Leverkusen: Schloss Morsbroich – ein Juwel
VON YVONNE KOALL - zuletzt aktualisiert: 14.10.2010Leverkusen (RPO). In den 50er-Jahren des 20. Jahrhunderts zogen die letzten Mieter des Schlosses aus und die Kunstwerke ein. Morsbroich wandelte sich vom barocken Wohn-Schloss zu einem bedeutenden Museum der Moderne.
Das prunkvolle Kleinod im Stadtteil Alkenrath weist eine lange Geschichte auf. Noch älter ist aber das Gelände auf dem das Schloss und seine Anbauten stehen. Einem Ritter namens Johann Moir von dem Broiche verdankt das Gelände seinen Namen.
Der errichtete am Ufer der Dhünn das erste Morsbroicher Herrenhaus, dem bis 1773 noch viele weitere folgen sollten. In den Jahren1773 bis 1775 ließ der Landkomptur des Deutschen Ritterordens, Ignatz Felix Freiherr von Roll, dort den Mittelteil des so genannten "Maison de Plaisance", des Lustschlosses, erbauen.
Verbotene Kunst
Viele Konzerte
Auch als Konzertbühne hat sich Schloss Morsbroich etabliert. Das 201. Konzert Leverkusener Musiker findet am 24. Oktober dort statt. Dann stehen Lieder "Vom Barock bis zum Impressionismus" auf dem Programm.
Erst als der Bau im 19. Jahrhundert in den Besitz der bürgerlichen Familie Diergardt überging, wurde das spätbarocke Werk noch um zwei Flügel im Stil des Neorokoko erweitert. Im linken Flügel befindet sich das Jagdzimmer, an das heute noch die dunkle Holzvertäfelung an Wänden und Decken sowie ein alter schwerer Schrank, der seinen Platz nicht verlassen hat, erinnert. Der rechte Flügel hingegen ist hell und feminin, denn dort befinden sich zwei Spiegelsäle.
Die Familie Diergardt blieb bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts Besitzer des Schlosses, bis die Stadt, die seit 1948 Pächter war, das Gebäude 1974 schließlich erwarb. Das Museum wurde jedoch schon 1951 gegründet. Dies war zu der Zeit etwas Besonderes. Nicht nur, weil erstmals eine Stadt ein Kunstmuseum eröffnete, sondern auch, weil man sich entschied, moderne Kunst zu zeigen, die während des Nationalsozialismus nicht gezeigt werden durfte. Nach einem weiteren Umbau erhielt das Museum 1985 sein heutiges Aussehen.
Die Räume sind weiß gestrichen und nur ein paar Stuckelemente und Reliefs über den Türen erinnern in den Ausstellungsräumen noch an ein Schloss. Beim Gang durch das Gebäude hallen die Schritte ein wenig. Doch spätestens, wenn man den Flügel betritt in dem sich die beiden Spiegelsäle befinden, fühlt man sich in der Zeit wieder um Jahrhunderte zurückversetzt. Die üppigen Wandreliefs, Goldverzierungen und Kronleuchter erinnern daran, wie das Schloss vor der Kunst ausgesehen haben muss.
"Das ist ja das Besondere", sagt Markus Heinzelmann, Direktor des Museums, "das Zusammenspiel von barocker Architektur und aktueller Kunst." Auch für die ausstellenden Künstler sind die Räume eine Herausforderung. Denn anders als in Museen, die eigens für Ausstellungen gebaut wurden und in denen Höhe und Breite der Räume variiert werden können, muss sich ein Künstler in Morsbroich auf das Museum einlassen.
"Viele machen Kunstwerke extra für diesen Ort." erklärt Heinzelmann, während er vor seinem Lieblingsbild der aktuellen Ausstellung steht. "Hier kann man Kunst sehen, die vergleichbar in keinem anderen Museum auf der Welt zu sehen ist."
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