Leverkusen: Rossmanns Problem: das Wasser
VON LUDMILLA HAUSER - zuletzt aktualisiert: 02.12.2009Leverkusen (RPO). In die Debatte um den Ausbau des Lagers der Handelskette in Hitdorf schaltete sich Chemparkbetreiber Currenta ein – mit einer technischen Lösung des Problems "Wasserschutzgebiet". Die favorisiert auch der Umweltdezernent.
Der Tag der Entscheidung ist da. Heute Nachmittag treffen sich Oberbürgermeister Buchhorn, Umweltdezernent Frank stein, Vertreter der Currenta und der Drogeriekette Rossmann zum Gespräch. Zentrale Frage: Wird Rossmann in Hitdorf sein bestehendes Lager erweitern oder eben nicht und statt dessen möglicherweise ganz aus Leverkusen wegziehen (wir berichteten)?
Das Verteilzentrum der Handelskette steht in einem Wasserschutzgebiet. "Das steht auch so im Kaufvertrag", sagte gestern Ernst Grigat, Leiter des Chemparks Leverkusen. In dem Areal gilt die Wasserschutzgebietsverordnung. Die besagt: In einer Schutzzone III wie in Hitdorf ist das Umschlagen und Lagern von wassergefährdenden Stoffen (etwa Nagellacke, WC-Reiniger) größer als 100 Tonnen verboten.
"In der ersten Ausbaustufe des Rossmann-Lagers würde diese Größenordnung aber schon um ein Vielfaches überschritten", erläuterte Ilka Teermann, Leiterin der Currenta-Wasserversorgung an allen Standorten. Vor zwei Jahren stellte Rossmann einen Antrag auf Befreiung von der Wasserschutzgebietsverordnung. "Wir haben nach einem Weg gesucht, wie die Befreiung erreicht werden kann", berichtete gestern Umweltdezernent Frank Stein.
Brunnen-Experten
Sollte sich Rossmann für die "Currenta-Stein"-Lösung entscheiden, spräche viel für die Currenta las Betreiber der neuen Brunnen. Sie unterhält bereits Brunnengalerien unter der Deponie in Bürrig und unter dem nördlichen Teil des Chemparks, um Wasser abzufangen.
Die beiden Trinkwasserbrunnen in Hitdorf dienen vor allem im Sommer zur Mitversorgung Leverkusens, wenn die Trinkwassertalsperre Große Dhünn im Bergischen wenig Wasser führt. Im vergangenen jahr wurden mti den beiden Brunnen acht Millionen Kubikmeter Wasser gewonnen.
Auch Chemparkbetreiber Currenta, der unweit von Rossmann ein Wasserwerk mit zwei Trinkwasserbrunnen betreibt, die den Chempark und bei Bedarf auch die Stadt mit Trinkwasser versorgen, arbeitete bei der Lösungssuche konstruktiv mit, erläuterte Grigat. Unter anderem habe die Currenta Wissen und Datenmaterial aus eigenen Grundwassersfluss-Simulationen zur Verfügung gestellt und externe Experten für ein von Rossmann bezahltes Gutachten vermittelt.
Bescheid mit Bedingungen
"Der Befreiungsbescheid liegt fertig in der Schublade", erzählte Stein gestern. Er könne aber nur erteilt werden, wenn zwei Bedingungen erfüllt seien:
Bedingung eins: Zwei zusätzliche Brunnen müssten auf dem Rossmann-Gelände gebaut werden, die das Wasser abfangen, was über Rossmann-Grund läuft und möglicherweise durch gelagerte Stoffe verunreinigt wurde. "Es müssten dann im Jahr rund 1,4 Millionen Kubikmeter Wasser aus den Zusatzbrunnen abgepumpt und als Brauchwasser wiederverwendet werden, etwa zur Kühlung", erläuterten Teermann und Grigat.
Das Rossmann-Areal würde nicht mehr zur behördliche festgelegten Wasserschutzzone gehören und eventuell nie wieder dazu zählen, selbst dann nicht, wenn Rossmann irgendwann in der Zukunft sein Lager in Leverkusen nicht mehr betreibt. "Es geht hier um Spurenstoffe, die nicht einfach ausgebaggert werden können", erläuterte Teermann. Laut Stein komme Currenta als Betreiber dieser Brunnenanalgen in Frage.
Bedingung zwei: Rossmann muss in diesem Zusammenhang auch Versicherungen für Stadt und Currenta übernehmen.
Der Bescheid sei so konzipiert, dass er auch für die angedachte Erweiterung gelte, sagte Stein. Schwierig in der Thematik: "Es kommen signifikante Kosten zusammen, die Rossmann nicht aus der Portokasse zahlen kann", räumte Stein ein. Eine Summe nannte er ebenso wenig wie Ernst Grigat. Gleichwohl plädierte Stein dafür, dass Rossmann an dem Standort bleiben und nicht etwa innerhalb Leverkusens ein neues Zentrum bauen sollte. " Wir als Umweltbehörde haben eine Lösung aufgezeigt, nun muss Rossmann eine Entscheidung treffen."
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