Leverkusen: Schweinegrippe: 105 Impfungen
VON ROMAN ZILLES - zuletzt aktualisiert: 29.10.2009Leverkusen (RPO). Geht es nach Amtsarzt Dr. Heinz Stammel, dann müssten sich 153 500 Leverkusen (von 162 000) gegen Schweinegrippe impfen lassen. Das wäre optimal. Am ersten Impftag kamen 105 Personen und ließen sich piksen.
Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis betrug ein Zehntel. Das stellten die Mediziner bei den ersten Impfungen Leverkusen gegen die Schweinegrippe fest. "In einer Flasche sind zwar zehn Portionen drin", sagte Dr. Heinz Stammel und ließ gleich die Einschränkung folgen: "Aber tatsächlich kommen wir nur auf maximal neun pro Flasche."
Demnach hätte sich die Zahl der städtischen Impfportionen von insgesamt 1000 auf 900 reduziert. Allerdings hätte auch dieser unvorhergesehene Schwund wohl für keine Engpässe gesorgt. Denn beim Premieren-Termin im MediLev in Schlebusch ließen sich am Dienstagabend nur 105 Personen einen vorsorglichen Piks verpassen.
24 Stunden haltbar
Nach Öffnen einer Flasche mit dem Impfstoff muss dieser innerhalb von 24 Stunden verwendet werden. Es werde aber nach Angaben des Medizinischen Dienstes der Stadt bei den abendlichen Impf-Terminen niemand zurückgewiesen, nur weil zu vorgerückter Stunden vermieden werden soll, eine neue Flasche anzubrechen.
Keine Impfung für Schwangere
Gedacht sind die Impfungen in dieser Woche für Personen aus dem Gesundheits- und Sicherheitssektor. Vor allem kamen Mitarbeiter des Roten Kreuzes sowie niedergelassene Ärzte und deren Personal. "Aber wir schicken niemanden weg", versicherte Stammel. "Nur Schwangeren raten wir von einer Impfung ab." 105 – das sei kein schlechter Wert, aber bei weitem nicht das, was in Richtung flächendeckende Vorsorge gehe, findet Stammel. Für größtmöglichen Schutz müsste ein Wert von 95 Prozent erreicht werden. Das sei für Leverkusen und Deutschland illusorisch. Eine realistische Einschätzung, welche Quote in der Stadt erreicht werde, könne noch nicht abgegeben werden. "Vieles hängt von kommenden Ereignissen rund um die Grippe und auf deren Darstellung in den Medien ab", sagte Stammel und belegt die Einschätzung mit einem türkischen Mann: Der habe sich gestern impfen lassen, nachdem er von einem Grippe-Toten in der Türkei gelesen habe.
Hinsichtlich möglicher Nebenwirkungen durch den Piks habe der Mediziner nur eine Erfahrung gemacht: "Eine ältere Dame kam etwa eine Stunde nach der Impfung wieder und klagte über ein Kribbeln im Hals." Kurz darauf seien die Symptome abgeklungen. Bei Stammel selbst sind noch keine Nebenwirkungen aufgetreten – er hat sich bislang nicht impfen lassen. Ein Arzt mit Angst vor Nadeln? Nein, "ich lasse mich nächste Woche impfen", versprach Stammel, der gestern – gerade rechtzeitig vor dem zweiten Impftermin – das Problem mit dem Schwund löste: "Es lag am Bakterienfilter." Dieser Aufsatz soll geöffnete Flaschen vor Verunreinigungen schützen,"aber wir hatten ihn schon beim Aufziehen der Spritzen drauf", verriet der Arzt.
Donnerstag (18 bis 22 Uhr) wird im MediLev den dritten Abend in Folge geimpft. Danach werde laut Stammel entschieden, ob in den nächsten Tagen weitere Termine folgen.
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