Leverkusen: Rittersitz über der Wupper
VON FABIAN HILLE - zuletzt aktualisiert: 22.10.2010Leverkusen (RPO). Hoch am Hang über der Wupper gelegen befindet sich der Friedenberger Hof. Einst Rittersitz im Besitz von Lehensherr Graf von Berg, überdauerte der ehemals zum Schutz gegen den Raubadel befestigte Hof über 850 Jahre.
Als Wohnsitz des Ritters Euirhard (Eberhard) Upladhin um 1150 erstmals erwähnt, ist der Friedenberger Hof der wohl geschichtsträchtigste Ort in Opladen und gleichzeitig für den Namen der ehemaligen Kreisstadt verantwortlich. Der Name des Hofes geht auf die Adelsfamilie der "Wreden" zurück, weshalb der Hof historisch korrekt "Friedeberger Hof" heißen müsste.
Das heute unter Denkmalschutz stehende Hauptgebäude wurde im 17. Jahrhundert erbaut. Die ehemalige Burg umgaben neben Schweine-, Kuh- und Pferdeställen auch eine große Scheune sowie weitreichende Ackerflächen unter anderem auf dem Gelände des heutigen Finanz- und Straßenverkehrsamtes sowie drei Nebengebäude, von denen heute noch eines erhalten ist.
Über die Herkunft und Deutung des Namens Opladen gibt es mehrere Theorien. Die meisten Historiker sind sich heute sicher, der Name leite sich von "up der Laten" (in etwa "auf der freien Fläche" oder "auf dem Berghang") ab, also von der Lage des Friedenberger Hofs oberhalb der Wupper. Allerdings gab es im 19. Jahrhundert die konkurrierende Theorie, der Name komme vom "op-laden" (aufladen), da Opladen zu früherer Zeit in der Region ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt war und hier viele Waren aus dem Bergischen Land umgeladen wurden. Als Beleg für diese Theorie sah man das im Bergischen bekannte Sprichwort: "Alte Pferde scheuen Op-laden."
"Kölner Decke" zerstört
Nachdem der Hof im 18. Jahrhundert zwischenzeitlich Wohnsitz von Rat Vincenz Joseph Deycks war, wurde er bis in die 70er Jahre weiterhin landwirtschaftlich bewirtschaftet. 1965 begann die Stadt mit einer aufwändigen Restaurierung des Hofes, um in ihm das Stadt- und Kreisarchiv einzurichten. Dabei wurde die "Kölner Decke" im Innern des Hauptgebäudes entfernt, eine heute sehr selten zu findende mit Stuckverzierungen überzogene Balkendecke. "Das war natürlich aus heutiger Sicht ein großer Fehler", kritisiert Ralf Heinrichs. Er ist Bundesgeschäftsführer des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaft, die heute ihre Geschäftsstelle in dem alten Hauptgebäude unterhält.
"Leider ist bei der Erneuerung des Gebäudes viel verloren gegangen, um Platz fürs Archiv zu schaffen" sagt Irmgard Aschenboich. Sie arbeitet in der Buchhaltung des Bundes der Schützenbruderschaft, kennt den Hof aber aus ihren Kindheitserinnerungen. Als Enkelin von Heinrich Schlieper, dem letzten Bauern, der in dritter Generation den Hof bewirtschaftete, war sie als Kind viel in den alten Gemäuern unterwegs. "Als ich 2001 hier angefangen habe, musste ich feststellen, dass das Gebäude von Innen völlig verändert wurde, die Raumaufteilung ist heute leider eine ganz andere, nur von außen ist das Haus noch das, was es einmal war."
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