zu unternehmen.“ betonte die Zeugin weiter.
Nachbarn haben resigniert
Bei anderen Nachbarn klingt beim Thema Großfamilie eher Resignation durch. Zwar wird das Vorgehen der Behörden durchaus mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen, an gerichtliche Konsequenzen glauben aber längst nicht alle.
„Am liebsten würde ich einfach von hier wegziehen, diese Sippe darf doch tun und lassen was sie will“, sagte eine ältere Dame, ihr Mann stimmte ihr zu. „Die Polizei kann so oft sie will bei denen im Haus rumwühlen, selbst wenn sie irgendwann etwas finden, es passiert doch sowieso nichts. Das ist doch immer wieder das gleiche, die wird man nicht los.“
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport,
Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder,
Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.







