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Opladen: Sensible Ausnahmesituation

VON FABIAN HILLE UND LUDMILLA HAUSE - zuletzt aktualisiert: 30.09.2009

Opladen (RPO). Erst die Sprayattacke an der Geschister-Scholl-Schule, dann der Amok-Alarm an der Lise-Meitner-Schule wegen einer Technikpanne und jetzt eine unklare Bedrohung am Landrat-Lucas-Schule. Die Ausnahmesituationen nehmen zu.

Vorsichtsmaßnahme: Die Polizei postierte uniformierte und zivile Polizisten am und im Landrat-Lucas-Gymnasium, nachdem Schüler von einer angeblichen Bedrohungslage erzählt hatten.  Foto: RPO
Vorsichtsmaßnahme: Die Polizei postierte uniformierte und zivile Polizisten am und im Landrat-Lucas-Gymnasium, nachdem Schüler von einer angeblichen Bedrohungslage erzählt hatten. Foto: RPO

Das Schwert ist zweischneidig. Als am Montagmittag das Gerücht, es gebe eine Amokdrohung für gestern Morgen am Landrat-Lucas-Gymnasium im Schülerinternetportal "Schüler VZ" umging, reagierte die Schulleitung sofort, informierte Polizei, Schulamt, Bezirksregierung, das Kollegium, auch Eltern und Schüler. Allerdings: Öffentlich mochten Schule, Polizei und Stadt das Thema gestern am liebsten überhaupt nicht machen, um Nachahmer nicht unnötig aufzuschrecken. Eine Gradwanderung zwischen umsichtiger Beruhigung und Panikmache.

Meldung nicht auffindbar

Was passierte: Montag hatten einige Schüler dem Schulleiter Michael Bramhoff berichtet, es gebe besagtes Gerücht in dem Internetportal. Gehört hatten das die Schüler allerdings aus zweiter oder dritter Hand. Im Internetportal ließ sich der Hinweis nicht finden.

Info

Der Straftatbestände

Der Leverkusener Rechtsanwalt Kilian Ackermann nennt für das Vergehen Amokandrohung unter anderem den Paragraphen 126 des Strafgesetzbuches: "Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten" (Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren), Paragraph 130/ 130 a "Gewaltdarstellung und Anleitung zu Straftaten und Paragraph 240 (Nötigung), Zusatz 41: Bedrohung – (Haftstrafe bis zu einem Jahr) oder Geldstrafe.

Der Schulleiter reagierte aus Vorsicht dennoch. Eltern wurde es freigestellt, ob sie trotz des Verdachts ihre Kinder gestern zur Schule schickten. Auch erwachsene Schüler durften selbst über den Schulbesuch entscheiden. Ebenso lag es bei den Lehrern, ob angesetzte Klausuren und Klassenarbeiten tatsächlich geschrieben wurden.

"Dies ist eine Ausnahmesituation, die von uns größte Sensibilität und Handeln außerhalb der Regularien verlangt. Ich kann mir vorstellen, dass auch Sie morgen mit einem unguten Gefühl zur Schule kommen, aber ich denke, dass wir als Pädagogen Verantwortung tragen und dass wir alle in einer solchen Situation zusammenstehen und uns gegenseitig stärken sollten", schrieb Bramhoff an die Lehrer. Gestern "waren bei uns unter der Hälfte der Schüler da", berichtete eine Schülerin der 10 Klasse. "Die Schule ist wie ausgestorben."

Sie habe aber keine Angst. "Lehrer haben die Türen abgeschlossen, Klausuren wurden abgesagt, es herrschte Angst und Unsicherheit unter den Schülern" sagte eine Schülerin der Stufe 13, die zwar am Vortag angerufen wurde, aber trotzdem zur Schule kam. Zwei Mütter, die ihre Kinder zu Hause gelassen hatten, machten sich vor Ort ein Bild von der Lage.

Zu sehen gab es nichts. Die Polizei zeigte ab Unterrichtsbeginn an der Schule Präsenz."Wir können nur immer wieder sagen: Die Polizei anzurufen, ist das erste Mittel, um präventiv damit umzugehen. Wir nehmen solche Hinweise auf jeden Fall ernst", sagte gestern ein Polizeisprecher auf Anfrage.

Für Schulen hat das NRW-Schulministerium einen orangen Notfallplan-Ordner an Schulen herausgegeben, in dem seien Handlungshinweise zu allen Gefährdungslagen beschrieben, sagte ein Sprecher der Bezirksregierung. Auch zu Amok-läufen und bei einer Amokandrohung.

Quelle: RP

 
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