Leverkusen: Scharfe Kunst am Radweg
VON ULRICH SCHÜTZ - zuletzt aktualisiert: 02.12.2010Leverkusen (RPO). Mit einer Skulpturenmeile aus rostfarbenen Metallfiguren setzt sich die Stadt Leverkusen zur Frauenfußball-Weltmeisterschaft in Szene. Die scharfkantigen Kunststücke sind eine Gefahr für Radfahrer.
Manfort/Wiesdorf Die Metall-Fußballer und Fußballerinnen können als eine Liebeserklärung an den Rasensport verstanden werden. Die Leverkusener Künstlerin Lilli Schulz zeigte ihre Skulpturen schon zu der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Berlin. Seit September stehen sie direkt am Dhünn-Radweg zwischen Wiesdorf und BayArena. Eine scharfkantige Kunst, die bei jedem Radfahrer heftiges Gruseln auslösen müsste – wenn er denn mal absteigt und sich den silhouettenhaften Gestalten nähert.
Schuhe mit Sägeblatt-Charakter
Was aus ein paar Metern Entfernung "gut" aussieht, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als potenzielle Gefahrenstelle, die nur wenige Zentimeter neben dem Radweg platziert wurden. Die aus dicken Stahlplatten geschnittenen Fußballfiguren strecken Fußballschuhe samt Stollen zur Seite, die teils einem Sägeblatt gleichen. Wer bei einem kleinen Schlenker in diese Kunst fährt, hat es erst einmal hinter sich und ist ein Fall für den Chirurgen.
Künstlerin Lilli Schulz
Geburt: 1950 in Dortmund.
Studium: Kunst-Textilgestaltung bei Prof. Cüppers und Prof. Kesselheim an der Hochschule Neuß.
Freischaffend seit 1993 in Moers und Sanfatucchio (Umbiren).
Teilnehmerin der Landesgartenschau Leverkusen "Kriege Schach matt".
Obwohl Künstlerin Lilli Schulz schweres Material verwendete, schafften es starke Unbekannte, Gliedmaßen der Metallfiguren zu verbiegen, wohl auch in Richtung Radweg. Biegespuren an Armen und Beinen sowie frische Schweißnähte zeugen von offenbar frischen Reparaturen. Der Stadt Leverkusen beziehungsweise dem Leiter des Leverkusener "FIFA-Büros", Hans Becker, ist allerdings nur ein einziger Schaden bekannt, der auch schnell beseitigt wurde.
"Ansonsten gab es über die Figuren bisher nicht eine Beschwerde", betont Ex-Stadtmitarbeiter Becker gegenüber unserer Zeitung. Die Sicherheit sei gewährleitet. Das findet sogar Radfahrer Hans Boden, der sich im Allgemeinen Deutschen Radfahrerclub (ADFC) engagiert. "Ich sehe kein Problem mit den Figuren."
Er räumt aber ein, die Strecke an der Dhünn selten zu benutzen und sich die Skulpturen auch nicht näher angesehen zu haben. Die städtische Kulturchefin Marion Grundmann, die das Kunstprojekt mitverantwortet, reagiert leicht empört bei der Frage zur Sicherheit für Radfahrer: "Wir haben 5000 Begehungen gehabt, da stimmt alles." Sie sagt aber auch: "Es ist so, dass die Figuren scharfe Kanten haben."
Sportfan Becker wie Kulturchefin Grundmann verweisen auf die Freigabe der Skulpturen durch den "Arbeitskreis Sicherheit". Zu ihm gehört neben Bayer 04 auch die Polizei. Die Nähe zwischen scharfen Metallkanten und ungeschützten Radfahrern stellt für die Fachleute kein Problem dar.
"Wichtig war der Polizei, dass trotz der Figuren Platz für Einsatzfahrzeuge auf dem Radweg bleibt", sagt Becker noch.
Eine Baugenehmigung brauchte er für das Aufstellen der Figuren nicht. Der Statiknachweis reichte.
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