Leverkusen: Stipendien ermöglichen Start ins Leben für junge Migranten
VON BARBARA SCHMICKLER - zuletzt aktualisiert: 14.01.2010Leverkusen (RPO). LEVERKUSEN/DÜSSELDORF Migranten und Elite? Oft werden die Migranten den bildungsfernen Schichten zugeordnet. Das Gegenteil zeigt die Start-Stiftung, eine Bildungsinitiative der Hertie-Stiftung gemeinsam mit dem Schulministerium NRW und weiteren Partnern. Die Idee: Jugendliche mit Migrationshintergrund, die sich gesellschaftlich engagieren und gute Leistungen in der Schule erbringen, können sich um ein Stipendium bewerben. Ende 2009 wurden 62 neue Stipendiaten aufgenommen.
100 Euro Bildungsgeld
Sie kommen aus Aserbaidschan, Russland, der Türkei und vielen anderen Nationen. Der Leverkusener Marvin Aideyan gehört dazu. Sein Vater kommt aus Nigeria, seine Mutter hat deutsche und afrikanische Wurzeln. "Wow, das ist was für mich", dachte der 17-jährige Schüler des Landrat-Lucas-Gymnasiums in Opladen, als er sich über das Start- Stipendium informierte. Ein Lehrer hatte ihm die Bewerbung empfohlen.
In seiner Freizeit betreut Marvin zwei Messdienergruppen in Rheindorf, ist Streitschlichter und Kurssprecher. Nach dem Abi in knapp drei Jahren möchte er vielleicht Lehrer werden, die Fächer Mathe und Latein gefallen ihm besonders. Durch das neue Stipendium, was nach einem Jahr bei guten Leistungen verlängert werden kann, erhält Marvin jeden Monat 100 Euro Bildungsgeld.
Theaterkarten und Tickets für die Leverkusener Jazztage hat er sich davon schon gegönnt. Außerdem gab's für Marvin einen Laptop mit Internetanschluss, um mit anderen Stipendiaten in Kontakt zu bleiben. Möglich ist das auch bei regelmäßigen Seminaren. "Am Anfang wusste ich nicht, was mich erwartet, aber alle waren offen, ehrgeizig, motiviert und mit Migrationshintergrund", erzählt Marvin von seiner ersten Rhetorik-Schulung. Seminare zu "Demokratie und Partizipation" oder aus dem kreativen oder naturwissenschaftlichen Bereich warten noch auf ihn.
Teilhabe an der Gesellschaft
Die ideelle Förderung sei besonders wichtig, sagt Kenan Önen, Geschäftsführer der Stiftung. "Start hat zum Ziel, die Jugendlichen auf ihrem Weg zum Abitur begleitend zu unterstützen und ihnen damit die Teilhabe an unserer Gesellschaft zu erleichtern", sagt Önen.
Seit 2002 läuft das Programm mit einem Finanzvolumen von fünf Millionen Euro, aktuell werden über 600 Jugendliche gefördert, knapp ein Drittel kommt aus Nordrhein-Westfalen. Für NRW-Bildungsministerin Barbara Sommer (CDU) der Beweis: "Das zeigt, wie viele leistungsstarke junge Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in NRW ihre Heimat gefunden haben." Die Stipendiaten sollen Vorbilder sein für mehr Leistungsbereitschaft und Engagement.
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