Leverkusen: Seuche in Leverkusen?
VON SABINE WOTZLAW - zuletzt aktualisiert: 01.11.2008Leverkusen (RPO). In den Niederlanden ist ein neuer Typ der Blauzungenkrankheit aufgetreten. Ein Verdachtsfall besteht auch in Leverkusen, sagt der Amtstierarzt.
Nachdem in den Niederlanden am vergangenen Freitag erneut die Blauzungenkrankheit festgestellt worden ist, gibt es jetzt auch in Leverkusen einen ersten Verdachtsfall. „Es handelt sich um einen Anfangsverdacht“, betont Kurt Molitor, Amtstierarzt und Fachbereichleiter beim Veterinäramt Leverkusen. „Wir haben Blutproben entnommen.“ Das Ergebnis der Probe stehe noch aus.
150-Kilometer-Schutzzone
In vier grenznahen Rinder-Betrieben war die Krankheit mit Serotyp 6 in der vergangenen Woche amtlich festgestellt worden. Da dieser Typus neu sei, gebe es noch keinen zugelassenen Impfstoff in Europa, erzählt Molitor. Im Umkreis von 150 Kilometern wurde deshalb eine Schutzzone eingerichtet, in die auch Leverkusen fällt. Bedeutet: Aus diesem Bereich dürfen keine Ziegen, Rinder und Schafe transportiert werden. Wenn die betroffenen Tierarten frei von klinischen Erscheinungen der Blauzungenkrankheit sind, dürfen sie innerhalb des Gebietes zwischen den Betrieben oder zum Schlachten transportiert werden. Von den Restriktionen sind in Leverkusen 94 Betriebe und Tierbestände mit Schafen, Ziegen oder Rindern betroffen, berichtet Molitor. Da es sich bei dem aufgetretenen Virustypen in den Niederlanden um einen Impfvirus handele, sei denkbar, dass er etwa durch eine illegale Impfaktion ausgelöst worden sei. „Es könnte ein übertragbarer Lebendvirus eingesetzt worden sein.“
Überträger Mücken
Die Blauzungenkrankheit ist eine Seuche, die in Asien oder Afrika vorkommt. In Deutschland trat sie erstmals 2006 auf. Sie befällt – soweit bekannt – Schafe, Ziegen und Rinder. Gefahr für den Menschen besteht nicht. Das Virus wird durch Mücken übertragen, aber nicht von Tier zu Tier oder auf den Menschen. Ein Symptom ist die blaue, angeschwollene Zunge.
In Leverkusen sind derzeit 1500 Rinder, 982 Schafe und 171 Ziegen amtlich gemeldet. Die Tierhalter sind verunsichert. „Wir wissen nichts über die Symptome und den Krankheitsverlauf der Blauzungenseuche“, sagt Georg Hummelsheim (47), der einen Nutz- und Zuchtrinderbetrieb mit rund 130 Tieren in Schlebusch besitzt. Vor zwei Jahren, als die Krankheit erstmals in Deutschland auftrat, waren fast alle Tiere des Landwirts von der Blauzungenkrankheit – jedoch mit dem Serotyp 8 – betroffen. Damals habe er 15 Kälber und eine tragende Kuh durch die Seuche verloren. Alle anderen Tiere seien wieder gesund geworden und nicht erneut erkrankt.
Der wirtschaftliche Schaden belief sich auf rund 75 000 Euro. Nur die Hälfte davon sei ihm durch die Tierseuchenkasse ersetzt worden. Da Georg Hummelsheim nicht nur Tiere in Leverkusen, sondern auch in Köln hält, habe er ein Schreiben des Kölner Veterinäramtes bekommen, das ihn auf die Meldepflicht erkrankter Tiere hinweise. Bei Verstößen drohten Geldbußen von bis zu 25 000 Euro. „Wie soll ich etwas anzeigen, wenn mir das Veterinäramt nur spärliche Informationen gibt?“, ärgert sich der Tierhalter. Über die Symptome der Krankheit mit Serotyp 6 habe er keinerlei Infos erhalten. „Ich fühle mich allein gelassen.“
Auskünfte beim Veterinäramt Leverkusen Tel. 0214 406-3901.
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