Leverkusen: Reifen-Engpass spitzt sich zu
VON TOBIAS KRELL - zuletzt aktualisiert: 22.10.2009Leverkusen (RPO). Eben mal Winterreifen kaufen, das ist momentan vorbei. Wie schlimm die Lage in Leverkusen aussieht, ergab eine Umfrage der RP-Redaktion. Reifenbestellungen werden oft nur mit dem Zusatz "ohne Termin" angenommen.
Kleine Reifenkunde
Winterreifen zahlen sich nicht nur bei Schnee und Matsch aus, sondern auch bei niedrigen Temperaturen. Bleibt das Thermometer konstant unter sieben Grad, empfehlen die Hersteller den Wechsel. Denn Sommerreifen sind bei Kälte auch im Trockenen von Nachteil. Sie werden dann hart und verfügen dadurch über weniger Bodenhaftung als Winter-Pneus. Bei Schnee und Eisglätte kann es sogar schnell Strafzettel geben ohne "geeignete Bereifung".
Der neue Kleinwagen steht in der Garage. Und was ist mit Winterreifen? Wer noch keine Pneus für die kalte Jahreszeit besitzt, muss sich wirklich sputen. Denn wie im Rest der Republik haben auch Leverkusener Reifenhändler arge Probleme mit dem Nachschub und können die große Nachfrage oft nicht befriedigen. "Einige Reifen sind komplett ausverkauft. Da lässt sich überhaupt nicht sagen, wann wir die wieder reinbekommen", sagt der Hitdorfer Pneu-Händler Winfried Becker. Denn Bestellungen können zurzeit oft nur mit dem Zusatz "ohne Termin" abgegeben werden.
Die Engpässe in seinem Geschäft an der Quarzstraße sind ganz unterschiedlich. Für den Opel Signum sind in den Größen 15 bis 17 Zoll keine Kompletträder mit Alufelgen mehr erhältlich. Für den Ford Fiesta dafür umgekehrt nur noch Stahlfelgen. Verantwortlich macht Becker indes entgegen landläufiger Meinung nicht nur die Abwrackprämie, die für viele neue zumeist Kleinwagen gesorgt hat, für die erstmals Winterreifen gekauft werden müssen. "Natürlich ist da der Engpass noch größer, aber einen Mangel gibt es durchaus auch bei größeren Wagen", betont er. Der Grund dafür seien die Produktionszahlen praktisch sämtlicher bekannter Hersteller. "Aus Sorge um die Verkaufszahlen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wurden 40 Prozent weniger produziert. Das rächt sich jetzt", betont er. Becker fordert Flexibilität und ist damit auf einer Linie mit Stefan Klever, der die Opladener Zweigstelle von Premio Reifen Johann leitet.
"Seit etwas mehr als einer Woche spitzt sich die Situation zu. Immer mehr Kunden haben von den Problemen gehört und wollen nun schnell Reifen haben", sagt er. Das Team des Familienunternehmens mit mehreren Filialen in der Region tut, was es kann. "Wir geben auch Empfehlungen, welche anderen Reifen in Frage kommen. Etwas Flexibilität muss allerdings mitgebracht werden", betont Klever. Ist ein bestimmter Reifen eines bestimmten Herstellers zurzeit nicht lieferbar, beharrt ein Kunde jedoch auf dieses eine Produkt, könne es gut sein, dass er seinen Wagen beim ersten Schnee stehen lassen muss.
Denn die Industrie ist auf die vielen Bestellung nicht vorbereitet, für die neben Abwrackprämie und unveränderter Nachfrage auch der frühe Wintereinbruch (gerade in Süddeutschland) verantwortlich ist. "Die Hersteller wollten kein Risiko auf sich nehmen, produzieren jetzt aber so viel wie möglich. Allerdings beträgt die Vorlaufzeit sechs bis acht Wochen", sagt der Niederlassungsleiter.
So lange könnte es in Einzelfällen auch dauern, ehe bestellte Reifen geliefert würden – mit zwei bis drei Wochen muss meist gerechnet werden. "Da lohnt es sich, ausnahmsweise auf ein gutes Modell eines anderen Herstellers zu setzen", empfiehlt er. Viele Reifenhändler haben so viel zu tun, dass sie nicht ans Telefon gehen oder wie Peter Teyka von Pneumobil in Schlebusch Gespräche rasch beenden, um dem Andrang Herr zu werden. "Eine leichte Entspannung könnte nun nur eine längere Phase mit gutem Wetter bringen", sagt Becker.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






