Leverkusen: Streit der Religionen
VON MONIKA KLEIN - zuletzt aktualisiert: 21.11.2008Leverkusen (RPO). Andrea Kramer wendet sich mit ihrer „Nathan“-Produktion an das junge Publikum. Sie benutzt die Textelemente von Lessing, strafft aber die verworrene Geschichte deutlich.
Zwei Mal im Januar
Im Rahmen des NRW-Theaterfestivals für Kinder und Jugendliche „Spielarten“, das Anfang September im Forum eröffnet wurde, war diese „Nathan“-Produktion für Jugendliche zu Gast.
Im normalen Gastspielprogramm von KulturStadtLev ist diese Produktion am 15. Januar mit zwei Vorstellungen vorgesehen. Beide Veranstaltungen sind bereits von Schulen ausgebucht.
Im Jahr 1189 nach Christus, zur Zeit der Kreuzritter in Jerusalem, hat Gotthold Ephraim Lessing „Nathan, der Weise“ angesiedelt. Im verkürzten dramatischen Gedicht, das vom Gelsenkirchener Consol-Theater frei nach der bekannten Vorlage inszeniert wurde, endet es in der Gegenwart. Eindrücklicher als die Meldung aus dem Jahr 2007 vermittelte, die als Abspann über der Bühne zu lesen war, kann man kaum ausdrücken, dass nach 820 Jahren die Problematik des Zusammenlebens von Juden, Christen und Moslems nicht gelöst ist. Aber wie bei Lessing zeigt auch die angehängte aktuelle Geschichte, dass es in der Macht des Einzelnen liegt, die religiöse Barrieren zu überwinden.
Diese Inszenierung von Andrea Kramer, die sich an junges Publikum richtet, ist eine eindrucksvolle Produktion, die den ewigen Streit der drei Religionen mit vielen sinnlichen Elementen verdeutlicht. Die Textelemente von Lessing benutzt, aber die verworrene Geschichte deutlich strafft und auf den Kern konzentriert. Das fünfköpfige Ensemble wechselt darin mehrfach rasch die Rollen. Mit wenigen Griffen lassen sich die Kleidungsstücke verändern, die neue Identität ist damit klar. Mit Jennifer Ewert, Manuel Moser, Fabian Sattler und Florian Seigerschmidt spielt hier Eric Rentmeister, der seine ersten Bühnenerfahrungen beim Jungen Theater Leverkusen sammelte und inzwischen dem Gelsenkirchener Ensemble angehört. Es ist eine ernste Inszenierung, die aber gerade an angespannten Stellen pantomimisch mit Humor arbeitet.
Das Problem von Handlungsarmut und Textlastigkeit löste das Consol Theater mit sinnlichen Zugängen für Augen und Ohren. Der Wechsel zwischen jüdischer, arabischer und europäischer Musik wird bewusst eingesetzt. Das Jerusalem auf der Bühne ist vorwiegend in goldenes Licht getaucht, dessen Wirkung auf einer leeren weißen Wand verstärkt ist. Faszinierend ist das Bühnenbild (Ausstattung Sabine Kreiter), so sparsam und doch so aussagekräftig.
Mauern in Köpfen werden symbolisiert durch mobile Mauern, die immer wieder mit Schwung über die Bühne gerollt und neu zusammengesetzt werden. Sie bestehen nicht aus starren Steinen, sondern sind aus bunten weichen Kissen zusammen gefügt.
Ein schönes Bild, das die so viele Interpretationsmöglichkeiten zulässt. Das setzte man nicht Dekoration, sondern nonverbale Anmerkungen, die Fantasie anregen. Für die Jugendlichen, die im Forum-Studio ganz nah am Geschehen saßen, war es jedenfalls ein ansprechender Zugang, der vielleicht neugierig machte auf das anstrengendere Original.
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