Leverkusen: Schupos mit Maschinenpistole
VON PETER KORN - zuletzt aktualisiert: 16.10.2009Leverkusen (RPO). Auch in Leverkusen sind die Streifenpolizisten aufgrund der gestiegenen Terrorgefahr jetzt mit Maschinenpistolen unterwegs. Sehen soll die Bevölkerung das möglichst nicht: Die Waffen lagern in abschließbaren Boxen im Auto.
Die MP 5
Die Heckler & Koch MP5 war 1966 die erste aufschießende Maschinenpistole, die in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt wurde.
Die Waffe wird hauptsächlich bei Polizei- und Spezialeinheiten eingesetzt – und das in mehr als 50 Staaten.
Die Heckler & Koch MP 5 gehört neben der Uzi mittlerweile zu den weltweit am meisten verbreiteten Maschinenpistolen.
Rainer Wendt ist nicht nur Polizeifunktionär: Der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizei-Gewerkschaft (DPolG) hat auch einige Erfahrung im "Streifendienst unter erschwerten Bedingungen".
"Ich weiß noch genau, als 1978 RAF-Terrorist Willi-Peter Stoll bei seiner Festnahme in Düsseldorf erschossen wurde", erinnert sich der 52-Jährige. "Am Abend stand ich zur Verkehrskontrolle mit der Maschinenpistole auf der Rheinbrücke in Homberg." Die Waffe habe auf Streife seinerzeit auch immer griffbereit im Auto gelegen, sagt Wendt. "Die hatten wir im Fußraum."
Jetzt sind auch in Leverkusen die Streifenpolizisten wieder mit Maschinenpistolen unterwegs – normalerweise wird die Ausrüstung vom Typ Heckler&Koch MP 5 in den Waffenkammern der Polizeibehörden aufbewahrt.
Angeordnet hat die Maßnahme das NRW-Innenministerium, wegen erhöhter Terrorgefahr durch Al qaida. Doch im Gegensatz zu den 70er-Jahren lagert die Maschinenpistole im Auto heute in einer abschließbaren Box.
Die Bevölkerung soll von der zusätzlich mitgeführten Waffe möglichst nichts mitbekommen, heißt es indirekt dazu aus dem Ministerium. Es gehe schließlich nicht darum, martialisch aufzutreten: "Die Maßnahme dient in erster Linie dazu, die Waffe in Reichweite zu haben", erklärt ein Sprecher. Es stehe jedem Beamten aber natürlich frei, bei entsprechendem Verdacht auf terroristische Aktivitäten die MP auch offen zu tragen.
"Eine Maschinenpistole im Auto zurücklassen? Niemals", sagt Rainer Wendts Kollege Manfred Freiwald vom Fachbereich Bundespolizei, deren Beamte offen mit der Waffe am Kölner Flughafen und Bahnhof Streife gehen. Außerdem tragen sie eine schwere Schutzweste.
"Flughäfen und Bahnhöfe gelten als besonders gefährdet. Die Bevölkerung erwartet von uns, dass wir dort im Ernstfall den Terroristen gegenübertreten", betont Freiwald. "Die Ausrüstung erhöht einfach die Sicherheit unserer Leute."
Dass Bundespolizisten wie Streifenpolizisten verantwortungsvoll mit der neuen Situation umgehen, steht für Rainer Wendt und seine Kollegen absolut außer Frage. "Das ergibt sich schon aus der Tatsache, dass Polizisten nicht nur eine Schieß-, sondern auch eine Nichtschießausbildung bekommen", sagt der DPolG-Chef. "Die lernen genau, wie sie sich zu verhalten haben, um nicht zu früh zur Waffe zu greifen."
Eher nicht damit zu rechnen ist übrigens, dass Kripo-Beamte mit Maschinenpistolen ausgerüstet werden, wie Rüdiger Thust, der für den Bereich Köln-Leverkusen zuständige Vertreter des Bundes Deutscher Kriminalbeamter bestätigt. Sein Landesvorsitzender Wilfried Albishausen fügt augenzwinkernd hinzu: "Bei dem veralteten Fahrzeugpark der Kripo ist das wohl auch besser so." Abschließbare MP-Boxen seien nämlich noch längst nicht in allen dieser Autos enthalten: Da hätte am Ende die Maschinenpistole doch wieder auf dem Boden liegen müssen.
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