Leverkusen: Schüler klagen über Gewalttaten
VON ROMAN ZILLES - zuletzt aktualisiert: 28.08.2009Leverkusen (RPO). Politik auf der Straße mal anders: Bei einer Freiluft-Fragerunde testeten gestern Schüler Opladener Gymnasien die politischen Einstellungen der Oberbürgermeister-Kandidaten Ernst Küchler (SPD), Reinhard Buchhorn (CDU) und Alfred Mertgen (Freie Wähler).
Hinterher war Adrian Brückmann schlauer. Das schon. "Es ist in jedem Fall hilfreich, sich ein persönliches Bild von den Kandidaten zu machen", meinte der Marienschüler, den am meisten die Aussagen zu Jugendarbeit und Schuldenabbau interessierten. Aber finale Erkenntnisse, wem er am Sonntag sein Kreuzchen gibt, hatte der 17-Jährige am Ende der Podiumsdiskussion der Rheinischen Post auf der Kölner Straße nicht erlangt. "Wen ich wähle, weiß ich noch nicht. Aber ich habe zumindest meine Favoriten", sagte Brückmann.
Mehr als eine Stunde bemühten sich zuvor drei Anwärter auf den Posten des Oberbürgermeisters, Überzeugungsarbeit zu leisten. Zu Ernst Küchler (SPD) und Reinhard Buchhorn (CDU) gesellte sich spontan Alfred Mertgen (OWG-UWG), um einem zum Großteil jugendlichen Publikum von Opladener Schulen ihre Vorzüge darzulegen. Im Endspurt des Wahlkampfs wurden gestern zwischen den wohl aussichtsreichsten Kandidaten einige Reibungsflächen deutlich.
Stadt braucht Geld vom Bund
Stichwort Schuldenberg: Entlassungen bei der Stadt oder ihren Firmen soll es weder bei Küchler noch unter Buchhorn geben. Der CDU-Mann sieht aber Spielraum für einen "Planstellen-Abbau", also das Nichtbesetzen von frei werdenden Stellen. Damit müsse aber "niemand um seinen Job bangen". Dagegen sieht der amtierende Verwaltungschef Küchler "die Grenzen der personellen Belastbarkeit" erreicht. Eine Befreiung aus dem Schuldental (der Überziehungskredit des städtischen Kontos steht bei minus 100 Millionen Euro) sei laut Küchler nur durch "helfende Hände von Bund und Land" möglich.
Sanierung Stadtetat Würden die beiden Gutverdiener Küchler (6000 Euro netto monatlich) und Buchhorn (5000 Euro) – ähnlich dem Vorbild bei den Lanxess-Vorständen – auf zehn Prozent Gehalt zugunsten der Stadtkasse verzichten? Die Antworten beider: "Ja, aber . . ." Wenn alle mitmachten, dann Ja, aber eigentlich bringe dies nichts, weil eben die Finanzstruktur der Kommunen das Problem sei.
Küchler wie Buchhorn sagen ganz klar: Die Stadt Leverkusen wird es alleine nicht aus den Schulden schaffen. Das liege vor allem daran, dass Land und Bund den Städten immer mehr Aufgaben zuteilen (Kinderbetreuung unter drei Jahre, Ganztagsschulen etc.), aber dies nicht komplett bezahlen. "Es geht darum unsere finanzielle Selbstständigkeit zu sichern", betonte Buchhorn.
Jugend Konkrete Angaben, wo Jugendtreffs möglich sein könnten, blieben dagegen entweder aus (Küchler: "schwierige Standortsuche") oder warfen Fragezeichen auf: Die von Buchhorn genannte Theodor-Adorno-Straße erscheint doch recht weit ab vom Schuss, und im Neulandpark ist man froh, das Gelände von nächtlichen Gästen weitgehend befreit zu haben.
Gewalt/Citystreife Auskünfte verlangten einige Schüler darüber, wie der Gewalt in der Stadt Einhalt geboten werden könne. "Das ist ein großes Thema in meinem Freundeskreis", unterstrich Brückmann, der selbst mehrfach Opfer von Schlägen oder Anpöbeleien wurde.
Die City-Streife verstärken
Kriminalhauptkommissar Alfred Mertgen, der Kandidat der "Freien Wähler", beließ es bei einer ganz vorsichtigen Forderung nach mehr Polizeipräsenz. Mehr wollte der Politiker, der eben auch als Polizist in Köln arbeitet, nicht sagen, um nicht gleich am Montag nach der Wahl Ärger mit seinem Chef, Polizeipräsidenten Klaus Steffenhagen zu bekommen. Buchhorn möchte "die City-Streife ertüchtigen". Küchler warb für mehr Präventions-Maßnahmen (Busbegleiter, Streitschlichter). Antworten, die längst nicht alle Zuhörer zufrieden stellten.
Umweltschutz Zur von einer Schülerin geforderten Stellungnahme zum Umweltschutz dürfte Küchler die Nase vorne gehabt haben. Denn nach Buchhorns ("Städte, Gewerbe und Bürger müssen einen Beitrag leisten") und Mertgens ("Das ist uns allen wichtig") eher allgemeinen Einlassungen, sprach er zumindest ein paar konkrete Maßnahmen an: energetische Sanierung öffentlicher Gebäude; Erhalt des Bürgerbuschs in seiner jetzigen Form und damit ohne Autobahnraststätte; Fortführung der Umweltbildung durch das Naturgut Ophoven. Diese Fülle von Informationen soll es den vielen jugendlichen Zuhörer erleichtern, ihr Kreuzchen bei der Kommunalwahl am Sonntag an der richtigen Stelle zu setzen. Klappt das? Adrian Brückmann: "Wir werden das alles noch einmal im Leistungskurs Sozialwissenschaft nacharbeiten." Danach, ist sich der Marienschüler sicher, steht der Entschluss für seinen ersten Gang an die Wahlurne fest.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






