Leverkusen: Sorge vor Fußball-Randale
VON PETER KORN - zuletzt aktualisiert: 26.02.2010Leverkusen (RPO). Polizei, Stadt, Rathaus-Galerie, alle treffen Vorbereitungen für Samstag: Dann werden zigtausende Einkaufslustige in der City erwartet – und rivalisierende Fußballfans. Herausforderung für Verkehrs- und Sicherheitsexperten.
Katrin Becker hat sich vorsorglich schon einmal mit der Polizei abgestimmt und angekündigt, den eigenen Sicherheitsdienst in der Rathaus-Galerie am kommenden Samstag deutlich zu erhöhen.
Die Managerin des schmucken, neu eröffneten Einkaufscenters will an diesem Tag nichts dem Zufall überlassen. "Wir wollen auf keinen Fall riskieren, dass angetrunkene Fußballfans bei uns für Ärger sorgen", betont Becker: "im schlimmsten Fall noch mit Alkohol, den sie vorher in einem unserer Geschäfte gekauft haben".
Deshalb werde am Samstag selbstverständlich nicht gleich jeder abgewiesen, der mit einem Fußballtrikot bekleidet ist und einmal an den Shops entlangbummeln will. Aber die Sicherheitsleute sollen schon genau hinschauen und dann, wie Becker sagt, "je nach Situation entscheiden".
50. Derby-Auflage
Schon zum 50. Mal kommt es am Samstag in der Bundesliga zum rheinischen Derby zwischen Bayer 04 Leverkusen und dem 1. FC Köln. In der vergangenen Saison hatte es beim Auswärtsspiel in Köln massive Ausschreitungen gegeben. Damals wurden 83 Stadionverbote ausgesprochen.
Spielbeginn erst um 18.30 Uhr
Gleich zwei Großereignisse am Samstag: Der erste Wochenendverkauf in der City seit Öffnung der Rathausgalerie und das rheinische Derby zwischen den Erzrivalen Bayer 04 und 1. FC Köln um 18.30 Uhr – es ist eine doppelte Herausforderung, der sich Polizei, Stadt und Galerie-Management stellen müssen.
r Sicherheit: Als Friedhelm Laufs von der Ansetzung des Bundesligaspiels ausgerechnet am Samstag erfuhr, bekam er "Bauchschmerzen", wie er sagt. Der Leiter des städtischen Fachbereichs Straßenverkehr weiß aus der Erfahrung vergangener Jahre, dass "die ersten Kölner schon morgens ab 10 Uhr in die Fußgängerzone drängen". Er fragt sich: "Warum hat die Deutsche Fußball-Liga die Partie nicht auf Freitagabend gelegt?" Dann hätten sich Shopping-Kunden und Fußball-Gruppen kaum überschnitten. Jetzt müsse man sich um die Sicherheit sorgen.
Polizei: "Wir haben alles im Griff"
Diese Sorge bemühte sich Wolfgang Elbracht gestern zu zerstreuen. Der Leiter der Leverkusener Polizeiinspektion verspricht: "Wir haben alles im Griff." Am Morgen hatten Polizei und Bundesgrenzschutz noch einmal detailliert den Einsatz am Samstag abgesprochen. Oberstes Ziel dabei: "Die Fans beider Vereine dürfen erst gar nicht aufeinandertreffen."
Das wollen die Ordnungshüter mit einer massiven Präsenz erreichen: So werde man etwa die Kölner Fangruppen, die mit dem Zug anreisen, vom Bahnhof aus entlang der Dhünn zum Stadion geleiten. Dort sollen dann Alkoholverbot und getrennte Zugänge die Sicherheit gewährleisten.
r Verkehr In diesem Punkt geben sich die Verantwortlichen deutlich skeptischer. Laufs beispielsweise geht davon aus, "dass alle Parkhäuser in der Innenstadt spätestens ab Freitagmittag dicht sein werden". Der städtische Chef-Verkehrsplaner beruft sich dabei auf aktuelle Überprüfungen: Von den rund 2650 Parkhaus-Plätzen (2010 städtische, 142 P&C, rund 500 Rathaus-Galerie) seien am Eröffnungstag um 10 Uhr noch 1000 frei gewesen.
"Um 17.30 Uhr waren es nur noch 139", sagt Laufs. "Da können Sie sich vorstellen, was Samstag hier los sein wird." Er kündigte denn auch schon mal an, zu Spitzenzeiten die Linksabbiegerspur zur Rathaus-Galerie abzusperren und den Verkehr über die Wöhlerstraße zu leiten, "damit sich die Autos nicht bis zum Europaring zurückstauen". Ansonsten appelliert Laufs an alle, Busse und Bahnen zu nutzen.
Galerie-Chefin Becker hat eigene Ideen zur Stau-Vermeidung. Sie erklärte gestern, die Parkhaus-Auslastung und Ausweichempfehlungen jeweils aktuell im Radio melden zu wollen: "Auch da laufen zurzeit letzte Abstimmungen."
Bayer 04-Fanbeauftragter Andreas Paffrath sucht in diesen Tagen verstärkt das Gespräch mit den Fanclubs. Aufregung hält "Paffi" aber in keiner Weise für angebracht: "Letztlich", sagt er, "ist das ein ganz normales Derby".
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