Leverkusen: "Schmunzelsteine" sorgen für Ärger
VON ULRICH SCHÜTZ - zuletzt aktualisiert: 06.02.2008Leverkusen (RPO). Die gut gemeinte karnevalistische Aktion der Leichlinger „Schmunzelsteine“ sorgt für Ärger. Der Grund: Die Form der Leichlinger Messing-Steine und ihre Platzierung im Pflaster ähneln sehr stark den so genannten Stolpersteinen, die an die Opfer der Nazis erinnern.
Größer könnte der Kontrast tatsächlich nicht sein: Hier die Ehrung von verdienstvollen Jecken, dort das Gedenken an ermordete Juden und andere Opfer der Hitler-Mordmannschaften. Die Leichlinger „Schmunzelstein“-Aktion wurde von einem RP-Leser gestern als „undenkbar große Geschmacklosigkeit“ beschrieben. Es könne sich nur um einen schlechten Scherz handeln.
Die Idee für die „Schmunzelsteine“ stammt von den Ehrensenatoren des Festkomitees Leichlinger Karneval (FLK/wir berichteten). Sie wollen mit den närrischen Bodensteinen am Friedrich-Überweg-Platz an verdiente Karnevalisten erinnern, die viele Leute zum Lachen gebracht haben. Zum Gedenken an den tödlich verunglückten Prinzen Klaus Schneider wurde schon 2004 im Stadtpark ein Baum gesetzt samt Erinnerungsstein, sagte gestern FLK-Präsident Willi Kallert. Er kennt die auch in Leverkusen gelegten Stolpersteine nicht aus eigener Anschauung, weiß aber um ihre Existenz.
Dass die Leichlinger Karnevalisten mit ihren Schmunzelsteinen die Aktion „Stolpersteine“ und damit das Leiden der Nazi-Opfer entwürdigen wollten, sei absolut absurd, sagte Kallert. Auch SPD-Ratsherr und FLK-Ehrensenator Frank Steffes wehrt solche Unterstellungen ab: Die Leichlinger Erinnerungsaktion sei eine völlig andere Sache und mit dem Demnig-Projekt keineswegs zu vergleichen. Dem Organisationsteam gehört ohnehin mit Karnevalist Rainer E. Finke ein Mann an, dessen Verwandtschaft unter den Nazi-Schergen zu leiden hatte. Ein Familienmitglied wurde im KZ ermordet. Wieso sollte ein solcher Mann auf die Idee kommen, Nazi-Opfer zu verhöhnen?
Der Kölner Künstler Gunter Demnig hat seit 1995 in Deutschland, Österreich und Ungarn 13 000 Stolpersteine verlegt. In Köln erinnern fast 1600 Messingsteine an das Leiden der Nazi-Opfer. In Leverkusen wurde das Verlegen von 10x10 Zentimeter großen „Gedenksteinen“ von Schülern ermöglicht – etwa vor der Aloysius-Kapelle in Opladen und im weiteren Verlauf der Kölner Straße.
In Köln erinnert ein Stolperstein an Erich Sander, den Sohn des Foto-Pioniers August Sander. Im NS-Dokumentationszentrum in der Domstadt wurde im vergangenen Jahr die Ausstellung „Stolpersteine – Gunter Demnig und sein Projekt“ gezeigt.
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