Leverkusen: Streit um BayArena-Baustelle
VON ROMAN ZILLES - zuletzt aktualisiert: 21.04.2009Leverkusen (RPO). Der Ausbau der BayArena wird auch an Sonntagen vorangetrieben. Anwohner der "Gallier"-Siedlung beklagen immense Lärmbelästigungen. Am Neuenhof reagieren Anwohner achselzuckend oder mit Flucht auf die Bauarbeiten.
Es blieb ruhig am Sonntag. Vogelzwitschern war am Mittag in der "Gallier"-Siedlung zu hören, Baulärm drang diesmal nur gedämpft in die Fridtjof-Nansen- und Elsa-Brandström-Straße. "Ich konnte bis halb elf schlafen", berichtet Anwohnerin Ute Pilch. Das sei auch an einem so genannten Ruhetag längst nicht mehr üblich in ihrer Siedlung, einen halben Steinwurf entfernt von der BayArena. Vor zwei Wochen erst rief Pilch sonntags die Polizei, "weil ich um Viertel nach acht aus dem Bett gefallen bin von dem Lärm auf der Baustelle".
Genehmigung aus Regensburg
Dabei ist Sonntagsarbeit grundsätzlich verboten. Ausnahmen wurden aber für den Ausbau der BayArena mehrfach erteilt. Nicht von der Stadt Leverkusen, sondern von der Verwaltung in Regensburg. Denn zuständig sei die Behörde der Stadt, in der das Bauunternehmen (Max Bögl) sitzt. Die Stadt Leverkusen erklärte auf Anfrage, dass sie über die Einhaltung der Lärmschutzbedingungen wache. Mehrfach – auch vorgestern – hätten Mitarbeiter vor Ort Messungen vorgenommen. Resultat: alles im grünen Bereich. Pilch und ihre Nachbarin Gisela Kronenberg bezweifeln die Messungen. Vorgestern sei bereits der fünfte Sonntag in diesem Jahr gewesen, an dem an der BayArena gearbeitet werde. Bereits in der Vergangenheit klagten die Gallier vielfach über die Belästigung durch das Stadion. "Dass es auf einer Baustelle Lärm gibt, ist klar", sagt Kronenberg. Aber der Bau an der Bismarckstraße nage mächtig am Nervenkostüm. "Die letzten Sommerferien konnte ich mich nicht erholen wegen der Stahlbauarbeiten am Stadion. Die Osterferien wurden mir jetzt durch die Arbeiten an der Lärmschutzwand am McDonalds geklaut", sagt die Lehrerin.
Seit Dezember 2007
Mit dem Rückbau des Stadions im Westteil startete der Umbau der BayArena im Dezember 2007. Derzeit laufen die Vorbereitungen für die Montage des neuen Dachs des Stadions, das ab Sommer 30 000 Zuschauern Platz bietet.
Für Kritik oder Anregungen hat Bayer eine Hotline für Nachbarn eingerichtet unter Tel. 0151 58040046 (oder per Email: anwohner@bayarena2009.de).
Die "Gallier" berichten über ihre Situation regelmäßig auf der Internetseite: www.gallier-leverkusen.de.
Pilch wie Kronenberg kritisieren, dass man nur sporadisch über Maßnahmen und Sperrungen informiert werde. Die "Nachbarschafts-Hotline" Bayers nutzten sie nicht mehr, "weil wir zuletzt nicht mal eine Antwort auf unsere Anfrage bekamen". Inzwischen klingt bei Pilch Reue durch, sich am Stadion niedergelassen zu haben. "Durch den Lärmschutz herrscht bei uns bald Gefängnishofcharakter. Während man das Lindner-Hotel für die Schließung entschädigt, zahlt uns niemand den Wertverlust unserer Häuser", klagt auch Kronenberg.
Einige Meter weiter Am Neuenhof sind die Meinungen geteilt bezüglich der Baustelle. "Es muss gemacht werden", sagt ein achselzuckender Anwohner . Ihm gegenüber wird aber bald eine Wohnung frei. "Wir ziehen um – vor allem wegen des Stadions", sagt Ricarda Kreisz. Zunächst störte sie "nur" der Auftrieb zu den Bayer-Heimspielen, inzwischen "rumpelt es im ganzen Haus, wenn der Baustellenverkehr vorbeifährt", erzählt die junge Frau. Daher will Kreisz nur noch weg vom Stadion, aber nicht aus Leverkusen: "Wir bleiben in Küppersteg."
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