Leverkusen: Stadt verdient nicht an Pappeln
VON INA LAUER UND ULRICH SCHÜTZ - zuletzt aktualisiert: 09.03.2011 - 16:32Leverkusen (RPO). Noch liegen 21 gefällte Baumriesen in Hitdorf am Rhein und sorgen bei Anwohnern und Spaziergängern für Unmut. Pappel-Befürworter wollen sogar gehört haben, dass die Stadt aus den gefällten Bäumen angeblich Kapital schlagen will, die „Rede sei von China“.
„Das ist doch alles Quatsch“, sagte Lothar Schmitz, Leiter des Fachbereichs Stadtgrün am Mittwoch. Die Stadt hat eine externe Firma mit dem Fällen der Pappeln beauftragt – Entsorgung inklusive. „Für uns hat das Pappelholz keinen besonderen Wert, als Brennholz kann man es nicht gebrauchen. Sollen wir daraus etwa Holzschuhe machen, so wie es damals üblich war? “, fragt Schmitz und lacht.
Bis Donnerstag nächster Woche werden die Pappeln laut Grünflächenamt von der Firma abtransportiert, dann beginnt die Stadt mit dem Ausfräsen der Baumstümpfe, in den kommenden drei bis vier Wochen sollen Eichen gepflanzt werden, um eine neue Hartholz-Allee anzulegen. Das Pappel-Fällen ist ein schmerzlicher Schritt für viele Hitdorfer.
Weltkrieg schützte Bäume
„Die Pappeln am Hitdorfer Rheinufer sind 1928 gepflanzt worden. Dafür gibt es eine Zeitzeugin.“ Heinz Brinkschulte, selbst ein alteingesessener Hitdorfer, beschäftigt sich wie viele Anwohner intensiv mit dem Verschwinden der schönen Bäume. Die Pappeln sollten in der Hitdorfer Zündholzfabrik verarbeitet werden. Dazu rückte 1961 ein Fällkommando an. Nach dem ersten Baum war schon Schluss mit der Aktion. „Den Arbeitern gingen gleich zwei Sägen kaputt“, berichtete Brinkschulte am Mittwoch nach Gesprächen mit Hitdorfer Freunden.
Der Grund für die Schäden: In dem Baum steckten viele Granatsplitter. Hitdorf wurden zum Ende des Zweiten Weltkrieges von der anderen Rheinseite aus beschossen. Da habe man den Plan aufgegeben, weitere Pappeln zu fällen. „So gesehen hat der Zweite Weltkrieg die Pappeln zumindest 1961 vor dem Fällen geschützt“, reflektierte Brinkschulte.
Jüngste Entwicklung der Bürgerprosteste: Anonym beschimpfte jemand die Verantwortlichen der Stadtverwaltung mit Schildern, die an den Bäumen hängen. „Wir waren nicht gerade erfreut, nehmen das aber nicht so ernst“, sagte Stadtgrün-Leiter Schmitz, „da hat sich einfach jemand im Ton vergriffen.“
Sehen Sie Bilder der Protest-Schilder hier.
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