Leverkusen: Schwere Vorwürfe an Förderschule
VON STEPHANIE LICHIUS-ENGELS - zuletzt aktualisiert: 29.07.2010Leverkusen (RPO). Nach vielen Querelen im Vorfeld geriet ein Schulbegleiter an der Hugo-Kükelhaus-Schule in Alkenrath in den Verdacht, einen Jungen (17) sexuell missbraucht zu haben. Der Verdacht konnte ausgeräumt werden, der Junge soll nun aber die Schule verlassen. Ein Vorgang, der mittlerweile sogar die Bezirksregierung in Köln beschäftigt.
Die Vorwürfe wiegen schwer. Von sexuellem Missbrauch ist die Rede, von Mobbing, einer Schulleitung, die Eltern einschüchtert und mit dem Schulverweis ihrer Kinder droht, von Kindern, die eingesperrt werden.
Es geht um die Hugo-Kükelhaus-Schule in Alkenrath, eine städtische Förderschule mit dem Förderschwerpunkt im Bereich der geistigen Entwicklung. 135 Schüler besuchen die Schule. Unter ihnen auch T. Bolz (17). Der Junge wird wegen seines schweren Herzfehlers von einem Schulbegleiter betreut. Der kommt von der "Lebenshilfe".
T.'s Mutter Marion klagt an: "Seit zwei Jahren versucht die Schulleitung, diesen Betreuer einzuschüchtern und zu mobben. Mit dem Ziel, dass er der Schule für andere Kinder zur Verfügung steht und Lehrer entlastet. Das würde die Gesundheit meines Kindes aber extrem gefährden." Gegen die ärztliche Anordnung, den 17-Jährigen engmaschig zu betreuen, sei immer wieder verstoßen und der Betreuer stundenweise sogar "aus dem Klassenraum entfernt" worden.
Der Schulbegleiter
Ein Schulbegleiter – oder auch Integrationshelfer – ist während eines Teils oder auch während der gesamten Schulzeit (einschließlich des Schulweges) bei einem Schüler ist, um dessen behinderungsbedingte Defizite zu kompensieren und Hilfestellungen zu geben.
Sexueller Missbrauch?
Dann das Unfassbare: "Jetzt erhielt ich die Nachricht, dass unser Schulbegleiter beim Gesundheitsamt des sexuellen Missbrauchs bezichtigt wurde", erzählt Bolz. Der Betreuer habe daraufhin seinem Arbeitgeber Rede und Antwort stehen müssen. "Allen war sehr schnell klar, dass er vollkommen schuldfrei ist. Er hat meinem Sohn rektal Fieber gemessen, das war abgesprochen. Ich will, dass der Mann dem ich so viel Gutes für mein Kind verdanke, rein gewaschen wird. Und dass er mein Kind weiter betreuen kann." Stellt sich die Frage, in welcher Schule. Denn nachdem Bolz einen Gesprächstermin beim Schulamt ablehnte ("Ich wurde erpresst"), bekam sie von dort ein Schreiben: "Die Schulleitung lehne eine Weiterbeschulung meines Sohne ab und verweist ihn nun der Schule", zitiert die Mutter. "Ein Skandal!" Für Iris Gierga, selbst Mutter einer behinderten Tochter, die die Hugo-Kükelhaus-Schule bis zum Sommer besuchte, passt das Verhalten ins gewohnte Bild. "Unsere Tochter hat man dort mal eingesperrt. Die Schulbegleiter haben mein Kind später regelrecht beschützt. Und immer wieder hat die Schulleitung Eltern mit einem Schulausschluss gedroht." Eva Lux, Vorsitzende der Lebenshilfe:: "Der Missbrauchs-Verdacht ist ausgeräumt. Ursprung war eine irritierende Formulierung in einem Protokoll des Lehrer-Teams, in dem es um Toiletten-Gänge ging. Den Vorgang der Ausschulung aber habe ich an die Bezirksregierung weitergeleitet – das kann ich nicht nachvollziehen. Frau Bolz hat auf mein Anraten hin Widerspruch eingelegt." Die Bezirksregierung gab gestern keine Stellungnahme ab.
Eine Stadtsprecherin bestätigte gestern abend, dass sich Marion Bolz Mitte Juli über die Leverkusen-Internetseite an die Stadt gewandt habe. Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn habe dann einen Prüfauftrag in das zuständige Dezernat gegeben. Diese stadtinterne Prüfung des Vorgangs laufe noch. Frau Bolz wurde über einen Zwischenbescheid um Geduld gebeten.
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